468 Rechtsprechung.
gewesen, mitgetheilt und in dem von ihm diktirten Schriftsatze — Klagebeantwortung
— verwendet hätte. Die Revision ist verfehlt, insbesondere
auch insoweit, als sie verlangt, daß der dem Angeklagten zur Last gelegte
Vertrauensbruch durch derartige Thatsachen, wie sie vorhin bezeichnet,
hätte gestützt werden müssen.
Worin — unter Anderem — ein pflichtwidriges Handeln des Anwalts
zu finden, kennzeichnet der § 31 Nr. 2 der Rechtsanwaltsordnung
vom 1. Juli 1878 (Rl. S. 177) dahin, „daß der Rechtsamwalt seine
Berufsthätigkeit zu versagen hat, wenn sie von ihm in derselben Rechtssache
bereits einer anderen Partei im entgegengesetzten Interesse gewährt
ist". Darin, daß der Rechtsanwalt, dem von der einen Partei das Vertrauen
geschenkt ist, ihre Interessen zu vertreten, demnächst der anderen
Partei, die ein entgegengesetztes Interesse an dem Ausgange des Rechtsstreits
hat, seinen Beistand leistet, liegt schon an sich der Bruch desjenigen
Vertrauens, das die zuerst von ihm vertretene Partei auf seine Vertretung
gesetzt hat. Die Thatsache einer solchen ungetreuen Sachwaltung, die
pflichtwidrig in derselben Rechtssache beiden Parteien dient, stellt den Mißbrauch
des Vertrauens dar und bedarf es daher nicht noch einer weiteren
Spezialisirung derjenigen Richtung, in welcher jenes Vertrauen gemißbraucht
worden ist. Eine hievon abweichende Auffassung ist auch aus der angezogenen
Anmerkung in Olshausen, Strafgesetzbuch zu § 356 nicht zu
entnehmen. Und das Urtheil des Reichsgerichts vom 5. Oktober 1886
(Rechtspr. Bd. 8 S. 583) erklärt bereits geradehin, daß der 8 31 Nr. 2
der Rechtsanwaltsordnung wesentlich den Fall im Auge hat, den der § 356
des StGB. unter Strafe stellt, daß ferner das Handeln des Anwalts,
der in derselben Rechtssache einer Partei gegen die andere dient, wenn
er dieser bereits gedient hat, rechts= und pflichtwidrig ist, und daß endlich
ein derartiges pflichtwidriges Handeln bei Rechtsangelegenheiten, die im
Prozesse befangen, stets vorliegt, wenn der Anwalt des Klägers demnächst
gegen ihn als Anwalt des Beklagten dient und umgekehrt. Daß Letteres
in seiner ersten Alternative vorliegend geschehen, hat der erste Richter festgestellt.
In der Civilprozeßsache F., des Klägers, gegen Sch., Beklagten,
diente der Angeklagte zunächst dem Kläger als dessen Bevollmächtigter
durch Anfertigung und Einreichung der Klage vom 26. August 1899,
demnächst aber konferirte er mit dem Beklagten am 19. Oktober 1899
über die Einwendungen, die jener Klage entgegenzustellen seien. Das
Resultat der Konferenz legte er unter Hinzufügung eines neuen Punktes
in einem als Klagebeantwortung formulirten Schriftsatze nieder, den er
dem Schreiber des Vertreters des Beklagten in die Feder diktirte und der
dem Gericht überreicht wurde. In diesem Handeln des Angeklagten in
Verbindung mit der unter ausführlicher, ebenfalls rechtsirrthumsfreier