Full text : Armee-Verordnungs-Blatt Siebter Jahrgang (7)

vorgesplegelt  hat,  wächst  lns  Üdermenschllche.  Alcht  einmal  der  gute  Glaube
kann  unseren  Feinden  zugebilllgt  werden.  Wenlgstene  nlcht,  wenn  man  dle
Völker  und  ihre  Regierungen  als  eine  Einheit  auffaßt.  Dleses  Verfahren  aber
schlagen  unsere  Felnde  uns  gegenüber  eln.  Sie  machen  das  ganze  deutsche
Volk  sowie  die  Deutschösterrelcher  und  Ungarn  für  die  Handlungen  ihrer  Regierungen
  verantwortlich.  Ich  glaube  nachgewlesen  zu  haben,  daß  sie  damit
unseren  Negierungen  ebenso  schweres  Unrecht  tun  wle  unseren  Völkern.

Daß  wlr  unsere  Verteidigung  nur  durch  den  Angriff  führen  konnten,  das
gad  dem  Ringen  auf  dem  westlichen  Krlegeschauplatz  den  äußeren  Anscheln
und  die  militärische  Form  des  Angriffskrleges.  Diel  deutlicher  zeichnet  sich  der
Charakter  des  Verteidlgungskrieges  von  vornherein  auf  dem  östlichen  Krlegeschauplatz
  ab.  Schon  aus  dem  Grunde,  well  dle  ungeheure  Uberlegenheit  der
Zahl  sich  hier  noch  weit  offensichtllcher  geltend  macht  als  zu  Anfang  des  Krleges
lm  Kampfe  wlder  dle  Westmächte.

Dennoch  hat  dle  Strategle  der  Mittelmächte  auch  im  Osten  bei  Kricgebeglun
  den  Grundsatz  befolgt,  daß  der  Hled  dle  beste  Deckung,  der  Angriff  die
alleln  entscheidende  Form  der  Derteldlgung  ist.  Und  das  soll  hler  von  vornbereln
ausgesprochen  werden,  was  durch  die  spätere  Entwlcklung  verdunkelt  und  verdeckt
  worden  ist  —  daß  unsere  Verdündete  lm  Südosten,  die  Donaumonarchie,
durch  lhre  kriegerischen  Lelstungen  alle  billlgen  Erwartungen  übertroffen  und
lhr  vollgemessenes  Tell  zur  gemelnschaftlichen  Verteldigung  delgesteuert  hat.
Daß  ihre  Kräfte  früher  ale  dle  unseren  versagt  haben,  liegt  in  ihrem  ganzen
staatlichen  Aufbau  begründet.

Jeder  Soldat  in  der  deutschen  Front,  der  dle  Verhältuisse  einlgermaßen
überschaute,  war  sich  von  Anfang  an  darüber  klar,  daß  die  Aufgade  an  der  Ostfront
  dle  unendllch  vlel  schwierigere  und  undankbarere  seln  würde.  Kein
Truppentell  erfuhr  beiseiner  ersten  Berladung,  od  es  nach  Osten  oder  nach  Westen
geben  würde.  Wenn  dann  der  Zug  slch  ln  Bewegung  setzte,  dann  warteten
ble  Bataillone  mlt  fieberhafter  Spannung,  ob  es  ostwärte  oder  westwärte  ginge.
Wer  nach  Westen  durfte,  jubelte  hell  auf.  Wer  nach  Osten  mußte,  dessen  demächtigte
  sich  eln  dumpfes  Gefühl  verdlssener  Pfllchterfüllung.

Das  hatte  einen  doppelten  Grund.  Mag  lmmerhin  de  den  deutschen
Volksteilen  ÖOsterreichs  und  del  den  Ungarn  etwas  wie  nationaler  Haß  gegen
den  Russen  vorhanden  gewesen  sein  —  der  Deutsche  stand  dem  Russen  mit
durchaue  sympatbischen  Gefüblen  gegenüber.  Der  Rassenhaß  des  Slawen  gegen
den  Germanen  berubte,  sowelt  der  Russe  in  Betracht  kam,  kelneswegs  auf
Gegenseitlgkelt.

Trotzdem  und  andererselte:  wir  wußten  um  diesen  russischen  Haß  auf  une
Heutsche.  Und  jenes  Gefühl  des  Alpdrucks,  das  Biemarcke  ganzes  Verhalten
Rußland  gegenüber  limmer  destimmt  hatte,  war  zum  Gemeinempfinden  des
deutschen  Volkes  geworden.  Wir  wußten  es  alle:  im  Osten  dehnte  sich  eln
Alesenreich,  verschwimmend  im  Nebel  des  Undekannten,  verdämmernd  im
Wust  astatischer  Barbarei.  Im  Westen  galt  ee,  unter  eine  jahrhundertealte
Abrechnung  endlich  den  Schlußstrich  zu  zlehen.  Mit  dem  Russen  hatte  dieher,
solange  es  eine  deutsche  Geschichte  gab,  der  Deutsche  die  Waffen  nur  zu  elnzelnen
  Malen  gekreuzt,  und  auch  dann  nur  lm  Verlaufe  von  dynastlsch  defohlenen

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