Contents : Realienbuch Nr. 3 (3)

94  Geschichte.  1

von  seiner  Gemahlin  ermordet,  aber  diese  erneuerte  den  Krieg  gegen  Preußen  nicht,  wenn
sie  auch  von  dem  Bündnisse  zurücktrat.  —  Friedrich  schlug  Daun  bei  Burkersdorf
und  eroberte  Schweidnitz  zurück.  Hrinz  heinrich  siegte  bei  Freiberg  in  Sachsen,  wo
Seydlitz  sich  wiederum  glänzend  hervortat.  Dreußische  Reiter  streiften  nun  weit  in
die  feindlichen  süddeutschen  Staaten  hinein,  so  daß  auch  diese  einmal  die  schweren
Lasten  des  Kriegs  kennen  lernten  und  den  Frieden  herbeisehnten.  Maria  Cberesia
sah  sich  von  ihren  Derbündeten  verlassen;  ihr  Land  war  durch  den  Krieg  furchtbar
verschuldet,  während  Friedrich  „immer  noch  den  letzten  Taler  in  der  Tasche  behielt"“.
50  mußte  sie  sich  zum  Frieden  bequemen,  der  1763  in  hubertusburg,  einem
Jagdschlosse  bei  Leipzig,  endlich  zustande  kam.  Friedrich  behielt  Schlesien  mit
der  Grafschaft  Glatz;  Dreußens  Maffen  gingen  aus  dem  langen  Kampfe
gegen  Europa  unbesiegt  hervor.

9.  KFriedrich  als  Landesvater.  a)  Der  alte  Fritz.  Die  furchtbaren  Zufregungen
  und  Anstrengungen  des  Siebenjährigen  Krieges  hatten  den  König  vorzeitig
alt  gemacht.  In  abgetragenem  blauen  Rocke,  mit  hohen  Stiefeln,  ein  dreieckiges  hütchen
auf  dem  Kopfe  und  mit  dem  Krückstocke  in  der  hand  sahen  ihn  die  Berliner  auf  seinem
Schimmel  durch  die  Straßen  reiten.  Er  hielt  seinen  kleinen,  hageren  Körper  ein  wenig  nach
vorn  geneigt,  und  seine  großen,  blauen  Augen  schienen  jedem  bis  auf  den  Grund  der
Seele  zu  schauen.  So  steht  er  noch  bis  heute  als  „der  alte  Fritz“  dem  preußischen
Dolke  vor  Kugen.  Mit  eiserner  Dflichttreue,  einfach,  sparsam  und  gerecht,  arbeitete  er
für  das  Wohl  seines  Staates,  dessen  „erster  Diener  er  sein  wollte“.  Kls  ihm  die  Gicht
den  Eebrauch  der  rechten  hand  erschwerte,  lernte  er  im  Zlter  noch  mit  der  linken
schreiben.  Alle  Teile  der  Staatsverwaltung  standen  unter  seiner  strengen  Zufsicht.

b)  Der  Großgrundbesitz.  Sriedrich  wünschte,  daß  jeder  Untertan  in  seinem
Stande  bleiben  sollte,  weil  er  so  für  den  Staat  und  sich  selbst  am  nützlichsten  wirken
könnte.  Der  Bauer  sollte  das  Feld  bearbeiten,  der  Bürger  handel  oder  Gewerbe
treiben,  der  Edelmann  als  Großgrundbesitzer  sich  mit  Landwirtschaft  beschäftigen  und
als  Offizier  oder  Derwaltungsbeamter  dem  Staate  dienen.  Die  Söhne  des  Adels  hatten
sich  in  den  Kriegen  als  hervorragende  Offiziere  erwiesen;  manche  Familie  hatte  20  und
mehr  ihrer  Glieder  auf  dem  Schlachtfelde  verloren.  Daher  wurden  den  Edelleuten,  denen
der  Uönig  das  regste  Ehrgefühl  zutraute,  die  Offizierstellen  vorbehalten;  nichtadelige
Offiziere  duldete  Friedrich  höchstens  bei  der  Krtillerie.  Er  verbot  den  Derkauf  von
Rittergütern  an  Bürger  und  sah  es  ungern,  wenn  Edelleute  bürgerliche  Frauen  heirateten.
Um  den  Zdel,  der  durch  den  Krieg  verarmt  war,  auf  den  großen  Gütern  zu  erhalten,
gewährte  er  ihm  Darlehen  gegen  geringe  Derzinsung.

c)  Ackerbau.  Sunächst  galt  es  für  Friedrich,  seinem  Lande,  das  in  dem  langen
Kriege  gewaltige  Opfer  an  Gut  und  Blut  gebracht  hatte,  wieder  aufzuhelfen.  Er  schenkte
bedürftigen  Bauern  die  Abgaben  und  ließ  viele  Militärpferde,  die  nach  dem  Kriege  überflüssig
  geworden  waren,  sowie  Saatkorn  umsonst  verteilen.  Um  rbeitskräfte  für  den  Ecker—
bau  zu  beschaffen,  entließ  er  viele  Landeskinder  aus  dem  heere  und  stellte  dafür  Fremde
ein.  —  Zus  holland  wurde  gutes  Rindvieh  bezogen.  Besondere  UMühe  gab  sich  der  Mönig,
in  den  sandigen  Gegenden  der  Mark  und  hinterpommerns  den  Lartoffelbau  einzubürgern.
  Uur  dem  Swange  gehorchend,  pflanzten  die  Bauern  das  neue  Gewächs,  dessen
Wert  sie  in  einem  schlechten  Getreidejahre  endlich  schätzen  lernten.  Sumpfige  Landstriche
wurden  entwässert  und  dadurch  in  fruchtbares  Kckerland  verwandelt.  Im  Oderbruche
entstanden  40  neue  Dörfer  mit  1200  Familien.  Im  ganzen  hat  Friedrich  mehr  als