392 Siebentes Kapitel.
unsere Berzen am Throne Gottes, dessen Wille geschieht, wie im Rimmel,
so auf Erden! Amen!
Ihr ergebener König
wilhelm.“
Allein trotz der tiefen Entrüstung über die österreichische Holitik, die
den König erfüllte, war es ihm doch nicht leicht geworden, seinen Entschluß
zu fassen. Er liebte den Kaiser Franz Joseph, den Neffen König
Friedrich Wilhelms IV., aufrichtig; er sah in der Dereinigung der beiden
deutschen Großmächte das sicherste Bollwerk gegen die Revolution im
Innern wie gegen Angriffe von außen. Dazu kam, daß auch die Königin
Augusta, deren feinfühliges Urteil ihr königlicher Gemahl sehr hoch
schätzte, einem Bruche mit GEsterreich durchaus abgeneigt war. Aber jetzt
war durch das brüske Vorgehen GEsterreichs Hreußens Ehre geschädigt;
und über alles, seit langen Jahren erfüllte den König die Überzeugung,
daß Deutschland nur durch das Ausscheiden Gsterreichs gesunden könnte.
Und der streng abwägende Derstand siegte über die Impulse des Berzens:
mit klarer Bestimmtheit erwuchs der Entschluß, nicht zurückzuweichen.
Das ist eben das Bewundernswerte in König Wilhelm, daß er stets bereit
war, dem, was die eiserne Oflicht gebot, was das Wohl des Staates
verlangte, sein persönliches Empfinden zum Opfer zu bringen: ein Held
in Selbstüberwindung, gerade in seiner Schlichtheit so groß! Und doch,
was hätte er bis zur letzten Stunde darum gegeben, den Frieden bewahren
zu können. „Ich bin ein alter Mann und bald 70 Jahr“ —
sagte er zu seinem Meffen, dem Hrinzen Friedrich Karl, als dieser sich
zur Armee begab — „wie soll ich jetzt noch an Krieg denken d Jch
will nichts mehr, als meinem Dolke den Frieden lassen, wenn ich sterbe.
Ichk weiß ja auch, daß ich's vor Gott und meinem Gewissen verantworten
muß. Ich kann's bezeugen vor Sott, ich habe alles gethan: gebeten
habe ich den Kaiser, gebeten, wie man nur bitten kann. Ich will ja
zugestehen, was ich mit der Shre Hreußens vereinen kann. Aber sie
wollen ja den Krieg!“
Ja, Gsterreich wollte den Krieg! Mit nervöser Hast drängte es,
den Bruch zu vollenden. Am 7. Juni überschritten die Hreußen die Eider,
und TWanteuffel forderte den österreichischen Statthalter jetzt auf, wieder
eine gemeinsame Regierung für Schleswig-Rolstein einzurichten, die einseitige
Zerufung der holsteinischen Stände aber zurückzunehmen. Zeides
lehnte Gablenz ab. Manteuffel verkündigte daher, daß er zur Wahrung
der Rechte des Königs von Hreußen die oberste Regierungsgewalt auch