Der Einfluß der hochdeutschen Gerlchtssprache. 335
erinnert werden, wie die Abschaffung der deutschen Gerichtssprache
in Nordschleswig 1840 und mehrere Jahre später die größte Erbitterung
hervorrief, wie selbst Gegenden mit jütischredender Bevölkerung und
dänischer Kirchen= und Schulsprache darum nachsuchten, deutsche Rechtspflege
behalten zu dürfen. Sogar die Vertreter einer ganzen Harde,
der Sluxharde im Amte Tondern, trugen in einem Gesuch an den
König darauf an (30. Juli 1840), vor Gericht und in der öffentlichen
Verwaltung vom Dänischen verschont zu bleiben.
Mit Unrecht ist von dänischer Seite die Anklage erhoben, durch
die hochdeutsche Gerichtssprache sei die Volkssprache im Norden geschädigt
worden; indem man die jütische Volksmundart mit der dänischen
Literatursprache gleichstellt, rückt man zugleich die ganze Frage in
ein falsches Licht. Der Kampf zwischen den beiden Amtssprachen, dem
Hochdeutschen und der dänischen Literatursprache, um den es sich damals
und noch heute allein in den nördlichen Distrikten handelt, hat
mit der Volkssprache nicht das geringste zu schaffen. Diese ist auch
durch die Einführung der hochdeutschen Gerichtssprache gänzlich unberührt
geblieben und um so weniger beeinflußt worden, als die dänische
Literatursprache in Kirche und Schule überall hier ihre alte Stellung
behauptete. Wie geringe germanisierende Kraft dem Hochdeutschen,
wenigstens in damaliger Zeit, beiwohnte, beweist am besten die um
1773 in Christiansfeld begründete hochdeutsche Brüdergemeinde; ein
sprachlicher Einfluß auf ihre ländliche Umgebung, die damals wie
noch heute westjütisch redete, hat sich nicht im geringsten geltend gemacht,
vielmehr sich auch hier wie überall in ähnlicher Lage gezeigt,
daß die Sprache der ländlichen Umgegend umgekehrt auf die Bewohnerschaft
eingewirkt hat. Wenn etwas auch hier im Norden durch
die Einführung des Hochdeutschen geschädigt worden ist, so war es
die niederdeutsche Sprache. Wir haben bereits bei der Betrachtung
der nationalen Entwickelung der Städte gesehen, daß nur da, wo,
wie in Flensburg, das Niederdeutsche schon mehr oder weniger zur
eigentlichen Volkssprache geworden war, es auch nach Einführung des
Hochdeutschen sich behauptete, aber da, wo es, wie in Apenrade,
Hadersleben und selbst Tondern diese feste Stellung noch nicht gewonnen
hatte, ganz allmählich von der jütischen Mundart der ländlichen
Umgebung wieder aufgesogen ward. Ebenso erging es auch