Volltext : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Foß:  Der  Seekrieg  1914/15

Die  =  Emden=  trat  darauf  ihren  berühmt  gewordenen
  Kreuzzug  nach  Süden  an.  Durch  die  Straße
von  Malakka  dampfend,  versenkte  sie  ein  halbes  Dutzend
großer  britischer  Dampfer.  Die  an  Bord  befindlichen
Besatzungen  und  Passagiere  wurden  mit  anderen
Stahm  nach  Kalkutta  und  Rangoon  befördert.  Den

egen  sie  ausgesandten  Lreusern  wußte  sich  =  Emdentets
  geschickt  zu  entziehen.  Am  22.  Sept.  1914  vernichtete
  sie  die  großen  Petroleumtanks  in  Madras  und
verschwand  ebenso  plötzlich,  wie  sie  gekommen,  wieder
in  der  Dunkelheit,  als  die  Forts  das  Feuer  gegen  sie
eröffneten.  Ende  September  versenkte  sie  unweit  Ceylon
  vier  Schiffe.  Von  den  beschlagnahmten  Schiffen
nahm  sie  nur  die  Kohlendampfer  mit  sich.  Absichtlich
ließ  sie  sich  vor  Pondichery  sehen,  um  dann  in  der
Arabischen  See  wieder  zu  verschwinden.  Sie  kaperte
dort  fünf  Dampfer  und  trat  am  20.  Oktober  die  Reise
nach  einem  neuen  Schauplatz  an.  Zwischen  Sumatra
und  Java  hindurchdampfend,  versenkte  sie  bei  Borneo
am  27.  Oktober  ein  großes  japanisches  Schiff  und
fuhr  dann  abermals  durch  die  Malakkastraße,  wo  sie
bei  Anbruch  des  28.,  durch  einen  vierten  Schornstein
unkenntlich  gemacht,  in  Penang  einlief.  Man  hielt
sie  für  den  erwarteten  britischen  Kreuzer  =  Barmouth-,
und  das  auf  Vorposten  befindliche  französische  Torpedoboot
  -Mousquet-  alarmierte  nicht.  Der  im  Hafen
liegende  Kleine  russische  Kreuzer  „Schemtschug=  (1903,
3180  t,  24  Knoten,  sechs  12-cm-,  sechs  4,7-m-,  zwei
3,7-em--Schnelladekanonen,  sechs  45-em-Torpedorohre)
  wurde  durch  Artilleriefeuer  und  einen  Torpedo
angggriffen  und  in  den  Grund  gebohrt.  1  Offizier,
88  Mann  waren  dabei  auf  dem  russischen  Kreuzer  getötet,
  3  Offiziere,  120  Mann  von  der  275  Köpfe  starken
  Besatzung  verwundet  worden.  Darauf  wendete
die  Emden=  der  Einfahrt  zu,  sandte  noch  einige
Granaten  in  die  Petroleumtanks  an  Land  undsteuerte
wieder  seewärts.  Leider  war  ihr  in  der  Dämmerung
entgangen,  daß  noch  drei  französische  Torpedoboote
im  Hafen  lagen,  die  sonst  ihre  sichere  Beute  geworden
wären.  Vor  dem  Hafen  traf  sie  aber  auf  den  französischen
  Zerstörer  „Mousquet-  (1900,  310  t,  27
Knoten,  ein  6,5-cm-,  sechs  4,7-cm-Schnelladekanonen,
wei  38-cm-Torpedorohreh),  den  sie  mit  einigen  Schüs-2
  zum  Sinken  brachte.  Dieser  überfall  erregte  begreiflicherweise
  Schrecken  und  Bestürzung  in  Indien,
während  man  in  England  selbst  die  Sache  mehr  für
einen  genialen  Sport  hielt  und  der  Kommandant,
Fregattenkapitän  v.  Müller,  eine  Zeitlang  dort  zu
einer  populären  Persönlichkeit  wurde.

Am  9.  November  früh  landete  die  „  Emdene  eine
3Offiziere,  10  Mann  starke  Abteilung  auf  einer  der  der
südlich  Sumatra  gelegenen  Kokosinseln,  um  die  dortige
Funkenstation  und  das  Kabel  Australien-Madagaskar
  zu  zerstören.  Leider  war  sie  vorzeitig  erkannt  worden,
  so  daß  die  Station  Zeit  behielt,  um  Hilfe  zu
funken.  Dieser  Ruf  erreichte  einen  Transport,  der
Truppen  von  Australien  nach  Colombo  brachte  und
den  die  Kreuzer  =  Sydney  und  „Melbourne.  geleiteten.
  Ersterer  erhielt  Befehl,  beschleunigt  vorauszudampfen
  und  ehe  -Emden=  Zeit  hatte,  ihre  Lanungsabteilung

  wieder  an  Bord  zu  nehmen,  kam  es
zwischen  =  Sydney-=  (1912,  5700  t,  26  Knoten,  acht
15,2-em-,  vier  4,7-cm-Schnelladekanonen,  zwei  53-em-Torpedorohre)
  und  -Emden=  zum  Kampf.  Um  9  Uhr
40  Min.  begann  das  ungleiche  Gefecht,  das  anfänglich
  einen  für  die  -Emdene  günstigen  Verlauf  nahm.
Zehn  Treffer  hatte  sie  ihrem  Gegner  bereits  beigebracht,
ehe  sie  selbst  den  ersten  erhielt.  Dieser  und  die  folgen-271



