Full text : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1812. (8)

 

 

 

Lummer  17.

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len#  s  2  N1

Samstag,  22.  Juanuar  1916

 

verflossenen  Jahres  zu  ihrer  Kenntnis  kamen,
bei  der  britischen  Regierung  vollständige  Genugtuung,
  namentlich  hinreichende  Bestrafung
su  die  desiellose  Vrukallkät  der  verantwortmten.
  Die  Verhandlungen  schweben
n  wobei  die  weite  Entfernung  Australiens
eine  Rolle  spielt.
Der  Brandschaden  in  Nancy.
Genf,  20.  Jan.  Das  „Journal  des  Debats“
  bezisfert  den  Schaden,  der  am  Montag
in  Nancy  durch  den  Brand  des  Häuserblocks
Magazin  Reunis  angerichtet  wurde,  auf  16
Millionen.  Durch  die  Vernichtung  der  dort  aufgestapelt
  gewesenen  Rohstoffe  wird  die  Industrie
  empfindlich  berührt.  Die  Pariser  Presse
beglückwünscht  den  Präfekten  von  Nancy,  weil
er  die  Beamten  der  Präfektur,  die  bei  der  Panik
  während  der  Beschießung  am  4.  Januar  die
Stadt  in  tollster  Flucht  verließen,  jetzt  unerbitt.
lich  aus  dem  Amte  jage.  Auch  der  Dioisionschef
  Bontemps  wurde  nach  dreijähriger  belobter
Dienstzeit  ohne  Pension  entlassen.

Die  Ermordung  von  Jaures.

Wie  Jan.  Das  „Neue  Budapester
Acgbicunt  Iean  von  seinem  Korrespondenten
in  Lausanne  die  Mitteilung,  daß  das  Komplott
  zur  Ermordung  Jaures  von  Rußland
ausgegangen  sein  soll.  Sie  Mitteilung  stammt
von  einem  ehemaligen  Mitglied  der  russischen
Staatspolizei,  Staatsrat  Aksanow,  einem
Freunde  des  Grafen  Witte,  der  nach  Wittes

od  aus  dem  Staatedienste  trat  und  in  Lausanne
  seinen  Wohnsitz  nahm.  Es  war  in  Rußland
  bekannt,  so  sagt  der  Bericht,  daß  Jaures,
der  großen  Einfluß  auf  die  Sozialisten  Frankreichs
  besaß,  der  französischen  Regierung  Schwierigkeiten
  machte  und  durch  seinen  Einfluß  die
französische  Kriegslust  wesentlich  vermindern
konnte.  Staatsrat  Paslewilsch  wurde  deshalb
mit  einigen  anderen  nach  Paris  gesandt  und
einige  Tage  später  war  Jaures  tot.  Paskewitsch
  wurde  zum  Polizeipräfekten  in  Charkom
ernannt,  eines  Amtssprengels,  in  dem  die  Güter
  Wittes  liegen,  und  als  Graf  Witte  eines
geheimnisvollen  Todes  gestorben  war,  wurde
Paskewitsch  mit  dem  Titel  „Exnzellenz“  zum
Chef  des  Gendarmeriekorps  im  Hauptquartier
des  Großfürsten  Nikolajewitsch  ernannt.

Kriegsratin  London.
London,  20.  Jan.  (Amtlich.)  Die  französischen
  Minister  berieten  gestern  mit  verschiedenen
  Regierungsstellen,  die  mit  dem  Kriege
zu  tun  haben.  Nachmittags  trat  der  gemeinsame

Kriegsrat  der  Verbündeten  zusammen.

Kanadas  Hilfe.

Ottawa,  20.  Jan.  (Reuter.)  Der  Finanzminister
  teilte  im  Unterhause  mit,  daß  Kanada
  die  sten  für  seine  Expeditionsarmee
selbst  tragen  wmird.

Die  Kriegskosten  Englands.

