Lummer 17.
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Samstag, 22. Juanuar 1916
verflossenen Jahres zu ihrer Kenntnis kamen,
bei der britischen Regierung vollständige Genugtuung,
namentlich hinreichende Bestrafung
su die desiellose Vrukallkät der verantwortmten.
Die Verhandlungen schweben
n wobei die weite Entfernung Australiens
eine Rolle spielt.
Der Brandschaden in Nancy.
Genf, 20. Jan. Das „Journal des Debats“
bezisfert den Schaden, der am Montag
in Nancy durch den Brand des Häuserblocks
Magazin Reunis angerichtet wurde, auf 16
Millionen. Durch die Vernichtung der dort aufgestapelt
gewesenen Rohstoffe wird die Industrie
empfindlich berührt. Die Pariser Presse
beglückwünscht den Präfekten von Nancy, weil
er die Beamten der Präfektur, die bei der Panik
während der Beschießung am 4. Januar die
Stadt in tollster Flucht verließen, jetzt unerbitt.
lich aus dem Amte jage. Auch der Dioisionschef
Bontemps wurde nach dreijähriger belobter
Dienstzeit ohne Pension entlassen.
Die Ermordung von Jaures.
Wie Jan. Das „Neue Budapester
Acgbicunt Iean von seinem Korrespondenten
in Lausanne die Mitteilung, daß das Komplott
zur Ermordung Jaures von Rußland
ausgegangen sein soll. Sie Mitteilung stammt
von einem ehemaligen Mitglied der russischen
Staatspolizei, Staatsrat Aksanow, einem
Freunde des Grafen Witte, der nach Wittes
od aus dem Staatedienste trat und in Lausanne
seinen Wohnsitz nahm. Es war in Rußland
bekannt, so sagt der Bericht, daß Jaures,
der großen Einfluß auf die Sozialisten Frankreichs
besaß, der französischen Regierung Schwierigkeiten
machte und durch seinen Einfluß die
französische Kriegslust wesentlich vermindern
konnte. Staatsrat Paslewilsch wurde deshalb
mit einigen anderen nach Paris gesandt und
einige Tage später war Jaures tot. Paskewitsch
wurde zum Polizeipräfekten in Charkom
ernannt, eines Amtssprengels, in dem die Güter
Wittes liegen, und als Graf Witte eines
geheimnisvollen Todes gestorben war, wurde
Paskewitsch mit dem Titel „Exnzellenz“ zum
Chef des Gendarmeriekorps im Hauptquartier
des Großfürsten Nikolajewitsch ernannt.
Kriegsratin London.
London, 20. Jan. (Amtlich.) Die französischen
Minister berieten gestern mit verschiedenen
Regierungsstellen, die mit dem Kriege
zu tun haben. Nachmittags trat der gemeinsame
Kriegsrat der Verbündeten zusammen.
Kanadas Hilfe.
Ottawa, 20. Jan. (Reuter.) Der Finanzminister
teilte im Unterhause mit, daß Kanada
die sten für seine Expeditionsarmee
selbst tragen wmird.
Die Kriegskosten Englands.
Rotterdam, 20. Jan. Lord Middelton
hielt in Sheffield eine Rede in einer Versammlung,
worin er die größte und allgemeinste
Sparsamkeit befürwortete. Er teilte u. a. mit:
Wie wenig die Regierung voraussah, welche gewaltigen
Kosten der Krieg verursachen würde,
ergibt sich aus folgendem: Im Anfang des Jahres
1915 wurde das Defizit für dieses Jahr
auf 865 Millionen Pfund Sterling geschätzt,
im Juli bereits auf 960 Millionen, im Dezember
waren es trotz der gewaltigen Erhöhung
der Steuern schon 1200 Millionen (24
der Schag der Sabder.
# von L. Kracy.
(Nachdiu# ###bo
„Ich weiß nicht, was ich Iynen darauf
antworten joll, Herr von Sylvander! Wenn
es in der Tat die Quelle des Suleiman ist,
an der Alsieri nachgraben laßt, so muß der
Teufel selbst ihn geführt haben. Denn ich mache
kein Hehl daraus, daß ich auf den mit diesem
Namen bezeichneten, Ort meine stärksten Hoffnungen
Belght hatte.
Herr von Sy T1eeinder schwieg eine Weilc in
ernstem Nachdenken. Es war ihm offenbar
vorderhand noch unmöglich, sich in diesem
Labyrinth von Räütseln und Widersprüchen
zurechtzufinden. Aber er schien andererice ts fest
Zatcchlceen, den Dingen in dieser Stunde rücksichtslos
bis auf den Grund zu gehen. Nach
Verlauf einiger Minuten, während deren niemand
die im Zelte berschende Stille zu unterbrechen
gewagt haite, sagte er?