den  erwiesen  sich  aber  als  derart  wirksam,  daß  sie  bald
schwer  litt.  Nach  ein  und  einer  halben  Stunde  sah
sich  der  Kommandant  genötigt,  sein  Schiff  mit  großer
Fahrt  auf  ein  Korallenriff  der  Insel  Keeling  zu  setzen,
nachdem  Emden  ihrem  Gegner  noch  fünf  Treffer  beigebracht
  hatte.  Fockmast  und  alle  Schornsteine  waren
weggeschossen,  die  Steuereinrichtung  beschädigt,  das
Hinterschiff  brannte.  Nach  der  Strandung  feuerte
die  „Sydneye  noch  einige  Salven,  die  die  Maschinen
zerstorten.  und  machte  sich  dann  an  die  Verfolgung

es  Kohlendampfers  der  -Emden=  Sie  erreichte  ihn
auch,  konnte  aber  nur  seine  Besatzung  gefangennehmen,
  denn  diese  hatte  vorher  den  Dampfer  durch  Offnen
  der  Bodenventile  zum  Sinken  gebracht.  Als
„Sydney=  dann  zur  -Emdene  zurückkehrte,  kapitulierte
der  Kommandant,  um  weiteres  unnötiges  Blutvergießen
  zu  verhindern,  mit  dem  Reste  der  Besatzung,
von  der  6  Offiziere,  4  Deckoffiziere,  26  Unteroffiziere
und  93  Mann  gefallen,  1  Unteroffizier  und  7  Mann
schwer  verwundet  waren.

Damit  hatte  die  erfolgreiche  Tätigkeit  des  herrlichen
Schiffes  ihr  Ende  gefunden.  „Emdene  hatte  während
derselben  vernichtet  oder  genommen:  einen  kleinen
Kreuzer,  einen  Zerstörer  von  zusammen  3490  t,  den
russischen  Dampfer  „Rjäsan  (3522  t).  einen  großen
japanischen  Dampfer,  16  englische  (»Indus«  3413,
»Lovat«  6102,  Killine  3544,  -Diplomat=  7615,
Trabboch=  4028,-Clan  Mathesen  4775,-Tymeric=3314,
  -King  Lud«  3650,  Ribera«  3500,  Foyle-4147,-Clan
  Grant«  3948,-Benmohr=  4806,-Ponrabbel
  473,-Troilus  7562,-Chilkang  5146,  Buresk.
  4350),  zusammen  etwa  80  000  t.

S.  M.  S.-Ayeshak.  Der  die  Landungsabteilung
der  „Emden=  führende  erste  Offizier  des  Kreuzers,
Kapitänleutnant  v.  Mücke,  versuchte,  mit  einem  alten,
kleinen  Schoner  namens  =  Ayesha“  in  neutrales  oder
befreundetes  Gebiet  zu  gelangen.  Nach  mancherlei
Fährnissen  landete  am  9.  Januar  1915  die  Abteilung
bei  Hodeida  am  Roten  Meer  und  gelangte  am  22.  Mai
schließlich  nach  Konstantinopel.  Bot  Seekriegskalen.
dere  9.  November,  27.  November,  10.  Dezember,
16.  Dezember  1914,  9.  Januar,  14.  März.  27.  März.
1.  April,  3.  April,  9.  Mai  und  22.  Mai  1915.

S.  M.  S.-Königsberge.  Dieser  Kleine  Kreuzer
befand  sich  auf  der  ostafrikan.  Station.  Am  6.  August
1914  versenkte  er  den  englischen  Dampfer  »City  of
Winchestere  (6800t)  und  erschien  am  19.  September
vor  Sansibar,  wo  er  den  britischen  Kleinen  Kreuzer
„  Pegasus  (1897,  2200  t,  20  Knoten,  acht  10,#cm-,
acht  4,7-eacrm-Schnelladekanonen)  zusammenschoß.
Von  den  weit  stärkeren  britischen  Kreuzern  „Chatham.
  (1911,  5500  t,  25,5  Knoten,  acht  15,2-cm-,
vier  4,  -cm-Schnelladekanonen,  zwei  53-cm-Torpedorohre)
  und  Weymouth-  (1910,  5300  t,  25,6  Knoten.
und  der  gleichen  Armierung)  verfolgt,  zog  er  sich  in  den
Rufidschi  zurück,  dessen  Barre  die  beiken  tiefergehenden
  Briten  nicht  passieren  konnten.  Diese  versenkten
jedoch,  um  den  deutschen  Kreuzer  am  Auslaufen  zu
verhindern,  am  30.  Oktober  einen  beladenen  Kohlendampfer
  in  der  Mündung.  Erst  am  1.  Juli  1915
wurden  vor  dem  Flußdelta  starke  Seestreitkräfte  zusammengezogen,
  um  die  -Königsberge  zu  vernichten.
Sie  bestanden  in  den  flachgehenden,  1280  t  großen,
11,5  Knoten  schnellen  gepanzerten  Monitoren  -Merseye
  und  =  Severne,  die  als  Bestückung  zwei  15,2-cm-Schnelladekanonen,
  zwei  Haubitzen  von  12  cm  und
vier  leichte  Geschütze  führten.  Außerdem  die  Kleinen
Kreuzer  =  Weymouth-  (s.  oben),  =  Hyacinth  (1898,