Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Aumisteer  1

Nosene#er  Anzeinen#

Freitag,  I.  Januar  1913

 

Gegen  die  fronzösisch-englischen
Entstellungen.
WITB.  Wien,  30.  De#  Das  in  den  nächsten

  —.  cheinende  österreichisch-ungarische
Rotkuch  is  *  #  längerer  eit  vorbereitet
  und  c*  ch  schon  in  Drud.  Es  wird

jene  Aktenstücke  3  die  sich  auf  die  unmittelbare
  Vorgeschichte  des  Weltkrieges  be-Aiehen.
  Die  bevorftehende  Publikation  ist  ansche
  die  letzte  in  der  Reihe  amtlicher  Pur
  Durch  die  Veröffentlichung  des
tgawolischen  Gelbbuches  und  des  englischen

laubuches  entstand  die  Notwendigkeit,  zu  diesen
  Darstellungen  Stellung  zu  nehmen  und  gegemüber
  den  mehrfachen  Täuschungsversuchen

der  englischen  und  französischen  Diplomatie
rihe  Nichtigstellungen  für  die  internationale
  Oeffentlichkeit  vorzunehmen.  In  diesen  Erwiderungen
  auf  das  Gelb=  und  Blaubuck  wird
das  österreichisch-ungarische  Rotbuch  das  dentsche
Weißbuch  ergänzen  und  in  der  Feststellung  der
Wahrheit  unterstützen.

Die  deutschen  Gefangenen  in  England.


Berlin,  30.  Dez.  Die  Korrespondenz  Piper
erhält  folgenden  Brief  aus  London:  Unsere
Lage  hat  sich  verschlimmert.  Die  Regenperiode
hat  eingesetzt  und  die  jede  Nacht  eintretende
Kälte  hat  sich  verschärft.  Der  größte  Teil  von
uns  läuft  in  Lumpen  umher.  V3  Wäsche  ist
keine  Rede  mehr  und  das  Schuhwerk  besieht
nur  mehr  aus  Lederfetzen.  Ohne  uns  gegen
Kälte  schützen  zu  können,  liegen  wir  auf  dem
durch  den  eindringenden  Regen  naß  gewordenen
Stroh,  welches  bereits  fault  und  von  Ungeziefer
  strotzt.  Die  Jahl  der  Schwerkranken  mehrt
sich  von  Tag  zu  Tag.  Der  französische  Arzt
tut  nicht  das  mindeste  für  sie.  Sie  cberden  in
kurzer  Zeit  das  Schicksal  eines  jungen  Soldaten
  teilen,  der  verhungerl  ist.  Die  Zwangsarbeit
  wird  jeden  Tag  schwerer;  ohne  Rücksicht
auf  unsere  Gesundheit  müssen  wir  im  Felde,
Wald  und  Steinbruch  bei  jeder  Wilterung  arbeiten.
  Dafür  erhalten  wir  eine  miserable  Nahrung.
  Chikaniert  werden  wir,  mo  es  geht.  und
wir  haben  zu  allem  Unglück  noch  einen  Denun-Kanten
  unter  uns,  der  uns  verrät,  wo  es  möglich
  ist.  (#

