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In jenem Hause, das einst Eigentum ihrer Herrschaft gewesen war,
mietete sie sich ein Stübchen, zog mit den Kindern hinein und versorgte
die Waisen wie eine Mutter.
Da kam das Jahr 1870 und mit ihm der 6. August, an
dem die Schlacht auf den Spicherer Höhen geschlagen wurde. Wie
schwer, wie blutig war jener Tag, und wie tapfer haben unsere
Soldaten gekämpft! Wo Männer kämpfen und Wunden schlagen,
da ist der Frauen Amt, zu helfen und zu heilen. Katharine gab
an diesem Tage den Frauen Deutschlands ein leuchtendes Beispiel.
Ohne Furcht trat sie in die Gefechtslinie. Auf dem Rücken trug sie
eine große Wasserbütte, und während rings die Kugeln sausten, stärkte
sie die Kämpfenden und labte die am Boden Liegenden mit frischem
Trunke.
Ein höherer Offizier bemerkte diese Arbeit der barmherzigen
Samariterin. Er sprengte auf die mutige Magd zu und rief: „Weib,
sieht Sie denn nicht, wie gefahrvoll es hier ist? Mache Sie sich
fort, hier wird ja geschofsen!“
Da richtete sich Katharine empor — sie war groß wie eine
Riesin — und antwortete ruhig: „Das sehe ich wohl, Herr Leutnant!“
Und ohne sich um die Kugeln zu kümmern, setzte sie ihr Werk fort,
und manchen Verwundeten trug sie auf ihren starken Armen aus
dem Gefechte zu den Verbandplätzen. Immer wieder kehrte sie
dann mit gefüllter Bütte zurück — und wie wohl mögen jene Becher
Wasser, die sie reichte, den Durstigen getan haben, denn es war
ein brennend heißer Augusttag!
Die Offiziere hatten dem König Wilhelm berichtet, was jene
Magd getan; und als Anerkennung für ihre unerschrockene, liebevolle
und selbstlose Tat verlieh ihr der gütige Herrscher das Ehrenkreuz
und die Kriegsdenkmünze. Durch diese Auszeichnung wurde
die Achtung vor dem Heldenmädchen noch erhöht.
Als Katharine im achtundsechzigsten Lebensjahre von einer
Krankheit befallen wurde, kämpfte ihre kräftige Natur lange mit
dem Leiden. In einem Sessel sitzend, starb sie am 6. August, sechzehn
Jahre nach jenem Schlachttage. „Ich lege mich in kein Bett,"
sagte sie, „die Kathrin will sitzend sterben."“
Auf dem Friedhofe im Ehrental wurde sie bestattet. Sie ruht
an der ehrwürdigen Stätte, wo sie damals im heißen Kugelregen in
barmherziger Liebe tätig gewesen war, mitten zwischen tapfern
Offizieren und Soldaten. Ihr Leben war Mühe und Arbeit. Was
anders kann sie zu solcher Treue und solchem Mute getrieben haben
als opferwillige Nächsten= und Vaterlandsliebe! Und wer heute das
Schlachtfeld von Spichern besucht, der wallfahrtet auch zu den treuen