432 Friedrich August II.
heit aber bei der Ritterschaft und den Städten angerichtet
hat, nicht zu vergleichen. — Durch unerschütterliche und allen
Glauben übersteigende Geldanforderungen hat man ihnen
die doppelte und dreifache Einbringung des wahren Werths
ihrer unbeweglichen Güter mit Wuth und Härte abgedrungen;
mehr als sie auf Feldern und Wiesen zu erbauen vermocht,
durch mannigfaltige, auch zu öfteren moglichst erschwerte
Lieferungen, und nach Gutbefinden vorgenommene
Fouragierungen ohne Zurücklassung des zum Saamen und
Brödung unentbehrlichen Bedürfnisses entwendet; alle Vorrdthe
bei lästigen Einquartirungen und Durchzügen ausgeleeret,
und ihre vorher nach Möglichkeit geschonten Waldungen
niedergehauen. Ihr Viehstand ist theils durch haufige
Vorspannungen und andre Folgen des Kriegs, theils durch
die ausgebrochene und noch jetzt in manchen Gegenden wüthende
Viehseuche zerstrt; ja hin und wieder alles bewegliche
Gut durch Plünderungen verzehrt, und über das alles
die beste junge Mannschaft durch Werbungen vertrieben und
viele Hauswirthe durch Krankheit aufgerieben worden. Es
wäre daher sehnlichst zu wünschen: daß, so wie nach Ablauf
des 30 jährigen Krieges, dessen Schrecken, Schäden
und Drangsale in den sieben Jahren der vor wenig Monaten
beendigten Unruhen wiederhergestellt, ja vermannigfaltigt
worden, geschehen, denen bis aufs Blut ausgesogenen
Unterthanen eine äusserst bedürftige Erquickung und Befreiung
von Abgaben gewährt werden konnte.“
Wenn man auch annimmt, daß zu dieser Schilderung
etwas grelle Farben angewendet worden, so ist doch gewiß,
daß die blutigen Bedrückungen und Erpressungen, welche
sich die Preußen in dem unglücklichen Sachsen gestatteten,
nicht leicht übertrieben werden koͤnnen. Friedrich II. selbst
giebt allein die von ihm erzwungenen Contributionen auf
40 bis 50 Millionen an, daher man, mit Hinzurechnung der Lieferungen
recht gern 70 Millionen annehmen kann. Die Summen,
welche die Allürten dem Vaterlande kosteten, kommen
hier nicht einmal in Anschlag. Das dadurch in Umlauf