„Sie nannten soeben den Namen Alsieri,
desselben Menschen also, der bei unieren Erlebnissen
in Massonah eine so verhangniealle
Rolle gespielt bat. Es scheint alio für Sie
keinem Iweifel zu Merteven. daß er der Besitzer
des Papyrus en Sic ihn auch
für denjenigen, der tinerh an den Diebtabl der
Urkunde auegeführt oder angest ktletet hat?“
„Ie ich nehme allerd. ngs an, doh er
damit in Verbindung stehr.“
„Und weztmn haben Sie davon in Massauah
nichts gesogt?“
vw grell wollte antworten, aber in
ten zusammengenommen,
Milliarden Mark) geworden und für das Jahr
1916 wird der Fehlbetrag natürlich sehr viel
größer werden. (3.)
Der deutsche Peterspfennig.
Berlin, 20. Jan. Aus Anlaß des letzten
päpstlichen Konsistoriums im Dezember hatte
auch der Pariser Kardinal Amette eine Privataudienz
beim Papst Benedikt, dem er die
Ueberzeugung von dem politischen und wirtschaftlichen
Zusammenbruch Deutschlands beizubringen
sich bemühte. er Papst hörte geduldig
zu und ließ sich auf politische Erörterungen
nicht ein, er bemerlte nur, an einen
wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands
lönne er nicht glauben, denn die deutschen Katholiken
hätten als Pelerspfennig seit Beginn
des Krieges 7 Millionen Mark aufsgebracht,
und damit mehr als die Katholilen aller Staaund
damit zugleich
! mehr als die Katholiken Framseshe
für den Hl. Stuhl gespendet hatten. (3.)
Das wahre Kriegsziel Englauds
Die „Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Vor
lurzem hat einer der höchsten englischen Gerichtshöse
ein Urteil erlassen, das geschichtliche
Bedeutung beanspruchen darf, weil es mit allen
diplomatischen Beteuerungen über Englands
Kriegegrund und Kriegeziel entschlosson aufräumt
und in ciner Offenheit, die an Inmismus
grenzt, die Vernichtung des deutschen Handels
als das wahre Kriegsziel feststellt.
Der Tatbestand ist einfach: Eine deutsche
Firma hatte Jahre vor dem Kriegsausbruch
mit einer englischen Aktiengesellschaft einen
Vertrag geschlossen, wonach die Gesellschaft ein
Abfallprodult ihrer australischen Bergwerlsbetriebe,
nämlich Zink-Konzentrate, die durch
ein in Deutschland ausgebildetes Verfahren eine
hochwertige Ware geworden sind, auf Jahre
binaus regelmäßig an die deutsche Firma zu
liesern hatte. In dem Vertrag war vorgesehen,
daß er, wenn seine Ausführung durch
höhere Gewalt oder ähnliche Ursachen gehindert
werde, nur fuspendiert sein und nach Wegfall
des Hindernisses wieder in Kraft treten
sollte.
Natürlich hat der englische Handelskrieg gegen
Deutschland die Ausführung verhindert, so
daß die Suspensationsklausel in Kraft tritl.3
Die englische Gesellschaft wollte nun aber den
Krieg benutzen, um sich ihrer Lieferungspflicht
für immer zu entziehen und die freie Verfügung
über ihre Produkte zugunsten der nichtdeutschen
Konkurrenten der Käuferin zukückzuerlangen.
Sie hat deshalb vor englischen Gerichten
beantragt, den Vertrag entgegen den
darin enthaltenen ausdrücklichen und unzweideutigen
Bestimmungen wegen des Krieges als
aufgelöst zu erllären.
Der Appellhof beim Supreme Court of Judicatur
hat dem Verlangen durch Urteil vom
21. Dezember 1915 stattgegeben und dies mit
folgenden denkwürdigen Worten begründet:
„Wenn die Klägerin, wie es der Vertrag bezweckt,
alle von ihr bereiteten Konzentrate für
die Beklagte zurückitellte, so würde diese in der
Lage sein, bei Friedensschluß ihren Handel so
schnell und in so großem Umfange wie möglich
wieder aufzunehmen; damit würden aber die
Wirkungen des Krieges auf die kommerzielle
Blüte des feindlichen Landes abgeschwächt, defren
Zerstörung das Ziel unseres Landes während
des Krieges ist. Einen solchen Vertrag
annerlennen und ihm Wuamtert zu geben
durch die Annahme, daß er für die Vertragsteile
rechtsverbindlich geblieben sei, hieße, das
Ziel dieses Landes, die Lähmung des feinddiosen
Momont stand Wrau non Deaden an
und trat mit staller, eiwmas theatralischer Gebarde
in die Mitie des Zeltes.