Der  Protesl  der  amerikanischen
Regierung.
Rotterdam,  30.  Dez.  Die  amerikanische
Regierung  richtete  eine  längere  Note  an  England,
  worin  sie  eine  baldige  Besserung  in  der
Behandlung  des  amerikanischen  Handek  durch
die  englische  Flotte  fordert.  Die  Engländer  werden
  davon  verständigt,  daß  die  ungeseßlliche
Einmischung  in  den  geschäftlichen  Handel  der
Vereinigten  Staaten  Mißvergnügen  erregt  hat
und  die  Regierung  sich  verpflichtet  fühlt,  endgültige
  Aufklärung  über  Englands  Haltung  zu
sordern,  damit  sie  Maßnahmen  zum  Schutze
der  Rechte  amerikanischer  Bärger  treffen  kann.
Die  Note  führt  eine  Reihe  von  Beispielen  über
Beschlagnahme  von  Schiffen  und  deren  Ladung
an  und  erklärt,  daß  die  Vorstellungen  zwar
freundlich  gehalten  seien,  daß  die  Vereinigten
Staaten  es  aber  für  gut  halten,  freimütig  zu
sprechen.  Die  kriegführenden  Mächte  sollen  den
neutralen  Handel  schützen.  Der  holländische  Gesandte
  in  Washington  besuchte  das  Ministerium
des  Auswärtigen  und  nahm  dort  eine  Abschrift
  der  Note  an  England  entgegen.  Der  Gesandte
  erklä.::,  daß  Holland  dieselben  Vorstellungen

  an  England  gerichtet  habe.  (3Z.)
—..———

Landes  verrat.
Roman  E.  Ph.  Oppenheim.
Nachbruch  verboten.

Sie  warf  mir  einen  raschen  Blick  zu,  und
ch  sah,  wie  sie  dann  eifrig  auf  den  Mann  einhden
  vielleicht,  um  irgendeine  Beunruhigung
zu  verscheuchen,  die  lich  seiner  bemächtigt  hatte.
Dann  lehnte  sie  sich  in  ihren  Stuhl  zurück  und
blickte  anscheinend  unbefangen  sekundenlang  zu
mir  binüber.  Ihre  vorigen  Beschwichtigungsversuche
  aber  mußten  nur  schlecht  gelungen  sein,
denn  ich  hörte  ganz  den  utlich,  wie  ihr  Gesell.
schafter  mit  allen  Anzeichen  einer  lebhajten  Erregung
  fragte
.Wer  ist  es,  Luisa?  —  Sage  mir,  wer
es  iji
Ihre  Antwort  konnte  ich  nicht  verstehen,
ober  mein  Erstaunen  war  ohne  Grenzen,  als
ich  sah,  wie  sen  sich  plöglich  erbob  und  auf
meinen  Tisch  zukam.  Ich  stand  auf,  um  sie
begrüßen,  2#6  u#an  ließ  sich  ahne  weiteres  aouf
den  Su-  wir  ir  gegenüber  nie
ie  hier  in  Jukgrest,  Georg  ?“

ragte  146  n  einem  scheinbaren  Gleichmut,
der  mich  unter  anderen  Umständen  wahrschelnich
  mit  neuer  Bewunderung  für  ihre  schauspielerlschen

  Talente  erfüllt  hätte.  Jetzt  aber

hatte  ich  natũrlich  nur  einen  elnzigen  Gedanken,

und  die  Aufregung,  die  mir  die  Kehle  zusammenschnürte,

  machte  es  mir  schwer  zusprechen.
ch  bin  heute  erst  von  Potesci  angetommen,=

  sagte  ich,  zund  ein  bloßer

führte  mich  rn  dies  Lokal,  das  ich  zum  ersten

 

 

 

Kol  in  meinem  Leben  betreten  habe.  Aber
er  Herr  dort  in  Ibrer  Gelellichast  ilt  —

