Brandblasen — Bräune. 537
Umstände dennoch geschehen, dann lege man Dampfkompressen auf, mache unter
Umständen zuführende Streichmassage, den Organismus belebende Ganzanwendungen,
wie Halbbad mit Rückenguß, gebe nur blutverbessernde Nahrung, Obst,
Milch, Kräuter, und verhindere die vergiftende Wirkung der abgestorbenen,
fauligen Teile durch Einstreuen von aufsangendem Holzkohlenstaub, Waschungen
mit hypermangansaurem Kali oder Abtrennung derselben vom gesunden Organismus
durch Operation. über alles dies hat der Arzt zu entscheiden; der Laie soll
nur die möglichen Gefahren kennen und für die erste Hilfe vorbereitet werden.
Brandblasen. Sie entstehen durch Einwirkung hoher Temperaturgrade,
infolge welcher sich die Oberhaut abhebt und Blutwasser sich darunter
ansammelt. Füllen sich diese Blasen dagegen mit Blut, so vereitern sie meist.
Springen sie auf, so wird die Lederhaut bloßgelegt, und dann sind sie sehr
schmerzhaft. Große Blasen sticht man manchmal gerne auf, um Erleichterung
zu bringen, doch ist es besser, sie eintrocknen zu lassen.
Behandlung. Man logt reine, weiche Läppchen, in frisches Mandelöl
getaucht, auf und macht darüber kalte Aufschläge, die man bei großen
Schmerzen häufig wechseln muß. Schien die Brandwunde beschmutzt, so muß
sie mit abgekochtem Wasser und Wundwatte sorgsam gereinigt werden;
zerrissene Hautfetzen müssen beseitigt und jedes Eindringen von Schmutz und
Staub muß verhindert werden. Dies geschieht durch das Olläppchen,
welches man nur alle 24 Stunden erneuert. Gelingt es, die Brandblasen
unverletzt zu erhalten, so verhütet man das Entstehen von Wunden. Wenn sie
abgetrocknet sind, lösen sie sich selbst ab, und die Abheilung ist eine viel leichtere.
Bräune (Krupz). Man nennt „häutige Bräune“ eine Ausschwitzung
und Ansammlung im Kehlkopf, welche verstopfend und lähmend einwirkt.
Nach kurzem Unwohlsein, das oft kaum Beachtung findet, bekommen Kinder
im Alter von zwei bis zehn Jahren nachts plötzlich einen Hustenanfall, der
bellend und hohl klingt; ihre Stimme wird tonlos, ihre Züge werden verängstigt,
und sie kämpfen immer mehr mit Luftmangel. Nehmen die Ausschwitzungen
rasch zu, so erstickt das Kind in wenigen Tagen; oft schläft es
auch ermattet infolge langsamer Kohlensäureüberladung ein. Meist werden
nur kräftigere Kinder ergriffen. Viele Arzte rechnen die Bräune zu Diphtherie.
Behandlung. Gelingt es, rasch einzugreifen und kräftige Anwendungen
zur Ausführung zu bringen, so kann manches Kind noch gerettet werden;
aber wie soll dies möglich sein bei unvorbereiteten Eltern, die von einem
Anfall des Kindes nachts überrascht werden?!
Treffen die obigen Zeichen ein, so besorge man sofort heißes Wasser
und mache noch nachts ein heißes Vollbad, von 35% auf 40°% C. aufsteigend,
mit kalter Kopfkompresse, packe darauf das Kind in trockene Decken und
trachte, eventuell mit Wärmeflaschen, Schweißausbruch zu erzielen. Darnach
Halbbad mit 28° C., langsam abkühlend auf 24° C. unter kräftigem Frottieren
des Oberkörpers, etwa drei Minuten.