70 Erstes Buch. Die Elemenle des preußischen Staates (bis 1598).
mit Ordenokkerikern besetzt wurden, war die preußische Landeskirche
ganz in des Ordens Hand, zumal er auch in den bischöflichen
Gebietodritteilen als Landesoherr gebot. Nun weigerte
er die Zahlung des Peteropfennigs, die früher wenigstens vom
Kulmer Lande geleistet worden war. Den Unwillen der geldbedürftigen
Kurie nährten die übrigen Gegner des Ordens, und
so erlangten die Prozesse politische Bedentung, die der Erzbischof
von Riga wegen Dünamünde (S. 60) und Wladislaw
Lokietek megen Pommerellens in Avignon gegen den Orden
anstrengten. Aber des Ordens Sachwalter waren gewandte
Juristen und geschickte Diplomaten. Durch Zuwarten, Vermeiden
jeder ernstlichen Erörterung und genaue Erfüllung aller Formalitäten,
deren Mißachtung ihren Klienten ins Unrecht versetzt
hätte, ermüdeten sie Gegner und Richter. Erging schließlich
ein ungünstiger Spruch, so wußten sie seine Vollstreckung
aufzuhalten oder ihn wohl gar in das Gegenteil zu wandeln.
So erwirkte 1319 Hochmeister Karl von Trier persönlich in
Avignon dem Orden die Bestätigung des Kaufs von Dünamünde.
In betreff Pommerellend verurteilte zwar 1320 Johann
XXII. den Orden zur Herausgabe an Polen und Zahlung
von 3000 Mark Kosten, ließ den Spruch aber unvollstreckt, als
der Orden ihm den Peterspfennig vom Kulmer Lande bewilligte.
So griff Polen schließlich zu den Wassen im Bunde mit
Litauen, dessen König Gedimin 1325 seine Tochter Wladislaws
Sohn Kasimir vermählte. In Marienburg verkannte man die
Gesahr nicht: mit Wratislaw von Pommern, Georg von Rußland,
Semowit von Masowien und Heinrich von Braunschweig
wurden Bündnisse geschlossen, während Polen die Hilfe Ungarns
gewann. Ein neues politisches System tauchte damit im Osten
Europas auf. Zm Zentrum stand der Ordensstaat, um den
die übrigen Mächte freundlich und feindlich gravitierten, setzte
sich aber zugleich dem Papsttum mutig entgegen: trotz Bann
und Znterdikt verweigerte er den Peterspfennig und hielt an
Ludwig dem Bayern fest.
Sühbneversuche und Stillstände zögerten den Ausbruch des
Krieges biô 1327 hin. Als er erfolgte, griffen auch die Rigenser
wieder zu den Waffen und riefen Gedimin zu Hilfe. Deshalb