Rotterdam,  20.  Jan.  Lord  Middelton
hielt  in  Sheffield  eine  Rede  in  einer  Versammlung,
  worin  er  die  größte  und  allgemeinste
Sparsamkeit  befürwortete.  Er  teilte  u.  a.  mit:
Wie  wenig  die  Regierung  voraussah,  welche  gewaltigen
  Kosten  der  Krieg  verursachen  würde,
ergibt  sich  aus  folgendem:  Im  Anfang  des  Jahres
  1915  wurde  das  Defizit  für  dieses  Jahr
auf  865  Millionen  Pfund  Sterling  geschätzt,
im  Juli  bereits  auf  960  Millionen,  im  Dezember
  waren  es  trotz  der  gewaltigen  Erhöhung
  der  Steuern  schon  1200  Millionen  (24

der  Schag  der  Sabder.

#  von  L.  Kracy.
(Nachdiu#  ###bo

„Ich  weiß  nicht,  was  ich  Iynen  darauf
antworten  joll,  Herr  von  Sylvander!  Wenn
es  in  der  Tat  die  Quelle  des  Suleiman  ist,
an  der  Alsieri  nachgraben  laßt,  so  muß  der
Teufel  selbst  ihn  geführt  haben.  Denn  ich  mache
kein  Hehl  daraus,  daß  ich  auf  den  mit  diesem
Namen  bezeichneten,  Ort  meine  stärksten  Hoffnungen
  Belght  hatte.

Herr  von  Sy  T1eeinder  schwieg  eine  Weilc  in
ernstem  Nachdenken.  Es  war  ihm  offenbar
vorderhand  noch  unmöglich,  sich  in  diesem
Labyrinth  von  Räütseln  und  Widersprüchen
zurechtzufinden.  Aber  er  schien  andererice  ts  fest
Zatcchlceen,  den  Dingen  in  dieser  Stunde  rücksichtslos
  bis  auf  den  Grund  zu  gehen.  Nach
Verlauf  einiger  Minuten,  während  deren  niemand
  die  im  Zelte  berschende  Stille  zu  unterbrechen
  gewagt  haite,  sagte  er?

„Sie  nannten  soeben  den  Namen  Alsieri,
desselben  Menschen  also,  der  bei  unieren  Erlebnissen
  in  Massonah  eine  so  verhangniealle
Rolle  gespielt  bat.  Es  scheint  alio  für  Sie
keinem  Iweifel  zu  Merteven.  daß  er  der  Besitzer
  des  Papyrus  en  Sic  ihn  auch
für  denjenigen,  der  tinerh  an  den  Diebtabl  der
Urkunde  auegeführt  oder  angest  ktletet  hat?“

„Ie  ich  nehme  allerd.  ngs  an,  doh  er
damit  in  Verbindung  stehr.“

„Und  weztmn  haben  Sie  davon  in  Massauah
nichts  gesogt?“

vw  grell  wollte  antworten,  aber  in

ten  zusammengenommen,

Milliarden  Mark)  geworden  und  für  das  Jahr
1916  wird  der  Fehlbetrag  natürlich  sehr  viel
größer  werden.  (3.)

Der  deutsche  Peterspfennig.

Berlin,  20.  Jan.  Aus  Anlaß  des  letzten
päpstlichen  Konsistoriums  im  Dezember  hatte
auch  der  Pariser  Kardinal  Amette  eine  Privataudienz
  beim  Papst  Benedikt,  dem  er  die
Ueberzeugung  von  dem  politischen  und  wirtschaftlichen
  Zusammenbruch  Deutschlands  beizubringen
  sich  bemühte.  er  Papst  hörte  geduldig
  zu  und  ließ  sich  auf  politische  Erörterungen
  nicht  ein,  er  bemerlte  nur,  an  einen
wirtschaftlichen  Zusammenbruch  Deutschlands
lönne  er  nicht  glauben,  denn  die  deutschen  Katholiken
  hätten  als  Pelerspfennig  seit  Beginn
des  Krieges  7  Millionen  Mark  aufsgebracht,
und  damit  mehr  als  die  Katholilen  aller  Staaund
  damit  zugleich
!  mehr  als  die  Katholiken  Framseshe
für  den  Hl.  Stuhl  gespendet  hatten.  (3.)

