vorgesplegelt hat, wächst lns Üdermenschllche. Alcht einmal der gute Glaube
kann unseren Feinden zugebilllgt werden. Wenlgstene nlcht, wenn man dle
Völker und ihre Regierungen als eine Einheit auffaßt. Dleses Verfahren aber
schlagen unsere Felnde uns gegenüber eln. Sie machen das ganze deutsche
Volk sowie die Deutschösterrelcher und Ungarn für die Handlungen ihrer Regierungen
verantwortlich. Ich glaube nachgewlesen zu haben, daß sie damit
unseren Negierungen ebenso schweres Unrecht tun wle unseren Völkern.
Daß wlr unsere Verteidigung nur durch den Angriff führen konnten, das
gad dem Ringen auf dem westlichen Krlegeschauplatz den äußeren Anscheln
und die militärische Form des Angriffskrleges. Diel deutlicher zeichnet sich der
Charakter des Verteidlgungskrieges von vornherein auf dem östlichen Krlegeschauplatz
ab. Schon aus dem Grunde, well dle ungeheure Uberlegenheit der
Zahl sich hier noch weit offensichtllcher geltend macht als zu Anfang des Krleges
lm Kampfe wlder dle Westmächte.
Dennoch hat dle Strategle der Mittelmächte auch im Osten bei Kricgebeglun
den Grundsatz befolgt, daß der Hled dle beste Deckung, der Angriff die
alleln entscheidende Form der Derteldlgung ist. Und das soll hler von vornbereln
ausgesprochen werden, was durch die spätere Entwlcklung verdunkelt und verdeckt
worden ist — daß unsere Verdündete lm Südosten, die Donaumonarchie,
durch lhre kriegerischen Lelstungen alle billlgen Erwartungen übertroffen und
lhr vollgemessenes Tell zur gemelnschaftlichen Verteldigung delgesteuert hat.
Daß ihre Kräfte früher ale dle unseren versagt haben, liegt in ihrem ganzen
staatlichen Aufbau begründet.
Jeder Soldat in der deutschen Front, der dle Verhältuisse einlgermaßen
überschaute, war sich von Anfang an darüber klar, daß die Aufgade an der Ostfront
dle unendllch vlel schwierigere und undankbarere seln würde. Kein
Truppentell erfuhr beiseiner ersten Berladung, od es nach Osten oder nach Westen
geben würde. Wenn dann der Zug slch ln Bewegung setzte, dann warteten
ble Bataillone mlt fieberhafter Spannung, ob es ostwärte oder westwärte ginge.
Wer nach Westen durfte, jubelte hell auf. Wer nach Osten mußte, dessen demächtigte
sich eln dumpfes Gefühl verdlssener Pfllchterfüllung.
Das hatte einen doppelten Grund. Mag lmmerhin de den deutschen
Volksteilen ÖOsterreichs und del den Ungarn etwas wie nationaler Haß gegen
den Russen vorhanden gewesen sein — der Deutsche stand dem Russen mit
durchaue sympatbischen Gefüblen gegenüber. Der Rassenhaß des Slawen gegen
den Germanen berubte, sowelt der Russe in Betracht kam, kelneswegs auf
Gegenseitlgkelt.
Trotzdem und andererselte: wir wußten um diesen russischen Haß auf une
Heutsche. Und jenes Gefühl des Alpdrucks, das Biemarcke ganzes Verhalten
Rußland gegenüber limmer destimmt hatte, war zum Gemeinempfinden des
deutschen Volkes geworden. Wir wußten es alle: im Osten dehnte sich eln
Alesenreich, verschwimmend im Nebel des Undekannten, verdämmernd im
Wust astatischer Barbarei. Im Westen galt ee, unter eine jahrhundertealte
Abrechnung endlich den Schlußstrich zu zlehen. Mit dem Russen hatte dieher,
solange es eine deutsche Geschichte gab, der Deutsche die Waffen nur zu elnzelnen
Malen gekreuzt, und auch dann nur lm Verlaufe von dynastlsch defohlenen
110