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verschlungen, während ein anderes fast un-
berührt bleibt.
Bei den Melkkühen ist die Milchabson-
derung bald stärker bald geringer. Das Thier
hat einen eigenen dumpfen trockenen Stoß-
husten. ·
Die Krankheit selbst beginnet und verlaͤuft
mit nachfolgenden Symptomen:
Ein Hautkranipf mit Kaͤlte und Zittern
befaͤllt das Thier zuerst an den hintern
Fuͤssen, etwas spaͤter am ganzen Leibe, die
Haare werden rauh, und borsten sich in die
Höhe, es schüttelt zeitweise den Kopf mit
emporgehaltener Nase heftig, und knirscht
dabei mit den Zühnen, die Ohren, Lippen
und Hörner sind bald heiß, bald kalt anzu-
fühlen, die Augen hglänzen und thränen,
der Husten vermehrt sich, das Wiederkauen
(Eindrucken) wird senener, das Melkvieh
giebt weniger, und endlich gar keine Milch,
die Freßlust nimmt ab, und hört bald samt
dem Wiederkauen gänzlich auf. Das Thier
steht muthlos, und wie vergessen da, tram-
pelt öfter, stellt die Hinterfüsse mehr unter
den Leib, krümmet den Rücken, bei dessen
Berührung es Schmerzen verräth, liegt end-
lich viel mit beschwerlichen langsamen und
stöhnenden Athem, mit Heben des Bau-
ches, auf welchen es öfter hinblickt. Wenn
man gleich Anfangs dem Thiere in den Mund
und Nachen sieht, so ist dieser rauchend roth,
bei dem Befsühlen ungewöhnlich heiß, und
kn dem Munde, an dem Gaumen, vorzüg-
lich aber an dem Zahnfsleische in der Ges
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gend der Winkel der Kiefer bemerkt man,
besonders, wenn man diese Theile mit einer
vLeinwand etwas reibek, daß an verschiedenen
Stellen die Oberhaut sich abschället, Eroslo-
nen bildet, welche mit einem schmierigen talg-
artigen Wesen bedeckt sind.
Diese ebengenannten Zeichen werden, als
die sichersten Merkmale, daß die beginnende
Krankheit die Rindvieh, Pest sey, von den
Kunstverständigen angegeben.
Ueberhaupt dussert sich das Pestgift vor-
züglich und zuerst an den Schleimhäuten,
daher die vermehrte Absonderung durch
Schleim und Rez an dem Maule, und den
Nasen, daher der Stoßhusten als Foige
des Reizes und größern Zuflusses nach der
innern Oberfläche der Luströhre und ihrer
Verzweigungen.
Die Ausleerungen durch den Aster wer-
den mit dem Verlaufe der Krankheit immer
häufiger mit Zwang und Abgang von Blut.
Zuwerlen jedoch tritt vom Anfange bis
lum Ende eine harcnäckize Verstopfung ein.
Der Roz aus der Nase, der Schleim aus
dem Munde und den Augen, welche sich
in die Augenhöhlen zurückziehen, werden zä-
her und stmken aashaft. Es tritt eine gänz-
liche Scheue vor dem Futter und dem Ge-
tränke ein.
Die Abmagerung und die Kraftlosigkeit
nehmen zu, die Herzschläge und der Puls
verlie#ren sich, mit diesen alle Wärme, und
das Thier stirbt unter Stöhnen und Röcheln
zuweilen schon in den ersten 24 Stunden,
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