Waͤhrend des libyschen Krieges erzaͤhlte mir Marchese
di San Giuliano einmal, als ich ihm die Pantherfahrt
nach Agadir angezeigt hätte, habe er zu seinem Unterstaatssekretär
gesagt: „Die Stunde von Tripolis nähert
sich für Italien.“ Ungefähr drei Monate nach dem Beginn
der zweiten Marokkokrise — Ende September 1911
— benützte Italien seine vorteilhafte Doppelstellung im
Oreibund und zu den Westmächten zu dem UÜberfall auf
Tripolis. Sowohl der König, wie der Konseilpräsidene
Giolitti waren anfangs gegen die Entfesselung eines
Krieges mit schwer absehbaren Folgen gewesen. Aber
die öffentliche Meinung war von Nationalisten und Interessenten
aufgepeitscht worden, der Besitz von Tripolis
war ein alter Wunsch Italiens, und als Herr Giolitti
sah, daß das Unternehmen populär sei, schlug er sich zur
Kriegspartei.
Deutschland wurde durch den Angriff der Alliierten
auf die uns befreundete Türkei in eine schwierige Lage versetze,
unsere Interessen im Orient wurden dadurch erheblich
tangiert. Unsere öffentliche Meinung nahm, besonders
auch im Hinblick auf die räuberische Art des italienischen
Vorgehens, zum überwiegenden Teil lebhaft Partei
gegen Italien. Trotzdem zog die deutsche Regierung in
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