31. Kapilel.
„Ich sehe, daß es an der Zeit ist. amit rück.
halllöser Ojfenheit zu reden,“ sagte die schöne
Witwe, ihr Antlitz mit dem ewühendsten Ausdruck,
den sie ihm zu geben vermochte, dem
Geheimrat zuwendend. „Das Opfer, das ich
damit bringe, ist nicht gering, denn es handelt
sich dabei zum - Teil um Dinge, über die zu
sprechen einer Frau sehr schwer wird. Aber
ich will nicht, daß der Baron de Beanuregard
und viellelcht auch ich selbst hier länger unter
einem Verdacht leiden müssen, den leines von
uns verdient. Alsieri spielt schon seit Jahren
eine verhänqnisrolle Rolle in meinem Leben.
Er war Kustos an einem Museum in Noeapel,
als ihn die Regierung zum Zwecke gewisser
Allermnneonchuhigen nach der Kolonie Erythräg
entsandte. Mein ann hatte damals die
Oberleitung bei der Legung eines Kabels durch
das Rote Meer, und es entstand ein freundschaftluches
Verhältnis zwischen ihm und dem
Italiener. Ein Araber, namens Adbdullah el
Jaridiah, der es gleich viels anderen zu einem
lohnenden Erwerb gemacht hatte, alte, den
Europäern noch nicht bekannte Grabstätten
nach archäologischen Seltenhelten zu durcheöbern,
fand eines Tages eine Papyrusrolle,
er bei seiner Unkenntuls der kaum noch
berrhcbe Sbsiechen naotürlich keinen außergewöhnlichen
Wert beimaß. Ex verkaufte sie
für ein paar Franken an Alfieri urd dieser
machte meinem Manne ein Geschenk d .“
„Sie sagten soeben, Alfiert sei Las an
ein nem Museum gewesen und zum Zwecke
volles Vertrauen lchenten durfte, gab i ich einlichen
Handels, vereiteln, es hiebe, durch britische
Gerichte das Werk wieder ungeschehen machen,
das für die Nation von ihren See= und Landstreitträsten
vollbracht worden ist.“
Die Richter, die dieses „Recht“ gefunden halen,
sind Lord Instice Swinsen Eady, Lord
Justice Phillimore und Lord Justice Pickfor.
(.)
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versengtzeesek
Dieenglische Blodadegegen Deutschland
und die Neutralen.
New pork, 20. Jan. (Durch Funkspruch
vom Vertreter des M’#B.) Die Presse berichtet
aus Wasbington: Man erfährt, daß der Entschluß
der Alliierten, eine förmliche Blockade
über die deutschen Häfen zu erklären, den Gegenstand
eines Gedankenaustausches zwischen
den hiesigen diplomatischen Vertretern der Alliierten
und einer unsormellen Besprechung zwir
schen den Diplomaten, und den Beamten des
Staatsdepartements war. Wie verlautet, sieht
das Programm die tatsächliche Ausdehnung der
Blodade auf die europäischen Neutralen durch
eine scharfe Anwendung der Doktrin vom letzten
Bestimmungsort vor. Der Aufschub für die
Verwirllichung des Planes wird gänzlich auf den
Widerstand seitens Frankreichs und möglicherweise
auch Italiens zurückgeführt, die britische
Auslegung der Rechte eines Kriegführenden anzunehmen.
Diese Auffassung des Gegenstandes
wurde hier mit großer Vorsicht aufgenommen,
wie es heißt, unter voller Würdigung des
mahrscheinlichen Auskruches einer englandfeindlichen
Stimmung im Kongreh. Die Diplomaten
richten ihre Anstrengungen darauf, die Stärke
der amerilanischen Stimmung über diesen Gegenstand
festzustellen, nämlich über die Anwen
dung der Blockade auf die Neutralen, für die,
wie die Engländer behaupten, die Vereinigten
Staaten einen Präzedenzfall im Bürgerkrieg.
geschafsen hätten. Es wird als Ergebnis erwartet,
daß der Widerstand der Vereinigten Staaten
durch sehr beftige Proteste seitens Hollands,
Dänemarks und Schwedens souie möglicherweise
auch Normegens unterstützt wird. Von
Frankreich heißt es, daß es gegen den britischen
Gesichtspunkt vom Recht der Blockade eines
neutralen Hafen-s geltend mache, daß dadurch
Frankreich lünftig von den Vereinigten Staaten
durch die anliegenden Länder Belgien, Spanien
oder Italien algeschnitten werden könnte.