Das  wahre  Kriegsziel  Englauds

Die  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  schreibt:  Vor
lurzem  hat  einer  der  höchsten  englischen  Gerichtshöse
  ein  Urteil  erlassen,  das  geschichtliche
Bedeutung  beanspruchen  darf,  weil  es  mit  allen
diplomatischen  Beteuerungen  über  Englands
Kriegegrund  und  Kriegeziel  entschlosson  aufräumt
  und  in  ciner  Offenheit,  die  an  Inmismus
  grenzt,  die  Vernichtung  des  deutschen  Handels
  als  das  wahre  Kriegsziel  feststellt.

Der  Tatbestand  ist  einfach:  Eine  deutsche
Firma  hatte  Jahre  vor  dem  Kriegsausbruch
mit  einer  englischen  Aktiengesellschaft  einen
Vertrag  geschlossen,  wonach  die  Gesellschaft  ein
Abfallprodult  ihrer  australischen  Bergwerlsbetriebe,
  nämlich  Zink-Konzentrate,  die  durch
ein  in  Deutschland  ausgebildetes  Verfahren  eine
hochwertige  Ware  geworden  sind,  auf  Jahre
binaus  regelmäßig  an  die  deutsche  Firma  zu
liesern  hatte.  In  dem  Vertrag  war  vorgesehen,
  daß  er,  wenn  seine  Ausführung  durch
höhere  Gewalt  oder  ähnliche  Ursachen  gehindert
  werde,  nur  fuspendiert  sein  und  nach  Wegfall
  des  Hindernisses  wieder  in  Kraft  treten
sollte.

Natürlich  hat  der  englische  Handelskrieg  gegen
  Deutschland  die  Ausführung  verhindert,  so
daß  die  Suspensationsklausel  in  Kraft  tritl.3

Die  englische  Gesellschaft  wollte  nun  aber  den
Krieg  benutzen,  um  sich  ihrer  Lieferungspflicht
für  immer  zu  entziehen  und  die  freie  Verfügung
  über  ihre  Produkte  zugunsten  der  nichtdeutschen
  Konkurrenten  der  Käuferin  zukückzuerlangen.
  Sie  hat  deshalb  vor  englischen  Gerichten
  beantragt,  den  Vertrag  entgegen  den
darin  enthaltenen  ausdrücklichen  und  unzweideutigen
  Bestimmungen  wegen  des  Krieges  als
aufgelöst  zu  erllären.

Der  Appellhof  beim  Supreme  Court  of  Judicatur
  hat  dem  Verlangen  durch  Urteil  vom
21.  Dezember  1915  stattgegeben  und  dies  mit
folgenden  denkwürdigen  Worten  begründet:
„Wenn  die  Klägerin,  wie  es  der  Vertrag  bezweckt,
  alle  von  ihr  bereiteten  Konzentrate  für
die  Beklagte  zurückitellte,  so  würde  diese  in  der
Lage  sein,  bei  Friedensschluß  ihren  Handel  so
schnell  und  in  so  großem  Umfange  wie  möglich
wieder  aufzunehmen;  damit  würden  aber  die
Wirkungen  des  Krieges  auf  die  kommerzielle
Blüte  des  feindlichen  Landes  abgeschwächt,  defren
  Zerstörung  das  Ziel  unseres  Landes  während
  des  Krieges  ist.  Einen  solchen  Vertrag
annerlennen  und  ihm  Wuamtert  zu  geben
durch  die  Annahme,  daß  er  für  die  Vertragsteile
  rechtsverbindlich  geblieben  sei,  hieße,  das
Ziel  dieses  Landes,  die  Lähmung  des  feinddiosen

  Momont  stand  Wrau  non  Deaden  an
und  trat  mit  staller,  eiwmas  theatralischer  Gebarde
  in  die  Mitie  des  Zeltes.

