Full text : Handbuch der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche.

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kann  das  Leben  in  kurzer  Zeit  zu  Grunde  gehen,  theils
durch  den  Bluwerlust,  theils  durch  den  heftigen  Eindruck  der
Schmerzen,  welche  die  Zerrung  und  Einklemmung  der  durch  den
Muttermund  hervorgetretenen  Theile  erzeugt.

Schon  bei  den  ersten  drohenden  Erscheinungen  muß  die  Hebamme
  sofort  ihre  Hand  auf  den  Leib  der  Entbundenen
legen.  Ist  eine  Umstülpung  der  Gebärmutter  die  Ursache,  so  findet
sie  den  Grund  derselben  eingedrückt,  oder  kann  bei  den  höheren
Graden  überall  nichts  von  ihr  entdecken.  Bei  der  inneren  Untersuchung
  fühlt  sie  dann  eine  große,  kugelförmige,  feste  und  bei  Berührung
  empfindliche  Geschwulst  im  Muttermunde,  oder  in  der  Mutterscheide,
  oder  sie  sieht  schon  vor  den  äußeren  Geburtstheilen  einen
dunkelblaurothen,  blutenden  Körper,  an  dem  in  der  Regel  noch  der
nur  theilweise  gelöste  Mutterkuchen  haftet.  Die  Blutung  ist  bei  vollständiger
  Umstülpung  bisweilen  geringer,  als  bei  den  niedrigen  Graden
  des  Uebels.

g.  351.

Bei  der  großen  Gefahr,  in  welcher  sich  die  Entbundene  befindet,
muß  die  Hebamme  aufs  Schleunigste  den  nächsten  Arzt  herbeirufen.
  Inzwischen  gebe  sie  der  Frau,  um  den  Druck  der  Eingeweide
  gegen  das  Becken  hin  zu  vermindern,  eine  Rückenlage  mit
erhöhtem  Kreuze  und  gesenktem  Oberkörper  und  untersage
  ihr  alles  Drängen  und  Pressen.  Liegt  die  umgestülpte
Gebärmutier  schon  vor  den  äußeren  Geburtstheilen,  so  umfasse  sie
dieselbe  mi  beiden,  wohl  eingeölten  Händen  und  suche  sie,  wie  bei
einem  einfachen  Vorfalle,  vorsichtig  in  die  Scheide  zurückzuschieben
  (s.  o.  8.  156.).  Liegt  sie  noch  in  der  Mutterscheide,  oder  ist
sie  in  diese  zurückgebracht,  so  bemühe  sie  sich,  sie  durch  einen  gelinden
  Gegendruck  mit  den  Fingern  hier  zurückzuhalten.
Indem  sie  ihre  Finger  dabei  auf  den  gelösten  Theil  des  noch  anhaftenden
  Mutterkuchens  setzt  und  diesen  gegen  die  Gebärmutter  andrückt,
  vermeidet  sie  nicht  nur  eine  unmittelbare  Reizung  derselben,
sondern  mäßigt  zugleich  die  Blutung.  Reicht  dieser  Druck  dazu
nicht  aus,  so  nimmt  sie  in  kaltes  Wasser  getauchte  Tücher  und  drückt
diese  gegen  die  Gebärmutter  an.