Metadata : Eperimentelle und kritische Beiträge zur Neubearbeitung der Vereinbarungen. I. Band. (1)

—  266  —

Bei  Fruchtsäften  wurde  daher  die  Reaktion  in  der  folgenden  abgeänderten  Form
angewandt:

10  g  Saft  werden  mit  der  gleichen  Menge  Wasser  verdünnt  und  unter  Zusatz
von  8  Tropfen  Ammoniumoxalatlösung  aufgekocht.  Der  jetzt  trüben  Flüssigkeit  setzt
man  etwas  Tierkohle  zu,  schüttelt  kräftig  um  und  filtriert  durch  ein  dichtes  Papierfilter.
  2  ccm  des  klaren  Filtraies  werden  dann  mit  2  Tropfen  Salzsäure  vom  spezifischen
  Gewicht  1,19  und  der  zehnfachen  Raummenge  Alkohol  von  94  Volumenprozent
versetzt.  Reine,  nur  mit  Zucker  eingekochte  Fruchtsäfte  geben  bei  dieser  Behandlung
vollkommen  klare  Lösungen,  während  ein  auch  nur  geringer  Prozentsatz  von  Stärkesirup
  sich  durch  eine  milchige  Trübung  bemerkbar  macht.

Es  wurden  bisher  auf  diese  Weise  5  verbürgt  reine  Himbeersäfte  und  2  Kirschsäfte
  untersucht.  Der  deutlich  erkennbare  Unterschied  zwischen  einer  klaren  und  einer
auch  nur  schwach  getrübten  Lösung  ermöglicht  auf  dem  vorstehenden  Wege  den
Nachweis  auch  geringer  Mengen  von  Stärkedextrinen.

In  der  vorstehenden  Tabelle  sind  die  Ergebnisse  des  neuen  Prüfungsverfahrens
bei  einer  Anzahl  von  Honigproben  und  Fruchtsäften,  die  in  der  angegebenen  Weise
vorbehandelt  wurden,  sowie  bei  einigen  Dextrinen,  deren  Lösungen  keiner  weiteren
Vorbehandlung  bedurften,  zusammengestellt.  Um  den  wesentlichen  Einfluß  Jer  Säure
hervortreten  zu  lassen,  sind  den  Alkoholfällungen  nach  Zusatz  von  Salzsäure  oder  der
fast  ebenso  wirksamen  Milchsäure  stets  noch  die  Alkoholfällungen  ohne  Säurezusatz
gegenübergestell.  Die  Ergebnisse  lassen  die  Beeinflussung  der  Dextrinfällung  durch
die  Säure  klar  erkennen.

Während  die  gewöhnlichen  Handelsdextrine  durch  den  Zusatz  von  Säure  und
Alkohol  gefällt  werden,  treten  bei  den  durch  Dialyse  gewonnenen  Achroodextrinen  nur
milchige  Trübungen  auf;  die  Honigdextrinlösungen  bleiben  dagegen  vollkommen  klar.

Die  Frage,  ob  es  sich  bei  der  neuen  Reaktion  um  eine  rein  physikalische  Erscheinung
  oder  um  eine  chemische  Umsetzung  handelt,  bei  welcher  sich  esterartige
Verbindungen  bilden,  konnte  noch  nicht  endgültig  entschieden  werden.

Vorstehende  Untersuchung  wurde  im  chemischen  Laboratorium  des  Kaiserlichen
Gesundheitsamtes  ausgeführt.

Berlin,  im  Mai  1909.