31.  Kapilel.

„Ich  sehe,  daß  es  an  der  Zeit  ist.  amit  rück.
halllöser  Ojfenheit  zu  reden,“  sagte  die  schöne
Witwe,  ihr  Antlitz  mit  dem  ewühendsten  Ausdruck,
  den  sie  ihm  zu  geben  vermochte,  dem
Geheimrat  zuwendend.  „Das  Opfer,  das  ich
damit  bringe,  ist  nicht  gering,  denn  es  handelt
sich  dabei  zum  -  Teil  um  Dinge,  über  die  zu
sprechen  einer  Frau  sehr  schwer  wird.  Aber
ich  will  nicht,  daß  der  Baron  de  Beanuregard
und  viellelcht  auch  ich  selbst  hier  länger  unter
einem  Verdacht  leiden  müssen,  den  leines  von
uns  verdient.  Alsieri  spielt  schon  seit  Jahren
eine  verhänqnisrolle  Rolle  in  meinem  Leben.
Er  war  Kustos  an  einem  Museum  in  Noeapel,

als  ihn  die  Regierung  zum  Zwecke  gewisser
Allermnneonchuhigen  nach  der  Kolonie  Erythräg
entsandte.  Mein  ann  hatte  damals  die
Oberleitung  bei  der  Legung  eines  Kabels  durch
das  Rote  Meer,  und  es  entstand  ein  freundschaftluches
  Verhältnis  zwischen  ihm  und  dem
Italiener.  Ein  Araber,  namens  Adbdullah  el
Jaridiah,  der  es  gleich  viels  anderen  zu  einem
lohnenden  Erwerb  gemacht  hatte,  alte,  den
Europäern  noch  nicht  bekannte  Grabstätten
nach  archäologischen  Seltenhelten  zu  durcheöbern,
  fand  eines  Tages  eine  Papyrusrolle,
er  bei  seiner  Unkenntuls  der  kaum  noch
berrhcbe  Sbsiechen  naotürlich  keinen  außergewöhnlichen
  Wert  beimaß.  Ex  verkaufte  sie
für  ein  paar  Franken  an  Alfieri  urd  dieser
machte  meinem  Manne  ein  Geschenk  d  .“
„Sie  sagten  soeben,  Alfiert  sei  Las  an

 

 

ein  nem  Museum  gewesen  und  zum  Zwecke

 

volles  Vertrauen  lchenten  durfte,  gab  i  ich  einlichen

  Handels,  vereiteln,  es  hiebe,  durch  britische
Gerichte  das  Werk  wieder  ungeschehen  machen,
das  für  die  Nation  von  ihren  See=  und  Landstreitträsten
  vollbracht  worden  ist.“

Die  Richter,  die  dieses  „Recht“  gefunden  halen,

  sind  Lord  Instice  Swinsen  Eady,  Lord
Justice  Phillimore  und  Lord  Justice  Pickfor.

(.)
"  s  s
versengtzeesek
Dieenglische  Blodadegegen  Deutschland

  und  die  Neutralen.
New  pork,  20.  Jan.  (Durch  Funkspruch

vom  Vertreter  des  M’#B.)  Die  Presse  berichtet

aus  Wasbington:  Man  erfährt,  daß  der  Entschluß
  der  Alliierten,  eine  förmliche  Blockade
über  die  deutschen  Häfen  zu  erklären,  den  Gegenstand
  eines  Gedankenaustausches  zwischen
den  hiesigen  diplomatischen  Vertretern  der  Alliierten
  und  einer  unsormellen  Besprechung  zwir
schen  den  Diplomaten,  und  den  Beamten  des
Staatsdepartements  war.  Wie  verlautet,  sieht
das  Programm  die  tatsächliche  Ausdehnung  der
Blodade  auf  die  europäischen  Neutralen  durch

eine  scharfe  Anwendung  der  Doktrin  vom  letzten
  Bestimmungsort  vor.  Der  Aufschub  für  die

Verwirllichung  des  Planes  wird  gänzlich  auf  den
Widerstand  seitens  Frankreichs  und  möglicherweise
  auch  Italiens  zurückgeführt,  die  britische
Auslegung  der  Rechte  eines  Kriegführenden  anzunehmen.
  Diese  Auffassung  des  Gegenstandes
wurde  hier  mit  großer  Vorsicht  aufgenommen,
wie  es  heißt,  unter  voller  Würdigung  des
mahrscheinlichen  Auskruches  einer  englandfeindlichen
  Stimmung  im  Kongreh.  Die  Diplomaten
richten  ihre  Anstrengungen  darauf,  die  Stärke
der  amerilanischen  Stimmung  über  diesen  Gegenstand
  festzustellen,  nämlich  über  die  Anwen
dung  der  Blockade  auf  die  Neutralen,  für  die,
wie  die  Engländer  behaupten,  die  Vereinigten
Staaten  einen  Präzedenzfall  im  Bürgerkrieg.

