Full text : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Zweiter Band. (2)

32  Der  Feldzug  im  Westen  vom  12.  Sept.  bis  15.  Nov.  1914

bringen  und  Franchet  d'Espéreys  Vormarsch  auf  Sissonne  in  der  linken
Flanke  zu  bedrohen,  bis  das  XV.  Korps  den  Weg  von  St.  Mientin  auf  das
Schlachtfeld  an  der  Aisne  gefunden  hatte.  Das  VII.  Reservelorps  war  in
den  letten  24  Stunden  60  Kilometer  marschiert,  rückte  aber,  vom  Ernst
der  Stunde  getragen,  unverzüglich  gegen  Craonne  und  Courtecon  vor  und
bot  dem  I.  Britenkorps  und  dem  XVIII.  französischen  Korps  entschlossen
die  Stirn.  Haig  und  Maudhuy  hatten  inzwischen  die  taktische  Verbindung
vollzogen  und  erschienen  auf  den  Querrippen  des  Höhengrates  des  Chemin
des  Dames,  um  den  Höhemweg  und  den  Abstieg  ins  Ailettetal  zu  erstreiten.
Englische  und  französische  Kavallerie  schwärmte  schon  in  der  Mulde  von
Juvincourt  und  Corbeny.  General  v.  Iwehl  war  selbst  bis  Boncowwille
vorgefahren.  Er  hatte  nur  gelichtete  Fußregimenter  und  wenig  Feldartillerie
zur  Verfügung,  um  die  überlegenen  Streitkräfte  des  Feindes  zu  fesseln,
aber  alles,  was  er  zur  Hand  hatte,  mußte  bis  zum  lehten  Mann  eingesetzt
werden,  um  die  Schlacht  herzustellen,  die  vielleicht  den  Feldzug  entschied.

Als  der  General  am  Chemin  des  Dames  die  Qualmtürme  der  britischen
Marinegeschütze  aufsteigen  sah,  wußte  er,  daß  er  seine  Infanterie  opfern
mußte,  bis  das  XV.  Korps  heran  war.  Schon  am  Vormittag  dieses  kritischen
  Sonntags  erschien  englische  Kavallerie  bei  Corbeny  und  versuchte  die
Höhenstellungen  auf  der  Reimser  Straße  zu  umgehen.  Es  war  Haigs
Kavalleriedivision,  die  das  auf  Sissonne  vorreitende  französische  Kavalleriekorps
  in  der  linken  Flanke  begleitete.  Aus  den  Obskégärten  von  Corbeny#
schlug  deutsches  Schützenfeuer.  Französische  Feldbatterien  fuhren  auf  und
deckten  die  Briten,  die  den  Ort  umritten  und  von  Osten  angriffen.  Aber
der  Deutsche  war  rascher.  Ehe  die  Engländer  die  Amfassung  durch  führen
und  die  Franzosen  die  Dorfverteidiger  niederkämpfen  konnten,  jagte  die
II.  Abteilung  des  Reserveartillerieregiments  Nr.  14  heran  und  warf  sich  ins
Gefecht.  Die  französische  Artillerie  wurde  völlig  zusammengeschossen  und
die  britische  Kavallerie  trotz  ihrer  harknäckigen  Versuche,  die  Amgehung
allein  durchzuführen,  unter  schweren  Verlusten  zersprengt.

Doch  unterdessen  geriet  Zwehls  Infanterie  am  Chemin  des  Dames
hart  ins  Gedränge.  Sie  hatte  das  Ailettetal  durchschritten  und  den  Hang
von  Bauclerc  und  Craomne  erstiegen.  Da  quoll  ihr  auf  der  Höhe  von  Craonne,
bei  Hurtebise,  Cerny  und  Courtecon  die  Masse  des  XVIII.  franzssischen
und  des  I.  Britenlorps  entgegen.  Aber  mit  todesmutiger  Entschlossenbeit
behaupteten  Zwehls  Regimenter  die  Hochfläche  von  Craonne.  Bei  Cerny
gelang  es  ihnen,  die  auf  Courtecon  vorgedrungenen  Briten  in  der  Flanke
zu  fassen  und  zum  Halten  zu  bringen,  bei  Hmtebise  drängten  sie  den
Gegner  gegen  das  Foulontälchen  zurück,  aus  dem  er  zum  Chemin  des
Dames  hbinaufgestiegen  war,  auf  der  Höhe  von  Craonne  rückten  sie
sprungweise  bis  Craonnelle  vor.  Um  die  Mittagszeit  schien  der  Aufstieg  der
Engländer  und  der  Franzosen  zu  dem  beherrschenden  Höhengrat  gehemmt.