WITB.  Washington,  30.  Dez.  In  der
Note  besteht  die  Regierung  auf  baldiger  Verbesserung
  der  Behandlung  des  amerikanischen
Handels  durch  die  britische  Flotte  und  weist
warnend  darauf  hin,  daß  eine  große  Empfindlichleit
  in  Ameril,  a  durch  das  ungerechtfertigte
Eingreifen  in  den  legilimen  amerilanischen  Haudel
  erzeugt  worden  sei.  Die  Negierung  sehe  sich
genötigt,  endgullige  Mitteilungen  über  Englands
  Haltung  zu  erbilten,  um  Maßregeln  zum
Schutze  der  Neck1der  amer##n#schen  Bürger  zu
ergreisen.  Olwohl  die  Exnorieure  sich  nach  den
Wünschen  der  britischen  Regierung  richteten,
sei  teine  Verbessernag  der  Lage  der  neutralen
Schiffahrt  im  Vergleich  mit  dem  Beginn  des
Krieges  eingetreten.  Die  Note  spricht  die  Hoffnung
  aus,  daß  England  einsehen  werde:,  welch
ernste  Bedeutung  die  fortdauernde  Einmischung
für  die  neutrale  Schiffahrt  habe.  Die  Regierung
protestiert  gegen  das  Aufbringen  neutraler
Schiffe  nur  auf  den  Verdacht  hin.  Die  Note  betont,
  daß  es  die  Pflicht  der  kriegführenden
Mächte  sei,  den  neutralen  Handel  zu  beschützen
und  beschuldigt  Enzland,  die  flandinavischen
Kupferladungen  anderd  zu  bthandeln  als  die
amerikanischen.

Der  vdlIPee  fabanische  Kuhhbandel.

WTB.  London,  30.  Dei.  Die  japanische
Gesandtschaft  leilt  dem  5  u  Bureau  mit,
daß  das  Gerüucht  nicht  ernst  (7)  u  nehmen  sei,
Mußland  trete  den  russischen  Anteil  an  der
Jusel  Sacchalin  den  Japanern  gegen  Lieserung
  von  schwerer  Artillerie  ab.  Die  Gesandtschaft
  sügt  hinzu:  Alle  Hilfe,  die  Japan  gewähren
  konnte  und  zu  gewähren  beabsichtige,
ergebe  sich  aus  den  berzlichen  Beziehungen  zwischen
  Rußland  und  Japan,  besonders  aus  dem
Umstande,  daß  sie  beide  den  gleichen  Feind  bekämpfen.
  Solche  Unterstützung  hat  nichts  mit
einem  politischen  Geschäft  oder  einem  Gebietserwerb
  zu  tun.  Ein  folcher  Handel  würde  den
besonderen  Zeziehungen  und  der  Freundschaft
abträglich  sein,  die  seit  langem  zwischen  beiden.
Reichen  bestehen  und  stünde  in  völligem  Gegensatz
  zu  der  Volksstimmung  in  beiden  Ländern.
Beir  betrachten  die  durch  den  Frieden  von
Portsmouth  und  die  Verträge  von  1907  und
1909  geschaffene  Lage  als  dauernd  und  sind
mit  den  bestehenden  Abmachungen,  völlig  zufrieden.
  —  Wer  ½  denn  das?

Vom  wesilichen  Arlegsscharplaß.

Die  Kämpfe  in  Frankreich.

Genf,  30.  Dez.  Zwischen  Oise  und  Somme
ist  ein  wesentlicher  deutscher  Fortschritt  zu  verzeichne:,
  den  der  Joffresche  Tagesbericht  anerkennt,
  indem  er  ihn  als  kräftiges  deutsches
Bombardement  der  französischen  Hauplstellung
nordwestlich  Roye  bekannt  gibt,  der  ohne  Vermerk
  eines  Gegenangriffes  ist.  Beim  Versuch,
verlorenes  Gelände  in  der  Gegend  Apremont
zurüdzuerobern,  erlitten  die  Franzosen  infolge
des  erfolgreichen  Widerstandes  der  Deutschen
recht  empfindliche  Verluste,  besonders  an  Offi--zieren.
  Die  Lage  der  Deutschen  ist  in  der  Umgebung
  von  Reims  durchaus  günstig,  da  alle
nach  Reims  mündenden  Verkehrswege  durch  die
vorzuglich  ausgestellten  deutschen  Batterien  beherrscht
  werden.  (Z.)

Eine  Lügenmeldung.

WIB.  Berlin,  30.  Dez.  Aus  dem  Großen
Hauptquartier  erfahren  wir:  Die  Pressenach-Ich

  vermochte  das  Wort  nicht  über  die
Lippen  zu  bringen,  und  auch  sie  vermied  offenbar
  gesussentlich.  es  auszusprechen.