geschafsen  hätten.  Es  wird  als  Ergebnis  erwartet,

  daß  der  Widerstand  der  Vereinigten  Staaten
  durch  sehr  beftige  Proteste  seitens  Hollands,
Dänemarks  und  Schwedens  souie  möglicherweise
  auch  Normegens  unterstützt  wird.  Von
Frankreich  heißt  es,  daß  es  gegen  den  britischen
Gesichtspunkt  vom  Recht  der  Blockade  eines
neutralen  Hafen-s  geltend  mache,  daß  dadurch
Frankreich  lünftig  von  den  Vereinigten  Staaten
  durch  die  anliegenden  Länder  Belgien,  Spanien
  oder  Italien  algeschnitten  werden  könnte.
Die  britische  Behauptung  gehe  jedoch  dahin,  daß
solche  neutrale  Häsen  mie  Rotterdam  in  Holland
  und  Malmö  in  Schweden  mährend  des
Krieges  in  jeder  Beziehung  als  deutsche  Häfen
anzusehen  seien.  und  daß  die  Alliierten  nur
adurch,  daß  sie  diese  Häsen  dem  deutschen
Handel  verschlössen,  hoffen  könnten,  Deutschland
  und  Oesterreich  tatsächlich  auszuhungern.
Diese  Ansichten  sollen  schließlich  unter  den  Alliierten
  die  Oberhand  gewonnen  haben.

Kopenhagen,  20.  Jan.  „Extrabladet“
chreibt  zu  der  von  englischer  Seite  angedrohten
Blockade  Deutschlands,  eine  verschärfte  Blockade
würde  nur  die  Neutralen  treffen.  Gegenüber
Deutschland  kann  man  nicht  mehr  unternehmen
als  man  bereits  tat.  Ein  verschärftes  Auftreten
  von  englischer  Seite  würde  schicksalsschm#ere
Folgen  haten.  Skandinavien  ist  nämlich  kein
Balkan.  Sollte  eine  verschärfte  Blockade  wirk.
lich  durchgeführt  werden,  würde  England  gezuungen
  sein,  uns  näc  Griechenland  zu  behandeln.
  Bei  der  Durchführung  der  Blodade  würde
England  auch  wie  ein  riesiger  Heringsträmer
erscheinen,  der  allen  Neutralen  u#e  kleinen  Leuten
  aus  der  Seilengasse  täglich  ihre  Portionen
abwiegt.

—

amsm—.—.——.—..—a——.—.
wissenschastlicher  Forschungen  nach  Af#ika  entsandt

  worden,“  er  Geheimrat  ein,  und
es  war  ein  Perliehed  Klang  von  Sarkasmus
in  seiner  Stimme.  „Wollen  Sie  da  irgendeinen
  Menschen  glauben  machen,  daß  er,  der
doch  seiner  Bildung  nach  imstande  sein  mußte,
den  Papyrus  zu  entziffern,  denselben  aus  der
Hand  gegeben  hätte,  ohne  lich  zuvor  über  seinen
Inhalt  zu  unterrichten?“

„Darauf  kann  ich  nichts  weiter  sagen,“
erwiderte  Frau  von  Heyden  ruhig,  „als  da
er  offenbar  von  dem  Werte  der  Urkunde  keine
Ahnung  hatte,  als  er  sich  unmittelbar  nach
dem  wohlfeilen  Erwerb  ihrer  wieder  entäußerte.
Auch  mein  Mann  konnte  über  den  Inhalt  des
Papyrus  nicht  recht  ins  reine  kommen.  Er
verstand  wohl  den  größten  Teil  des  griechischen
Tertes;  aber  er  hatte  nie  gelernt,  Hieroglyphen
zu  lesen.  Da  seine  Wißbegier  rege  gemacht
worden  war,  versuchte  er  zwar,  sich  mit  fremder
Hilse  zu  rrienteren.  Aber  er  kam  damit  dicht
zustande,  da  bald  darauf  —  nun
bald  darauf  elsles  plötzlichen  Todes  staft.  Veb
erst  erlangte  Alfieri  durch  einen  Zusall  Kenntnis
  von  dem,  was  mein  Mann  hinsichtlich  des
Inhalts  des  Papyrus  bereits  sesigestellt  hatte.
Und  nun  verlangte  er  von  nirr  die  Rückgabe
des  Dokuments.  Unglücklicherweise  Teigte  ich
mich  diesem  ganz  unberechtigten  Verlangen
nerst  nicht  abgenelgt,  und  ich  würde  ihm  wahrsiheineih
  den  Paphrus  ausgehändigt  haben,

