Volltext : Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im Deutschen Reich. Dritter Jahrgang. (3)

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moralischen  Katzenjammer  ertrugen  ier  ist  Licht  und  Schatten  durchaus  gleichheitlich
vertheilt.  Man  muß  dies  zugeben,  obwohl  Thun's  Urtheil  über  unsere  deutsche  niederrheinische
  Industrie,  über  unsere  Fabrikanten  und  Arbeiter  nicht  immer  günstig,  häufig.
sogar  durchaus  absprechend  ist,  wenn  er  auch  zu  wiederholten  Malen  betont,  daß  es
dort  seit  20  Jahren  unendlich  viel  besser  geworden  sei.  Der  größte  Theil  der  Mißstände
  in  der  rheinischen  Industrie  beruht,  wie  der  Verfasser  nachweist  —  und  es  d
dies  auch  der  deutschen  Industrie  anderwärts  als  Erklärungs=  und  Entschuldigungsgrund
dienen  —,  theils  auf  ihrer  Jugend,  auf  Mangel  an  Kapital,  theils  auch  auf  Minee
an  Bildung,  Standesehre  und  kaufmännischen  Kenntnissen,  oft  auch  auf  Mangel  an
Technik;  er  weist  nach,  daß  Deutschland  in  der  Veredlung  des  Kunstgewerbes  sein  Ziel
suchen  müsse,  um  aus  der  berüchtigten  Produktion  billiger  und  schlechter  Waaren  zur
Produktion  eigenthümlicher,  guter,  preiswerther  Waaren  sich  emporzuschwingen.  Aus
Thun's  Schlußwort,  dem  Grundgedanken,  der  sich  eigentlich  als  der  rothe  Fober  durch
das  ganze  Werk  hindurchzieht,  mögen  die  Industriellen  sich  eine  Lehre  ziehen,  mögen
die  einflußreichen  Kreise,  denen  die  Sorge  für  deutsches  volkswirthschaftliches  Wohl
anvertraut  ist,  die  wohlbegründete  Erkenntniß  schöpfen,  daß  die  deutsche  Fabrikation
deshalb  hinter  der  französischen  und  englischen  um  je  eine  Stufe  zurücksteht,  weil  die
Technik  bei  uns  mangelhaft,  weil  sie  in  falschen  Händen  liegt.  Wehrend  in  Frankreich
  und  England  die  Industrie  in  den  Händen  der  Technik  ruht,  ruht  sie  bei  uns
vielfach  in  den  Händen  des  andele  „Daraus  folgt  eine  geringere  Gesammtproduktivität,
  oder  bei  gleichen  Preisen  gegenüber  dem  Auslande  sind  die  Waaren  schlechter,
ungleichmäßiger,  und  gewähren  weniger  Gewinn,  das  bringt  dann  großsocialpolitische
Gesahren  mit  sich,  indem  um  den  verbleibenden  geringeren  Gewinn  der  Lohnkampf
um  so  heftiger  entbrennt!"

Die  Konsequenzen  des  kapitalistisch-maschinellen  Großbetriebs  zu  geessen  und  dadurch
  die  Gesammtproduktivität  zu  erhöhen,  ist  die  Forderung  des  Verfassers  für  die
deutsche  Industrie.  Dr.  Eheberg.

38.  Die  geognostisch-agronomische  Kartirung  des  Kulturlandes.  Von  Prof.
Dr.  Orth.  Berlin.

Es  war  ein  guter  Gedanke,  daß  der  landwirthschaftliche  Centralverein  für  den
Regierungsbezirk  Potsdam  im  Jahre  1861  durch  ein  Preisausschreiben  die  erste  Anregung
  zu  einer  geognostisch-agronomischen  Kartirung  des  Schwemmlandes  gegeben.
indem  derselbe  eine  Prämie  von  500  Thalern  Gold  für  das  beste  Werk  einer  „Agrikulturgeognosie"
  bewilligte,  und  ein  specielles  Verdienst  des  Professors  Dr.  Orth
in  Berlin  bleibt  es,  vom  Standpunkte  der  Wissenschaft  in  seiner  Schrift  über  „Die
geognostisch,#agronomische  Kartirung,  mit  besonderer  Berürcksichtigung
  der  geologischen  Verhältnisse  Norddeutschlands  und  der  Mark

randenburg,  erläutert  an  der  Aufnahme  des  Rittergutes  Friedrichelde
  bei  Berlin,  Verlag  von  Ernst  u.  Korn,  1875“  die  technische  Grundlage  zur
Larbeitung  befserer  geologischer  und  hydrologischer  Karten  zur  richtigen  Klassifikation
des  Kulturbodens  geschaffen  zu  haben.  Die  obige,  von  dem  landwirthschaftlichen
Centralverein  für  den  ierungsbezirk  Potsdam  gekrönte  Preisschrift  ist  auch  die
Veranlassung  gewesen,  daß  das  k.  Hreußische  Landes-Oekonomie-Kollegium  in  seiner
XI.  Sitzungsperiode,  im  Januar  1866,  beschloß:
„den  Herrn  Minister  zu  bitten,  für  das  Schwemmland  geognostisch-petrographische
Karten  in  Angriff  zu  nehmen  und  die  Aufnahmen,  wo  möglich  im  Maßftak.  von
1:25  000,  anzuordnen;  den  Herrn  Minister  zu  bitten,  zur  sofortigen  Inan  Wissnah
die  Summe  von  mindestens  Thalern  für  die  erste  preußische  Lok  ahme
jährlich  zu  bewilligen  und  damit  unter  4  Dirigenten  ca.  8—10  Aufnahmen  schon
1866  beginnen  zu  lassen.“

Diese  Vorgänge  hatten  zur  Folge,  daß  von  Seiten  des  k.  preußischen  Handels-Ministeriums
  die  Anfertigung  geognostisch-agronomischer  Karten  angeordnet
und  mit  deren  Anfertigung  die  zu  diesem  Zweck  gegründete  k.  geologische  Landesanstalt
  zu  Berlin  beauftragt  worden  ist.

Aus  diesem  Institut  sind  denn  auch  bereits  1  9  geologisch=  agronomische
Kartenblätter  aus  der  nordwestlichen  Umgegend  von  Berlin  erschienen,  welche  unter
specieller  Aufsicht  des  Dr.  G.  D.  Berendt  und  zwar  nach  dem  vom  Professor  Dr.  Orth
aufgestellten  System  angefertigt  worden  find.  Die  nähere  Erläuterung  dieses  Gegenstande
  ist  in  den  „Abhandlungen  zur  geologischen  Specialkarte  von