„Ja.“  erte  sie,  „es  ist  der,  den  Sie
in  ihm  1  «

Ich  preßte  die  Lippen  m:  und  starrte
vor  mich  hin  auf  das  hne  daß
ich  es  sehen  konnte,  2#  “*5  wie  ihr  Blick
unverwandt  auf  mir  ruhte.

„Es  ist  ein  häßlicher  Zufall,“  sagte  sie
eise  und  mit  einem  sompachischen  eKlang  von
Teilnahme  in  der  Stimme.  Wenn  ich  etwas

Derartiges  für  möglich  gehalten  hörte,  würde
ch  ihn  selbstwerständlich  nicht  hierhergeführt
haben.  Denn  auch  ich  halte  es  jetzt  für  besser,
daß  sein  Weg  und  der  Ihrige  sich  nicht  kreu
Geben  Sie  sich,  bitte,  ein  unbefangenes  2#
sehen,  und  sprechen  Sie  zu  mir  wie  zu  einer
guten  Bekannten.  Noch  hat  er  keine  Ahnung,
Ler  Sie  sind;  aber  ich  bin  sicher,  daß  er  unser
Mienenspel-  mit  einigem  Mißtrauen  beobachtet.“
s  eine  schwere  Zumutung,  aber  ich
bemühte  mics  rechtschaffen,  ihrem  Wuncsche  zu
entsprechen.  Und  während  ich  den  Versuch
heiter  und  verbindlich  auszusehen,
fragte  ich:
„War  er  W
„Schwer  krank.  Ich  entdeckte  ihn  in  einem
Hospktal.  Er  war  krank.  Und  danach  können
Sie  sich  wohl  das  übrige  denken.

Während  wir  diese  Worte  tauschten,  sah
ich,  daß  der,  von  dem  wir  sprachen,  den
Kognak  hinabstürzte,  und  daß  er  den  Kellner
durch  eine  Handbewegung  bedeutete  ihm  ein
we  gzu  bringen.  Dabei  waren  seine
aunierleufenen  Augen  unverwandt  auf  mich
gerichtet.  .

 

 

 

ticht,dnßdichlgie1-inoenKåtnpsenbei
Lombartiyde  2000  Deutsche  gefangen  nahmen,
ist  vollständig  erfunden.  In  den  wochenlangen
Kämpfen  in  der  Gegend  von  Lombartzyde  und
Nieuport  verloren  die  Deutschen  an  Toten,  Vermundeten
  und  Vermißten  überhaupt  nur  etwa
1200  Mann.  Die  Zahl  derjenigen,  die  gesangen
  sein  könnten,  ist  dabei  verschwindenh
gering.
Die  Opfer  der  engl.  Minen.

WIIB.  London,  30.  Dez.  Die  „Times“  berichten
  unter  dem  29.  ds.  Mts.:  Gestern  sind
vier  englische  Dampfer  durch  den  Zusammensioß
  mit  Minen  verloren  gegangen.  Seit  dem
Weihnachtstage  sind  in  der  Nordsee  acht  Schiffe
infolge  von  Minen  zugrunde  gegangen.

Pom  öfllichen  Kriegsschauplat.

Die  Kämpfe  in  Rußland.

Mailand,  30.  Dez.  „Corriere  della  Sera“
meldet  aus  Petersburg:  Die  Deutschen  setzten
die  hefligen  Angrisfe  im  Bsuragebiet  sort.  Der
Artilleriekampf  dauert  seit  dem  26.  November
ununterbrochen  sort.  Bei  Inowlodz  rückten  die
Deutschen  vom  nördlichen  bis  zum  südlichen
Ufer  der  Pilica  vor.  Heftige  Angriffe  erfolgten
durch  die  Oesterreicher  in  der  Nidafront,  wo
sie  beste  Höhenstellungen  einnehmen.  (Z.)
Die  Russen  bereiten  den  Rüdzug  vor.