wenn  ich  nicht  eben  damals  den  aron
de  Beaittegard  kennen  gelernt  bätte:  der  einer
fran  zösischen  Mission  an  den  König  Menelik
attachiert  worden  war  und  der  n  in  uneigennütziger
  Weile  einige  sehr  wertvolle  Freundschaftsdienste
  erwiesen  hatte.  Ihm,  dem  ich

Volk  treibt  zur  Explosion.

 

kEin-  engl.  U-  *  gestrandet.
„  20.  Jan.  „Köln.  Volksztg.“

rsd  aus  W1  HEi  englisches  Unterseebvot

  strandete  bei  der  Insel  Schiermonnikoog.
11  Mann  der  Besatzung  wurden  von  einem
holländischen  Rettungsboot,  die  übrigen  von  ei-.

  einem  englischen  Torpedoboot  gerettet.

 

Mallen  vor  einer  kakaskrophalen
Dendungꝰ

Von  der  italienisch-schweizerischen  Grenze  liegen
  Meldungen  über  drohende  Umwälzungen
infolge  der  jüngsten  Ereignisse  auf  dem  Balkan
vor.  Die  Regierung  sieht  sich  nach  und  nach
von  allen  Seilen  verlassen,  und  die  Leidenschaften
  der  Parteien  scheinen  bereits  die  Oberhand
  gewonnen  zu  haben.  Die  Gärung  im
In  höchster  Spannung
  sind  aller  Augen  auf  das  vom  inneren
Feind  nicht  weniger  als  vom  äuheren  bedrohte
Land  gerichtet.  Jeder  Augenblick  kann  dort
Geschehnisse  von  höchster  und  furchtbarster  weltgeschichtlicher
  Tragik  zeitigen.  Also  lauten  die
Meldungen,  die  aus  Lugano  lommen  und  den
Kombinationen  weitesten  Spielraum  geben.

Ferner  wird  aus  Wien  berichtet:  Wie  zu
erwarten  war,  hat  die  Unterwerfung  Montenegros
  in  Italien  niederschmetternd  gewirkt.  In
hestigen  Ausfällen  wendet  sich  ein  Teil  der
ilalienischen  Presse  gegen  die  Entente  und  namentlich
  gegen  England,  das  mit  Beschimpfungen
  überhäuft  wird.  Diese  plötzliche,  von  der
Zensur  nicht  unterdrückte  Wendung  in  der  ilalienischen
  Presse  muß  natürlich  jehr  auffallen
und  gibt  zum  Nachdenlen  Anlaß.  Hierzu  kommt
die  allerdings  noch  unbestätigte  neutrale  Meldung,
  daß  Italien  seine  Truppen  in  Albanien
auf  Valona  zurückgezogen  habe.  Seit  der  vierten
  Isonzoschlacht,  also  seit  Wochen,  ist  die
italienische  Angriffelust  erlahmi.  In  der  hanzen
  Zeit  ist  eigentlich  kein  gröheres  Ereignis
auf  dem  italienischen  Kriegsschauplatze  riolgt.

