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ganze Personal der Anstalt mit einer krästigen Lymphe vorsorglich geimpft worden war,
wurden 4 Tage später (27. April) 2 kräftige Kälber — Nr. 49 und 51 — in der Weise
geimpft, daß das Rohmaterial in epidermisfrei gemachte Hautstellen des rechten Hinterschenkels
mit einem Metallspatel eingerieben, und außerdem mit Elyzerinwasser verriebener Pockenstoff
nach dem Stich- und Strichverfahren auf den übrigen Teilen des Impffeldes verimpft wurde.
Bei beiden Tieren entwickelten sich Pusteln, welche nach Verlauf von 151 Stunden, also im
Laufe des 7. Tages, zur Abnahme reif waren. Nachdem von den Pusteln beider Tiere
zuerst photographische Bilder genommen worden waren, fand die Abimpfung statt; der Rohertrag
beider Tiere wurde zusammen zu einer dicken Emulsion von etwa 400 Impfportionen
verrieben.
Von dem Rest des aus Simbach stammenden Pockenmaterials, welches unterdessen nach
mehrtägigem Liegen im Glyzerin= und Wasserbade zu einer Emulsion verrieben worden war,
wurde sodann die eine Hälfte am 1. Mai auf die Impfkälber Nr. 57 und Nr. 58 mittels
verschiedener Verfahren übertragen, in beiden Fällen mit bestem Erfolge. Die Reifung der
Pusteln erfolgte in 168 und 174 Stunden. Das erste Kalb ergab 039 g, das zweite 0,11 8
Rohertrag, welcher zu einer dicken Emulsion von etwa 75 und 25 Portionen verrieben wurde.
Die von den Tieren 49 und 51 zusammengemischte sowie die von den Tieren 57 und 58
gewonnene und gesondert behandelte Stammlymphe ergaben nun zwei Zuchtreihen, welche
insofern voneinander verschieden waren, als in der von den Tieren 49 und 51 fortgeführten
Reihe, deren Stammimpfung mit ganz frischem Pockenstoff vorgenommen war, eine viel langsamere
Reifung der Impfpusteln auf den Tieren sich erkennen ließ, als in der anderen, von
den Tieren Nr. 57 und 58 abstammenden Reihe, deren Stammimpfung mit älterem und
emulgiertem Material ausgeführt war. Die beiden Zuchtreihen gaben aber noch zu einer
anderen, höchst auffälligen Beobachtung Veranlassung. In dem Drange, möglichst schnell
eine größere Menge Lymphe zu gewinnen, folgten sich die Generationen ziemlich schnell, gewöhnlich
binnen 8 Tagen immer eine weitere Generation. Schon in den zweiten Generationen
zeigten sich nun neben sehr schönen Pusteln eigentümlich blasige ungenabelte Pusteln mit
dünnflüssigem, eitrigem Inhalte; diese nahmen von Generation zu Generation schnell an Zahl
zu und verdrängten in dem gleichen Maße die brauchbaren, charakteristischen Impfpusteln.
Das letzte junge Rind, welches für die Impfung mit einer kräftigen tierischen Stammlymphe aufgehoben
worden war, zeigte diese Degeneration der Impfpusteln in ganz besonders hohem
Grade. Diese Erscheinung glaubte der Vorstand durch den Umstand erklären zu dürfen,
daß die Impfungen einander zu schnell gefolgt waren. Bei dieser raschen Aufeinanderfolge
war die Selbstreinigung der Lymphe nur unvollkommen erfolgt und daher hatten die sonst
in der Lymphe enthaltenen Keime das Übergewicht über den Vakzine-Erreger erlangt. Diese
Erwägung führte zu dem Entschlusse, die Weiterzucht dieser Generationen zu verlassen und
auf die am 3. Mai gewonnene Stammlymphe der Tiere 49 und 51 zurückzugreifen, von
welcher noch ein Rest vorhanden war. Das am 23. Mai mit dieser Lymphe geimpfte Kalb
Nr. 81 konnte am 29. Mai abgeerntet werden. In der Zwischenzeit vom 3. bis 23. Mai
waren die fremden Keime aus der Lymphe verschwunden. Die Stiche und Striche hatten
sich prachtvoll entwickelt. Die tief ins Gewebe gedrungenen Pusteln hatten jede bullöse Form
verloren, und solche Pusteln wurden auch nicht wieder beobachtet, nachdem darauf geachtet
wurde, der Tierlymphe genügende Zeit zur Selbstreinigung zu lassen.
In Stuttgart wurde das Impfverfahren gegen früher nicht geändert. Die Art der
Gewinnung von Tierlymphe ist in den deutschen Anstalten infolge des gegenseitigen Austausches
von Erfahrungen fast überall dieselbe. Ein Unterschied besteht nur bezüglich der
verwendeten Stammlymphe, da einige Anstalten, insbesondere München, Kinderlymphe nicht