ziehe, mit dem sie als Bischöfe, ja schon als ‚Christen‘ dem
„allgemeinen Vater‘‘ der Christenheit und den ‚unantastbaren‘
Gesetzen ihrer Kirche zur Treue und Gehorsam verpflichtet seien.
Die ‚„menschlichen‘‘ Gesetze müßten nach den ‚göttlichen‘ bemessen,
nie aber dürften jene über diese gestellt werden. Man
dürfe die Bischöfe nicht nötigen, das Heil ihrer unsterblichen
Seele um deswillen dahinzugeben, weil man in ihren Territorien
das nicht als vereinbar mit den Rechten des Staates leiden wolle,
wessen die Kirche gemäß der Lehre in den Anordnungen des
„sohnes Gottes‘ zu ihrem eigentümlichen Bestande
schlechterdings bedürfe. Was die Regierungen auch beschließen
sollten, die Bischöfe seien entschlossen, dem römisch-päpstlichen
Kirchenrecht entsprechend zu handeln. Davon würden sie nur
abgehen, wenn es ihnen der heilige Vater selbst gebiete.
Diese Kriegserklärung in aller Form bekräftigte und verkündete
Erzbischof Hermann v. Vicari unterm 16. Juli 1853
noch in einem besonderen Hirtenbriefe an die Adresse der
badischen Regierung. Wie er seinerzeit das Verhalten seiner
Geistlichkeit bei gemischten Ehen dem Einspruch der Regierung
zum Trotze eigenmächtig geregelt hatte, so hatte er auch bereits
in den 4oer Jahren damit begonnen, erzbischöfliche Knabenkonvikte
zu errichten, wozu ihm durch freiwillige Gaben, denen
er ein Scherflein aus eigner Tasche hinzufügte, Geldmittel reichlich
genug zuflossen. Die Regierung hatte er sich dabei vom
Halse gehalten, indem er es als ein Werk der ‚Caritas‘‘ bezeichnete,
nur dazu da, arme Schüler mit Kost und Logis zu
versorgen. Jetzt ließ er selbst diese Maske fallen.
Wie die Einrichtung derartiger erzbischöflicher Knabenkonvikte
nicht nur eine Gesetzwidrigkeit bedeutete, sondern
auch von rein menschlichem und auch nationalem Standpunkte
aus empören konnte, hat gleich damals schon ChristianBunsen
in seiner meisterhaften Flugschriit: ‚Die Zeichen der Zeit‘
klar und wuchtig genug zum Ausdruck gebracht. ‚Es widerspricht
durchaus dem deutschen Volksgeiste, daß Kinder und
Knaben, die weder sich noch das Leben kennen, von vornherein
von der Welt abgesondert und zu Priestern vorgebildet und erzogen
oder vielmehr abgerichtet werden sollen. Die Knaben
können allerdings wieder austreten: allein, zugestutzt, wie sie
sind, was wollen sie in der Welt anfangen? Wer außerdem
gibt den Unbemittelten (und das sind die Mehrzahl) das Geld,