Die  „Tägl.  Rundschau“  meldet  aus  Lugano:
  Die  Hauptorgane  des  revolutionären
Flügels  der  Kriegspartei,  „Popolo  d'Italia“
und  „Fronte  interno“  lündigen  Salandra  die
Lossagung  von  der  Politik  der  Regierung  an,
da  die  Regierung  den  Mai.  Jdealen  der  Kriegepartei-nicht
  mehr  folge.  Der  „Popoto  d'Italia“
kündigt  auch  die  Wiederaufnahme  der  revplutionãren
  Propaganda  seiner  Freunde  an.  Das
Programm  sei  Krieg  bis  zum  Siege,  aber  Sieg
zur  Verstärlung  der  künftigen  Revolution.  Die
italienische  Presse  bespricht  diese  Lossagung  mit
Ruhe,  meil  sie  darin  nur  einen  Druck  auf  die
Regierung  zu  einem  entschiedenen  Vorgel'en  erblickt.
  In  Rom  freilich  sind  alle  Kriegsparteien
von  der  Ungeu  iheit  über  die  nächste  Zukunft,
namentlich  in  bezug  auf  Albanien  ersüllt.

Der  „Täglichen  Rundschau“  wird  aus  Chiasso
unter  anderem  geschrieben:  Einem  Zusammenbruch
  geht  Italien  unabmeislich  entgegen,  nur
steht  der  Zeitpunkt  desselben  nicht  sest.  Man
treibt  mit  aller  Wucht  den  sinsteren  Gewalten
der  Anarchie  zu.  Wieder  wie  in  den  unvergeßlichen
  Pfingsttagen  steht  Mailand  unter  dem
Eindruck  der  sich  vorbereitenden  Schreensherr
schaft  desselken  Gesindels,  das  im  Mai  auf
Geheih  der  Regierung,  heute  aber  entgegen
dem  Willen  der  Behörden  zur  Revolution  treibt.
Haussuchungen  und  Verhaftungen  haben  in  den
letzten  8  Tagen  in  solchem  Umfange  stattgefun:
den,  daß  viele  geängstigte  Familien  der  weiteren
  Entwicklung  der  Dinge  durch  eine  Flucht
in  das  neutrale  Ausland  aus  dem  Wege  gehen.

In  diesen  Meldungen  scheinen  Tatsachen  und
Kombinationen  stark  gemischt  zu  sein,  wenn  auch
feststeht,  daß  Italien  sich  zurzeit  auf  einer  sehr
schiefen  Ebene  bewegt.

mal  die  Aufzeichnungen  melnes  verstorbenen
Mannes  über  den  von  ihm  entzifserten  Teil
des  Mannskripts  zu  lesen;  er  bat  sich  das
Original  aus,  demete  einen  großen  Teil  der
hieroglophischen  Jeichen  und  legte  mir  drinans
  Herz,  mich  des  Besibrechts  an  der
wertvollen  Urkunde  unter  keinen  Umständen  zu
begeben.  Seine  Kenntnisse  in  den  Aliertums
wissenschaften  waren  damals  indessen  noch  nicht
vielseitig  genug,  daß  er  seiner  Sache  vollkommen
  gewiß  gewesen  wäre.  und  es  beranng
nahe#m  ein  Jahr,  ehe  er  sich  bei  Sachverstan
digen  volle  Gewihheue  über  die  Richtigkeit  seiner
Auslegung  holen  konnte.  In  der  Zwischenzeit
war  es  zwischen  Signor  Alsieri  und  mir  zu
einem  heftigen  Zerwürfnis  gekommen  —  und
war  aus  einem  Grunde,  dessen  ich  hier  nur
notgedrungen  und  widerwillig  Ertvahnusgg  luc.
Er  halte  nämlich  plöglich  angefangen,  den
stürmischen  Liebbaber  zu  spielen,  hatte  mir  einen
Heiratsantrag  gemacht  und  kein  Mittel  unverutht
  gelassen,  mich  für  die  Gewahrung  seiner
Wünsche  Ju  gewinnen.  Aber  der  Mann  war
mir  in  hohem  Maße  wiee  und  uim
seinen  unerträglichen  Nachstellungen  zu  entgehen,
  begab  ich  mich  nach  Deutschland.  Dort
brachte  ein  Bekannter  mich  auj  die  Idee,  Sie,
Herr  Geheimrat,  für  die  Angelegenheit  iteressieren.
  Und  alles  Weitere  ist  Ihnen  ja  zur
Genüge  bekannt.“

 

Ume

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