Full text : Bismarck und das päpstliche Rom.

Wein.  Wie  wird  dieser  ‚„päpstliche‘  Schmaus  den  preußischen
„Ketzern‘‘  gemundet  haben!

Auch  Friedrich  Wilhelm  I.  hat  mit  dem  Dreifachgekrönten
im  Vatikan  und  seiner  Ecclesia  militans  wiederholt  kurzen
Prozeß  gemacht.  Man  denke  nur  an  den  Vorfall  mit  der  Heidelberger
  Stadtkirche.  Diese  war  in  Gemäßheit  des  Westfälischen
Friedensvertrages  zur  Hälfte  den  Römischen  und  zur  Hälfte  den
Evangelischen  eingeräumt.  Die  Abhaltung  des  Gottesdienstes
der  alleinseligmachenden  römischen  Papstkirche  unter  demselben
  Dache  mit  einer  ketzerischen  Sekte  war  in  den  Augen  der
Jünger  Loyolas,  die  den  Kurfürsten  von  der  Pfalz,  den  Landesherrn,
  am  Gängelbande  hatten,  unter  keinen  Umständen  zu
dulden.  Die  ‚„Ketzer‘‘  wurden  eines  Tages  einfach  hinausgewiesen.
König  Friedrich  Wilhelm  aber  fühlte  sich,  da  der  Kurfürst  von
Sachsen  ins  römische  Lager  übergegangen  war,  als  Vorstand
und  Schutzherrn  der  Evangelischen  im  Reiche.  Als  man  auf
seine  Vorhaltung  hin  taube  Ohren  machte,  schloß  er  einfach  die
römischen  Kirchen  in  seinen  Landen.  Das  wirkte  zwar  im
Vatikan;  da  jedoch  der  von  den  Jesuiten  beratene  Kurfürst
am  Neckar  trotzdem  nicht  beigehen  wollte,  drohte  der  Soldatenkönig,
  ihm  an  der  Spitze  von  ro  000  Mann  aufzuwarten.  Hierauf
erhielten  die  Evangelischen  ihre  Kirchenhälfte  wieder  zurück.
Der  so  ‚gut‘  römisch-katholische  Kurfürst  aber  war  darob  so
verdrossen,  daß  er  seine  Residenz  nach  Mannheim  verlegte.

Erst  durch  Friedrich  den  Großen  wurde  der  Standpunkt
gegenüber  der  römischen  Kirche  in  Berlin  ein  anderer.  Sein
Wort  gleich  am  Eingang  seiner  Regierung  ‚In  meinem  Staate
soll  Jeder  nach  seiner  Fasson  selig  werden‘‘  —  ist  eine  Randbemerkung
  gewesen,  gelegentlich  der  Anfrage,  ob  man  es  bei
einer  römisch-katholischen  Soldatenschule  bewenden  lassen
solle.  Er  blieb  zwar  darauf  bedacht,  die  staatliche  Souveränität
dem  päpstlichen  Rom  gegenüber  zu  wahren,  meinte  indes,  dies
zu  können,  ohne  deswegen  der  Ausbreitung  der  römischen
Kirche  in  seinem  Staate  Hindernisse  in  den  Weg  zu  legen.  Er
gestattete  nicht  nur  den  öffentlichen  römischen  Gottesdienst  in
Berlin,  sondern  bedachte  sogar  die  im  Mittelpunkte  der  Stadt,
in  der  Nähe  des  königlichen  Schlosses,  errichtete  Hedwigskirche
mit  königlicher  Munifizenz.  Selbst  die  Erfahrung  des  7-jährigen
Krieges,  während  dessen  er  sich  bewußt  wurde,  für  die  Errungenschaften
  der  Reformation,  für  die  deutsche  Freiheit,  Rom  gegen-