Mailand,  29.  Der.  „Stampa“  berichtet
aus  Petersburg:  Wilna  wird  von  den  Nussen
  zurzeit  ald  neuer  Stützpunkt  besestigt  und
ausgebaut.  (Z3.)

Bon  den  österr.  Kriegsichmngisten.

Die  Kämpfe  in  Galizien  und  in  den
Karpathen.

W'TB.  Wien,  20.  Dez.  Amtlich  wird  verlautbart:
  In  den  Karpathen  griffen  unsere
Truppen  nördlich  des  Uzsokerpasses  an  und  nahmen
  mehrere  Höhen.  Nördlich  des  Lupkowerpasses
  brachte  unsfer  Gegenangriff  die  Vorrük-=lung
  der  Russen  zum  Stehen.  Weiter  westlich
ging  der  Feind  mit  schwächeren  Kräften  an  einzelne
  Uebergänge  heran.  Rördlich  Gorlice,  nordöstlich
  Zakliczyn  und  an  dem  unteren  Nida
brachen  die  russischen  Angriffe  unter  schweren
Verlusten  zusammen.  Im  NRaume  östlich  und
südöstlich  Tomaszow  machten  die  Verbündeten
Fortschriite.

Vor  Przemysl.

WITB.  Wien,  30.  Dez.  Eine  russische  Batterie
  übermittelte'  an  die  Festung  Przemys!  folgende
  Weihnachtswünsche:  Wir  wünschen:  Ihnen
und  all  den  tapferen  Verteidigern  der  Festung
von  ganzem  Herzen  ein  ruhiges  und  frohliches
Weihnachtefest,  Freude  und  Frieden  auf  Erden
und  den  Menschen  ein  Wohlgefallen.  Gott  gebe
die  Erfüllung  all  Ihrer  Wünsche.  Dies  ist
der  aufrichtigste  Wunsch  der  Ofsiziere  und  Mannschaften
  unserer  Batterie.

Der  Krieg  gegen  Serbien  und
Montenegro

Wien,  30.  Dez.  Amtlich  wird  verlautkart:
  Auf  dem  Balkankriegsschauplatz  und
an  der  serlischen  Grenze  Ruhe.  Nächtliche  Angrijfje
  der  Montenegriner  auf  Gat  bei  Autlova#
  und  Lastwa  bei  Trebinje  wurden  abgewiesen.

#  glaubpte,  daß  er  mit  Geldmiteln
lich  versehen  sei.“  flüstenn#  ich  melnem  Gegenüber
  zu.  Aber  sie  zurie  die  Achseln

s  ist  alles  daa:  aigegandem  f,  und  die
Dinge  stehen  auge:  bl.chuch  nicht  sehr  glüänzend
für  ihn  und  für  niuch.  Meine  hiesige  Mission
ist  bis  jetzt  erfolglos  gewesen,  und  man  hat
darum  aufgehört,  unz  mit  Suvbfsistenzmitteln
auszurüsten.  Es  ist  bitter  genug,  das  ich  das
gerade  Ihnen  erzählen  muß.  Aber  nun  bitte
ich  Sie  auf  das  dringendste:  Befolgen  Sie
meinen  Rat!  Stehen  Sie  auf  und  entfernen
Sie  sich  so  schnell  als  möglich.  Wenn  er  errät,

