Klimatologie. 727
daß von Morgen an die nördlichen Winde zunehmen, daß also derselbe Fall
eintritt, den man wie bereits im ersten Bande erwähnt wurde, auch in
Hohenpeissenberg und in Bogenhausen beobachtet.
Es ergiebt sich aus der letzten Columne, daß der Bruch, den man erhält,
wenn man die Zahl der nördlichen Winde durch die der süblichen dividirt,
Mittags größer ist als Morgens.
Selbst in Augsburg#) läßt sich, wenn auch wegen der größeren Entfernung
vom Gebirge in weit geringerem Grade die Alpenwirkung noch verspüren,
wie man aus Tabelle II ersieht.
Tab. II.
Zahl der beobachteten Winde.
Tageszeit. Kördl. ð
N. N. O. . S. SW. W. NW. Südl W.
Morgens 1
7 Uhr 127.5 181 318 304 176.5 504 1474 0.79
Nachmit- "„
tags 2 Uhr2225 1 436 2575 161 434.5884.54318S8
Während also in Augsburg im Jahresdurchschnitte Morgens auf 100
südliche Winde 79 nördliche treffen, ist um 2 Uhr Nachmittags das Verhältniß
wie 100 zu 88; es nehmen also die zum Gebirge gehenden Winde zu.
Der Einfluß der Gebirge auf das Klima, den man an der veränderten
Richtung der Winde als solchen erkennen kann, beschränkt sich aber nicht auf
die Luftströmungen, er zeigt sich auch in Aenderungen der Temperatur,
die zum größten Theil durch die Luftströmungen vermittelt sind. Die Berge
tragen sehr viel dazu bei, das Klima des benachbarten Flachlandes rauher zu
machen und dieser Einfluß läßt sich als solcher wieder aus den periodischen
Aenderungen der Winde erkennen.
Die Wärme eines Ortes ist bekanntlich nicht immer dieselbe; es wechseln
kalte und warme Tage. Je größer nun der Unterschied zwischen der höchsten
und der niedrigsten Wärme eines gegedenen Zeitraumes ist, um so größeren
Temperaturwechsel muß ein Ort haben, und wir gelangen so auf die Frage:
Zwischen welchen Extremen bewegt sich die Wärme da oder dort? Die Extreme,
d. h. die Werthe der höchsten und der niedrigsten Temperatur eines
Monats sind nicht jedes Jahr die nämlichen, denn wir haben Jahre, in denen
1) Aus dem metereologischen Jahrbuche von Stark 1826—34. Auch hier sind
wie früher die Zwischenwinde NNO. u. s. w. je zur Hälfte den Nachbarrichtungen
zugezählt, woraus sich die Decimalen erklären.