Full text : Von Luther zu Bismarck. Zweiter Band. (2)

Okonomische  Verhältnisse  39

Nach  den  Kriegen  hat  er  das  Möglichste  getan,  um  den  am  meisten
in  Mitleidenschaft  gezogenen  Provinzen,  wie  Schlesien,  Ostpreußen,
Kleve  durch  Nachsicht  von  Steuern,  durch  überweisung  neuen  Betriebskapitals
  zu  Hilfe  zu  kommen;  er  hat  so  nach  eigenen  Berechnungen
  über  20  Millionen  Taler  verschenkt;  dafür  hat  er  dann  in
den  Jahren  des  Gedeihens  und  Blühens  die  Einkünfte  des  Staates
möglichst  vermehrt,  besonders  durch  direkte  Abgaben,  durch  Einführung
  von  Staatsmonopolen.  Während  er  sehr  klugerweise  den  Getreidehandel
  von  allen  Fesseln  befreite,  belegte  er  Fleisch,  Wein,  Bier
mit  immer  höheren  Abgaben  und  behielt  Salz,  Tabak,  Kaffee  ganz
dem  Staate  vor.  Zur  besseren  Einhebung  dieser  Abgaben  errichtete
er  1766  die  „Administration  des  accises  et  péages“,  kurzweg  vom
Volke  „Régie“  genannt,  die  er  in  seiner  Vorliebe  für  französisches
Wesen  in  die  Hände  französischer  Beamten  legte,  welche  nun  mit
dieser  sehr  unwillkommenen  Steuer  verbunden,  immer  mehr  den
Haß  des  Volkes  auf  sich  zogen  und  wirklich  auch  in  mancher  Hinsicht
  den  Ehrentitel,  den  ihnen  Friebrich  einmal  ingrimmig  verliehen
  hat:  „Schurkenzeug“  verdient  zu  haben  scheinen.  Besonders
übel  wurden  die  Plackereien  in  betreff  des  Kaffees  empfunden,  dessen
Genuß  der  König  möglichst  eingeschränkt  und  kontrolliert  wissen
wollte.  Daß  da  Leute  von  Amts  wegen  herumgehen,  in  die  Häuser
eindringen  und  nach  verbotenem  Kaffeebrennen  schnüffeln  durften,
„die  Kaffeeriecher“,  das  deutet  darauf  hin,  daß  auch  in  Friedrich  II.
die  Erinnerung  an  die  Brutalisierungen  seines  Vaters  weiterlebte.

Einen  besonderen  Wert  legte  Friedrich  auf  den  preußischen  Adel:
man  muß  es  ihm  lassen,  er  hat  durch  richtige  Behandlung  und  Bevorzugung
  einen  unbedingt  verläßlichen  königstreuen  Stand  sich
geschaffen.  Ohne  Murren  haben  ihm  diese  Adeligen  immer  wieder
die  Söhne  für  den  Krieg  geopfert,  sie  haben  aber  dann  auch  im  Frieden
  tüchtige  Beamte  gestellt.  Auf  jede  Weise  hat  Friedrich  sie  gefördert:
  die  Offiziersstellen  waren  ihnen  vorbehalten,  ebenso  die
höheren  Beamten-,  die  Ministerposten,  nur  selten  hat  der  König
Bürgerliche  verwendet.  Dem  Vermögenszustande  seines  Adels  hat,
wie  bereits  erwähnt  worden,  Friedrich  die  größte  Aufmerksamkeit
gewidmet;  von  der  Akzise  war  jener  befreit;  äußerst  ungern  sah
Friedrich  den  Erwerb  von  Rittergütern  durch  Bürgerliche;  ihm
waren  die  bestehenden  Stände  eine  gegebene  Institution,  an  der
man  nicht  rühren  sollte  durch  Vermischung,  durch  Verheiratung.
Diese  Rücksicht  auf  den  Adel  ist  ihm  dann  öfters  hinderlich  gewesen
bei  seinen  Maßnahmen  für  den  Bauernstand;  da  standen  oft  Privi-