wer  Sie  sind,  wird  er  an  diesen  Tisch  kommen
und  mit  Ihnen  sprechen.  Und,  es  ist  besser
für  Sie,  wenn  es  nicht  geschieh
Aber  es  war  zu  spät.  *  5“0  wie  er  sich
in  diesem  wamiche  Augenblick  erhob  und  auf
uns  zukam.  Und  nicht  um  den  Preis  meines
Lebens  wäre  ich  imstande  gewesen,  jetzt  auch
nur  15  kleinste  Bewegung  zu  machen.  Er
ließ  sich  ohne  weiteres  auf  den  Stuhl  neben
Leben  Der  nieder  und  lehnte  seinen  mächtigen
Obertorper  über  den  Ti
ist  Georg!  lagte  er  mit  tunsicherer,
beiser  aigerndn  Stimue,  „Ja,  ich  bin  gewiß,
daß  es  Georg  —  Si  ie  hei  dir  erzählt,  wer
ich  bin  —  —
„Ja.“  eriderte“  ich,  all  meine  Krast,  zusammennehmend,
  vich  weiß,  wer  Sie  sind
Er  streckte  mir  seine  zitternde,  obgezehrte
Hand  entgegen,  aber  ich  vermochte  es  nicht  über
mich,  sie  zu  ergreifen
Ohne  4c  d  #ranl  It3u  zeigen.  zoger  sie  zurück.
o  ielleicht  hast  du  rechtl
Aber  ich  *  hon  tgr  iellei  gekommen,  um
d  54  sehen.  In  keiner  anderen  Absicht  —
ou.  Deorg:  da-  llt  die  lautere

WIB.

 

ahr-Eine

  Beschießung  Polas?

Rom,  30.  Dez.  Aus  Venedig  wird  mitgeteilt,
  daß  die  engl.-franz.  Flotte  mit  fünfzig
Schlachtschiffen  und  vielen  Torpedobooten  im
Kanal  von  Fasano  erschienen  sein  soll,  wo  die
entserntesten  Außenwerke  von  Pola  liegen.  Auch
soll  sie  Rovigno  beschossen  haben,  weil  vom
Kirchturm  aus  Signale  gegeben  worden  seien.
(Z.)  —  Von  anderer  Seite  ist  diese  italienische
Meldung  bisher  noch  nicht  bestätigt.

Die  Vernichtung  des  franz.
seebootes  „Curie“.

WIB.  Paris,  30.  Dez.  Amtlich  wird  gemeldet:
  Das  franz.  Unterseeboot  „Curie“,
welches  von  der  Flotte  abgesondert  wurde,  um
allein  militärische  Operationen  gegen  vor  Pola
ankernde  österr.-ung.  Kriegsschiffe  auszuführen,
ist  zur  festgesetzten  Zeit  nicht  zur  Flotte  zurückgekehrt.
  Es  kann  deshalb  den  Nachrichten
der  ausländischen  Presse  Glauben  beigemessen
werden,  denen  zufolge  das  Unterseeboot  versenkt
  und  die  Besatzung  gesangen  genommen
worden  ist.

Unter-Die

  Türkel  im  Welkkrieg.

Der  Heilige  Krieg.

Konstantinopel,  30.  Dez.  Gestern  haben
  die  berühmtesten  geistlichen  Vertreter  des
Jolam  eine  feierliche  Sitzung  in  der  Bajadiz
noschce  abgehalten,  um  uber  die  weitere  Or
ganisation  des  Heiligen  Krieges  zu  beraten.
Es  wurde  auf  das  Beispiel  der  tanzenden  und
heulenden  Derwische  hingewiesen,  die  als  err
beschlossen  haben,  ein  Freiwilligenkorp#  zu  bil
den  und  mit  diesem  gegen  die  Feinde  ders  Jolum
zu  ziehen.  Alle,  die  sich  dem  lürlischen  Heer
als  Freiwillige  ansckließen  wollen,  werden  aufgefordert.
  sich  in  einer  am  Samotag  siattsindenden
  Versammiung  der  Scheichs  und  Ulemas
zu  melden.  Die  geistlichen  Führer  des  Is—
lams  werden  selbst  mit  dem  besten  Beispiel
vorangehen.  An  der  Versammlung  hat  auch,
der  einflußreichste  Scheich  der  persischen
iten  teilgenommen,  der  dem  Konigehaus
sien  angehört.  (3.)

Schwere  Strafen  gegen  Hussein

Kemal.

