Full text : Der Betrug am deutschen Volke.

Der  Militarismus.  137

dürften  aber  sicher  zu  niedrig  gegriffen  sein.  Italien  rechnet  z.  B.  bei  seinen
460000  Toten  seine  zocooo  an  Krankheiten  im  Felde  gestorbenen  Soldaten
nicht  mit;  Belgien  unterscheidet  20000  Kriegskote  von  angeblich  30000  getöteten
  Zioilisten  usv.  Für  Rußland  nimmt  Manchester  Guardian  offenbar  die  bei
einem  amtlich  angegebenen  Gesamtverlust  von  9  250000  unwahrscheinlich  niedrige
  Ziffer  von  1700000  Toten  an.  Jedenfalls  lag  das  Hauptgewicht  aller  Leistungen
  auf  den  deutschen  Schultern,  und  zieht  man  diese  Leistungen,  welche  die
Eroberung  und  Besetzung  so  ausgedehnter  Ländereien  im  Westen  wie  im  Osten
ermöglichten,  in  Vergleich  mit  den  Leistungen  der  feindlichen  Armeen,  welche
sich  bis  auf  die  allerletzten  Monate  fast  überall  auf  die  Verteidigung  beschraͤnken
mußten,  so  erscheinen  die  Verluste  Deutschlands  ungewöhnlich  gering.  In  den
ersten  Jahren,  als  die  gedienten  Mannschaften  noch  besser  in  der  Hand  der  ausgebildeten
  Offiziere  waren,  waren  die  Zahlen  noch  günstiger;  Ende  1915  hatten  die
ranzosen  bereits  so  viel  Tote  wie  Deutschland  und  Osterreich  zusammen.  Nur  eine
Armee,  die  von  ihren  Offizieren  ganz  vorzüglich  erzogen  und  ganz  hervorragend
hewissenhaft  geführt  ist,  vermag  so  außerordentliche  Leistungen  zu  vollbringen
unter  verhältnismäßig  so  geringen  Verlusten.  Über  12  500  aktive  Offiziere,  vom
Hundert  mehr  als  36,  sind  denn  auch  in  Erfüllung  ihrer  Pflicht  gefallen;  von
en  950  vermißten  dürfte  die  Mehrzahl  ebenfalls  zu  den  Toten  zu  zählen  sein;  unter
en  gefallenen  Offizieren  befanden  sich  rso  Generäle,  1460  Obersten,  275  Obersteutnante,
  937  Majore.  Auf  roo  Mannschaften  kamen  12—  13  Tote.  Tote
und  Vermißte  zusammengenommen,  verloren  die  aktiven  Offiziere  30,2,  die
Mannschaften  19  v.  H.  Oie  Gesamtberluste  der  aktiven  Offiziere  an  Gefallenen,
ermißten  und  Verwundeten  betrugen  94,7  v.  H.;  es  sind  also  nur  5  von
100  aktiven  Offizieren,  diesen  eigentlichen  Trägern  des  „Militarismus“,  unverwundet
  und  lebend  aus  dem  Kriege  zurückgekehrt,  was  zur  Belenchtung  des
Schwindels  vom  Versagen  unserer  Offiziere  und  ihrer  Verderbtheit  nur  neben-1
  erwähnt  sei.  Die  Reserveoffiziere,  deren  größerer  Teil  auch  vollauf  seine
Pflicht  getan  hat,  waren  fast  durchweg  „Volk“,  nicht  „Militarismus“.
Diese  Armee  und  dieses  Offizierkorps  hätte  uns  auch  zum  Siege  geführt,
wenn  das  deutsche  Volk  noch  ausgehalten  hätte.

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Die  Herren  Ebert  und  Scheidemann  hatten,  als  sie  am  9.  November  zur  Herrschaft
  kamen,  nichts  Eiligeres  zu  tun,  als  das  im  Felde  stehende  Heer  aufzulösen
und  dem  „Militarismus“  ein  Ende  zu  machen.  Sie  verrieten  damit,  was  ihnen
Eigentlich  so  unangenehm  am  Militarismus  war,  nämlich  die  Zucht  und  das
Pmflichtgefühl  gegenüber  dem  bisherigen  Staat  als  Ganzem,  die  der  Militarismus
  den  Massen  einflößte  und  durch  die  er  sie  in  Ordnung  hält.  Sie  fürchteten
mit  Recht,  damit  ließe  sich  ihre  besondere  Herrschaft,  ihr  Sozialistenstaat,  nicht
vereinen.  Und  es  ist  alte  B-Systemsüberlieferung,  lieber  das  Reich  zugrunde
gehen,  lieber  die  Franzosen  an  den  Rhein,  die  Polen  nach  Posen  zu  lassen,  als
eine  Einrichtung  weiterbestehen  zu  lassen,  die  das  zwar  verhindern,  aber  die  eigene
Herrlichkeit  gefährden  könnte.

Die  Herren  gerieten  dabei  allerdings  in  eine  Zwickmühle,  die  sie  sich  nicht
überlegt  hatten.  Das  deutsche  Volk  in  seinen  Massen  braucht  nämlich  mehr
noch  als  sedes  andere  Volk  den  Militarismus,  weil  es  politisch  unreifer  als  jedes
andere  Volk  ist,  und  sein  Militarismus  eben  nicht  nur  dem  Volk  in  Uniform,