106 Ortsgesetze und örtliche Polizeiverordnungen § 11.
hilfe schaffen, so wird ein Organ bestimmt werden müssen,
welches für den selbständigen Gutsbezirk die Stelle der Gemeindevertretung
einnimmt. Die Wahl des Besitzers oder des
Gutsvorstehers kann hierbei nicht in Frage Kommen. Es bleibt
also nur übrig, diese Wirksamkeit dem Selbstverwaltungsorgane
des weiteren Kommunalverbandes, dem Bezirksausschusse,
zu übertragen. Da indessen für das Zustandekommen
des Ortsgesetzes kaum ein über das Interesse des
Besitzers hinausgehendes öffentliches Interesse vorliegen wird,
ist die Beschlußfassung des Bezirksausschusses von dem Antrage
des Besitzers abhängig gemacht worden. Dieser Antrag
wird bis zur endgültigen Genehmigung des Ortsgesetzes jederzeit
zurückhgezogen werden hönnen.“ (Begr. S. 59.) Wegen
gemeinschaftlicher Ortsgesetze für Gemeinden und selbständige
Gutsbezirke vgl. 8 11.
3. Nach § 112 unter a der Rev StO versagt die Ortsgesetzgebung,
wenn kein übereinstimmender Beschluß des Stadtrates
und der Stadtverordneten zustande kommt. Da dies
für die Entwichlung des örtlichen Bauwesens unter Umständen
sehr hinderlich und nachteilig sein kann, so waren schon bisher
wiederholt unter Dispensation gemäß 8 136 der RevSt0O orts-Lesetzliche
Bestimmungen genehmigt worden, wonach bei Meinungsverschiedenheiten
zwischen Rat und Stadtverordneten
über einen ortsgesetzlich festzustellenden Bebauungsplan das
M"inisterium des Innern entscheiden soll. „Der Entwurf schließt
sich in § 10 Abs. 2 diesen Vorgängen an und will sie zur allgemeinen
gesetzlichen Regel erheben. Hierbei ist auch daran
festgehalten worden, daß die Entscheidung nicht der Kreishauptmannschaft,
sondern dem Ministerium des Innern übertragen
wird, damit nicht bei der diesem vorbehaltenen Genehmigung
des Ostegesetzes von neuem Schwierigkeiten entstehen.“ (Begr.
. 60.
§5 11. Durch übereinstimmenden Beschluß der zuständigen
Gemein devertretungen und, soweit selbständige
Gutsbezirke in Frage kommen, durch Anschlußerklärung
des Gutsherrn können derartige Ortsgesetze auch für
mehrere Gemeinden oder für Gemeinden und Gutsbezirke
gemeinschaftlich erlassen werden.
Vgl. die ähnlichen Fälle von Krant Versch vom 10. April
1892 §8§ 12, 43. Bei solchen gemeinschaftlichen Ortsgesetzen
bedarf es des in § 10 Abs. 1 vorgesehenen Eintretens der
Amtshauptmannschaft und des Bezirksausschusses für den selbständigen
Gutsbezirk nicht. „Hier ist eine wirkliche Gemeinde-