WITB.  Konstantinopel,  30.  Dez.  Eine
amtliche  Mitteilung  gibt  bekannt,  daß  gegen
Hussein  Kemal,  den  die  Engländer  zum  Khediven
  von  Aegypten  proklamierten,  Felwas  erlassen
  worden  seien,  weil  er  versuchte,  die  Son
veränität  der  Türkei  über  die  Provinz  Aegypten,
  die  einen  integrierenden  Teil  des  osmanischen
  Reiches  bilde,  zu  verletzen,  und  durch  eine
fluchwürdige  Handlungsweise  die  Unterwersung
dieser  Prooinz  unter  die  Herrschaft  Englands
in  die  Wege  leitete.  Die  amtliche  Mittleilung
kündigt  gleich  zeitig  an,  daß  beschlossen  wurde,
Hussein  Kemal  seines  Ranges  und  seiner  Ehrenzeichen
  für  verlustig  zu  erklären  und  ihn  vor
das  Kriegsgericht  des  vierten,  für  Aegypten
zuständigen  Armeekorps  zu  stellen.  Die  An
kündigung  dieser  schwerwiegenden  Maßnahmen
machen  großen  Eindruck,  da  sie  in.  der  Geschichte
des  Islams  selten  vorgekommen  sind.  Durch-Beschluß
  der  Regierung  wird  Kemal  der  Generalsrang
  und  der  Paschatitel  abgesprochen.
Die  in  den  Fetwas  verhängten  Strafen  lom
men  einer  Erkommunikation  gleich.

·  e"r#

Schhi-Per



he:n!  —  Ich  bin  dir  ein  schlechter  Vater  gewesen;
  aber  noch  ist  2  nicht  zu  spät,  es  wieder
gutzumachen.  Ich  habe  den  Weg  dazu  ge
sunden.  —  Kellner,  noch  einen  Kognak!“

Jetzt  endlich  war  ich  wieder  so  weit  Heir
über  mich  selbst,  daß  ich  mich  erheben  konitte.

ch  muh  Sie  bitten,  mich  zu  entschuldigen.“
sagte  ich.  „Wenn  Sie  mir  etwas  mitzureilen
haben,  das  ich  durchaus  erfahren  muß,  so

können  wir  uns  vielleicht  on  einem  anderen
Orte  trefien.“

„Halt  I  —.f)altt«riefer,indemerniich
am  Um  ergriff  und  wieder  auf  den  Siuhl
zurückzog.  hidn  hast  mich  nicht  recht  verstanden.

es  scheir  Ich  habe  über  ein  wichtiges
—t  mit  dir  zu  reden,  mein  Sohn!  Denn
ich  bin  willens,  dein  Glück  zu  machen.  Ich
habe  mächtige  Frr#unde  da  draußen  —  o,  sehr
mächtige  Freunde!“

„Und  rdl  Fate  mir  Ihre  mächtigen
Freunde  nütgen?

Die  Frau  legte  ihre  Hand  auf  seine  Schulter
und  flüsterte  ihm  etwas  ins
schüttelte  zunwillig  den  Kopf.

Buch  5%  berstehst  mich  rchs-Quisat
  —  mdse  ist  mein  Sohn  Georg,  und  ich
habe  notwendig  mit  ihm  zu  reden.  Es  ist  ein
so  wundersames  Zusammentreffen  —  ein  höchft
wundersames  Zusammentressen!“
ie  wollten  mir  etwas  sagen,“  drängte
ich,  denn  ich  fühlte  mich  außerstande,  diese
Marter  noch  lange  zu  ertrager

„Ja,  ja,  ganz  recht,  das  wollte  ich.  —  Ich
war  so  froh  zu  hören,  daß  man  dir  einen  so
ehrenvollen  Posten.  übertragen  hat.  Nicht  allein
einen  ehrenvollen,  sondern  auch  einen  sehr  einträ
  Licher,  wenn  man  ihn  dazu  zu  machen
d#