Die britische Behauptung gehe jedoch dahin, daß
solche neutrale Häsen mie Rotterdam in Holland
und Malmö in Schweden mährend des
Krieges in jeder Beziehung als deutsche Häfen
anzusehen seien. und daß die Alliierten nur
adurch, daß sie diese Häsen dem deutschen
Handel verschlössen, hoffen könnten, Deutschland
und Oesterreich tatsächlich auszuhungern.
Diese Ansichten sollen schließlich unter den Alliierten
die Oberhand gewonnen haben.
Kopenhagen, 20. Jan. „Extrabladet“
chreibt zu der von englischer Seite angedrohten
Blockade Deutschlands, eine verschärfte Blockade
würde nur die Neutralen treffen. Gegenüber
Deutschland kann man nicht mehr unternehmen
als man bereits tat. Ein verschärftes Auftreten
von englischer Seite würde schicksalsschm#ere
Folgen haten. Skandinavien ist nämlich kein
Balkan. Sollte eine verschärfte Blockade wirk.
lich durchgeführt werden, würde England gezuungen
sein, uns näc Griechenland zu behandeln.
Bei der Durchführung der Blodade würde
England auch wie ein riesiger Heringsträmer
erscheinen, der allen Neutralen u#e kleinen Leuten
aus der Seilengasse täglich ihre Portionen
abwiegt.
—
amsm—.—.——.—..—a——.—.
wissenschastlicher Forschungen nach Af#ika entsandt
worden,“ er Geheimrat ein, und
es war ein Perliehed Klang von Sarkasmus
in seiner Stimme. „Wollen Sie da irgendeinen
Menschen glauben machen, daß er, der
doch seiner Bildung nach imstande sein mußte,
den Papyrus zu entziffern, denselben aus der
Hand gegeben hätte, ohne lich zuvor über seinen
Inhalt zu unterrichten?“
„Darauf kann ich nichts weiter sagen,“
erwiderte Frau von Heyden ruhig, „als da
er offenbar von dem Werte der Urkunde keine
Ahnung hatte, als er sich unmittelbar nach
dem wohlfeilen Erwerb ihrer wieder entäußerte.
Auch mein Mann konnte über den Inhalt des
Papyrus nicht recht ins reine kommen. Er
verstand wohl den größten Teil des griechischen
Tertes; aber er hatte nie gelernt, Hieroglyphen
zu lesen. Da seine Wißbegier rege gemacht
worden war, versuchte er zwar, sich mit fremder
Hilse zu rrienteren. Aber er kam damit dicht
zustande, da bald darauf — nun
bald darauf elsles plötzlichen Todes staft. Veb
erst erlangte Alfieri durch einen Zusall Kenntnis
von dem, was mein Mann hinsichtlich des
Inhalts des Papyrus bereits sesigestellt hatte.
Und nun verlangte er von nirr die Rückgabe
des Dokuments. Unglücklicherweise Teigte ich
mich diesem ganz unberechtigten Verlangen
nerst nicht abgenelgt, und ich würde ihm wahrsiheineih
den Paphrus ausgehändigt haben,
wenn ich nicht eben damals den aron
de Beaittegard kennen gelernt bätte: der einer
fran zösischen Mission an den König Menelik
attachiert worden war und der n in uneigennütziger
Weile einige sehr wertvolle Freundschaftsdienste
erwiesen hatte. Ihm, dem ich
Volk treibt zur Explosion.
kEin- engl. U- * gestrandet.
„ 20. Jan. „Köln. Volksztg.“
rsd aus W1 HEi englisches Unterseebvot
strandete bei der Insel Schiermonnikoog.
11 Mann der Besatzung wurden von einem
holländischen Rettungsboot, die übrigen von ei-.
einem englischen Torpedoboot gerettet.
Mallen vor einer kakaskrophalen
Dendungꝰ
Von der italienisch-schweizerischen Grenze liegen
Meldungen über drohende Umwälzungen
infolge der jüngsten Ereignisse auf dem Balkan
vor. Die Regierung sieht sich nach und nach
von allen Seilen verlassen, und die Leidenschaften
der Parteien scheinen bereits die Oberhand
gewonnen zu haben. Die Gärung im
In höchster Spannung
sind aller Augen auf das vom inneren
Feind nicht weniger als vom äuheren bedrohte
Land gerichtet. Jeder Augenblick kann dort
Geschehnisse von höchster und furchtbarster weltgeschichtlicher
Tragik zeitigen. Also lauten die
Meldungen, die aus Lugano lommen und den
Kombinationen weitesten Spielraum geben.
