Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

46  10.  Handelsbeziehungen  zu  den  Vereinigten  Staaten.

Westindien  unter  amerikanischer  Herrschaft  ungestört  wird  fortentwickeln
können.

Wir  haben  übrigens  Schiffe  nicht  nur  nach  den  Philippinen  geschickt.
Auch  von  den  Deutschen  in  Kuba  und  Portoriko  war  uns  der  dringende
Wunsch  ausgesprochen  worden  nach  Entsendung  von  deutschen  Schiffen,
und  dieser  Wunsch  war  von  sehr  angesehener  Bremer  Seite  —  ich  sehe
leider  den  Herrn  Abgeordneten  Frese  nicht  in  diesem  hohen  Hause;  er
würde  das,  was  ich  jetzt  sage,  bestätigen  können  —  lebhaft  unterstätzt
worden.  Trotz  der  geringen  Anzahl  der  disponiblen  Kriegsfahrzenge  sind
wir  auch  diesem  Wunsche  nachgekommen;  und  während  der  blutigen
Ereignisse,  welche  sich  im  Frühling  und  Sommer  in  jenen  Meeren  abgespielt
haben,  und  durch  welche  Leben  und  Sicherheit  mancher  Deutscher  gefährdet
wurden,  hat  Seiner  Majestät  Schiff  „Geier“  gezeigt,  was  die  Mannszucht,
die  Pflichttreue  und  die  Menschenlicbe  unserer  braven  Seelente  zu  leisten
vermögen.

(Bravol)  .

Meine  Herren,  ich  komme  jetzt  zu  den  politischen  Beziehnngen  zwischen
Deutschland  und  Amerika.  Sie  werden  es  verstehen  —  und  ich  glaube,
gerade  der  Herr  Vorredner  3),  dem  ich  übrigens  sehr  verpflichtet  bin  für
die  freundliche  Art  und  Weise,  in  der  er  sich  ausgesprochen  hat  über  die
Staatssekretäre  im  allgemeinen  und  über  meine  Wenigkeit  im  besonderen

(Ociterkeit  links),
—  ich  glaube,  gerade  der  Herr  Vorredner  wird  es  verstehen,  daß  ich
mich  in  meiner  amtlichen  Stellung  über  diese  Seite  der  Frage  nur  einigermaßen
  diplomatisch  auslassen  kann.  Ich  will  aber  doch  nicht  zu  diplomatisch
  sprechen;  denn  ich  glaube,  daß  zwischen  zwei  starken  und  männlichen
  Völkern  Offenheit  und  Geradheit  die  beste  Politik  sind
(Bravol)

5)  Abgeordneter  Fürst  von  Bismarck.  Er  hatte  u.  a.  gesagt:  „Die  beiden  Herren
Vorredner  haben  Anlaß  genommen,  der  heutigen  Leitung  unserer  auswärtigen  Politik
ihr  Vertrauen  auszusprechen.  Ich  möchte  mir  erlauben,  mich  dem  anzuschließen,  und
glaube  nicht  zu  weit  zu  gehen,  wenn  ich  sage,  daß  die  Herren  Ressortchefs,  die  heute
die  Regierungen  am  Bundesratstische  vertreten,  für  ihr  Ressort  das  Vertrauen  nicht
nur  der  bisherigen  Redner  und  der  Parteien,  die  hinter  ihnen  stehen,  verdienen,  sondern
in  sachlicher  Beziehung  das  Vertrauen  des  ganzen  Reichstags.  (Bravo!  rechts.)  Ich
glanbe,  daß  die  Herren  so  viel  Sachkunde,  Eifer  und  Geschick  besitzen  und  entwickeln
werden,  wie  der  ganze  Reichstag  das  nicht  besser  leisten  könnte.  (Sehr  richtig!  rechts.)
Wer  im  Reichstage  nicht  das  Vertrauen  zu  den  jetzigen  geschäftsleitenden  Herren  besitzt,
der  hat  ja  Gelegenheit,  das  auszusprechen;  ich  glaube  aber,  ein  solcher  würde,  wenn
er  weiter  gesragt  würde,  wen  „er  an  die  Stelle  setzen  wollte,  in  Verlegenheit  sein:
denn  ich  wüßte  nicht,  wie  die  Stellen  besser  besetzt  werden  sollten."“