Ferner wird aus Wien berichtet: Wie zu
erwarten war, hat die Unterwerfung Montenegros
in Italien niederschmetternd gewirkt. In
hestigen Ausfällen wendet sich ein Teil der
ilalienischen Presse gegen die Entente und namentlich
gegen England, das mit Beschimpfungen
überhäuft wird. Diese plötzliche, von der
Zensur nicht unterdrückte Wendung in der ilalienischen
Presse muß natürlich jehr auffallen
und gibt zum Nachdenlen Anlaß. Hierzu kommt
die allerdings noch unbestätigte neutrale Meldung,
daß Italien seine Truppen in Albanien
auf Valona zurückgezogen habe. Seit der vierten
Isonzoschlacht, also seit Wochen, ist die
italienische Angriffelust erlahmi. In der hanzen
Zeit ist eigentlich kein gröheres Ereignis
auf dem italienischen Kriegsschauplatze riolgt.
Die „Tägl. Rundschau“ meldet aus Lugano:
Die Hauptorgane des revolutionären
Flügels der Kriegspartei, „Popolo d'Italia“
und „Fronte interno“ lündigen Salandra die
Lossagung von der Politik der Regierung an,
da die Regierung den Mai. Jdealen der Kriegepartei-nicht
mehr folge. Der „Popoto d'Italia“
kündigt auch die Wiederaufnahme der revplutionãren
Propaganda seiner Freunde an. Das
Programm sei Krieg bis zum Siege, aber Sieg
zur Verstärlung der künftigen Revolution. Die
italienische Presse bespricht diese Lossagung mit
Ruhe, meil sie darin nur einen Druck auf die
Regierung zu einem entschiedenen Vorgel'en erblickt.
In Rom freilich sind alle Kriegsparteien
von der Ungeu iheit über die nächste Zukunft,
namentlich in bezug auf Albanien ersüllt.
Der „Täglichen Rundschau“ wird aus Chiasso
unter anderem geschrieben: Einem Zusammenbruch
geht Italien unabmeislich entgegen, nur
steht der Zeitpunkt desselben nicht sest. Man
treibt mit aller Wucht den sinsteren Gewalten
der Anarchie zu. Wieder wie in den unvergeßlichen
Pfingsttagen steht Mailand unter dem
Eindruck der sich vorbereitenden Schreensherr
schaft desselken Gesindels, das im Mai auf
Geheih der Regierung, heute aber entgegen
dem Willen der Behörden zur Revolution treibt.
Haussuchungen und Verhaftungen haben in den
letzten 8 Tagen in solchem Umfange stattgefun:
den, daß viele geängstigte Familien der weiteren
Entwicklung der Dinge durch eine Flucht
in das neutrale Ausland aus dem Wege gehen.
In diesen Meldungen scheinen Tatsachen und
Kombinationen stark gemischt zu sein, wenn auch
feststeht, daß Italien sich zurzeit auf einer sehr
schiefen Ebene bewegt.
mal die Aufzeichnungen melnes verstorbenen
Mannes über den von ihm entzifserten Teil
des Mannskripts zu lesen; er bat sich das
Original aus, demete einen großen Teil der
hieroglophischen Jeichen und legte mir drinans
Herz, mich des Besibrechts an der
wertvollen Urkunde unter keinen Umständen zu
begeben. Seine Kenntnisse in den Aliertums
wissenschaften waren damals indessen noch nicht
vielseitig genug, daß er seiner Sache vollkommen
gewiß gewesen wäre. und es beranng
nahe#m ein Jahr, ehe er sich bei Sachverstan
digen volle Gewihheue über die Richtigkeit seiner
Auslegung holen konnte. In der Zwischenzeit
war es zwischen Signor Alsieri und mir zu
einem heftigen Zerwürfnis gekommen — und
war aus einem Grunde, dessen ich hier nur
notgedrungen und widerwillig Ertvahnusgg luc.
Er halte nämlich plöglich angefangen, den
stürmischen Liebbaber zu spielen, hatte mir einen
Heiratsantrag gemacht und kein Mittel unverutht
gelassen, mich für die Gewahrung seiner
Wünsche Ju gewinnen. Aber der Mann war
mir in hohem Maße wiee und uim
seinen unerträglichen Nachstellungen zu entgehen,
begab ich mich nach Deutschland. Dort
brachte ein Bekannter mich auj die Idee, Sie,
Herr Geheimrat, für die Angelegenheit iteressieren.
Und alles Weitere ist Ihnen ja zur
Genüge bekannt.“
Ume
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