Metadaten : Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte.

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Erziehung  ihrer  Kinder  und  mit  Uebungen  der  Froͤmmigkeit  und  des
Wohlthuns.  Nach  dem  Tode  ihres  Gemahls  aber  zog  sie  sich  auf
das  einsame  Schloß  zu  Tharand  zuruͤck,  wo  sie  in  stiller  Ruhe  und
ungeheuchelter  Gottesfurcht  noch  zehn  Jahre  lang  friedlich  lebte  und
wirkte.  Sie  ist  uns  nicht  allein  als  Muster  der  Mutterliebe  und
vieler  anderer  Tugenden  sehr  verehrungswuͤrdig,  sondern  vorzuͤglich
darum,  weil  sie  die  Stammmutter  unsrer  jetzigen  geliebten  Koͤnigs—
familie  ist.  Denn  ihr  Enkel  war  Moritz,  welcher  vom  Kaiser  Karl
das  Kurfuͤrstenthum  Sachsen  geschenkt  bekam,  und  seit  dieser  Zeit
gehoͤren  alle  Regenten  des  Kurfuͤrstenthums  und  des  Koͤnigreichs
Sachsen  der  Albertinischen  Linie  an.  So  oft  wir  den  heutigen  Tag
noch  erleben,  oder  so  oft  wir  die  einsamen,  letzten  Ueberreste  des  Schlosses
  zu  Tharand  zu  betrachten  Gelegenheit  haben,  wollen  wir  der  ehr—
wuͤrdigen  Sidonia  dankbar  gedenken.

2.  Februar.
Friedrich  August  II.  tritt  die  Kegierung  an.

Heute  vor  hundert  und  sieben  Jahren  erfuhr  der  Kurprinz  Fried—
rich  August  den  Tod  seines  koͤniglichen  Vaters,  August's  des  Starken,
und  trat  nun  unter  dem  Namen  August  der  Zweite  die  Regierung
an.  Wir  wollen  daher  heute  sein  Jugendleben  bis  zum  Regierungsantritte
  kurz  betrachten,  da  sich  für  Erinnerungen  aus  seinem  Regentenleben
  noch  ofter  ein  schicklicher  Platz  finden  wird.  August  II.,
geboren  den  7.  October  1696,  genoß  in  seinen  Kinderjahren  selten
des  Umgangs  seiner  Mutter  und  seines  Vaters.  Der  Vater  war  häufig
  abwesend,  die  Mutter  hatte  sich  nach  Pretsch  und  Torgau  in  die
Einsamkeit  zurückgezogen.  Da  ward  nun  der  Kronprinz  bald  in
Torgau  bei  seiner  Mutter,  bald  in  Leuchtenburg  bei  seiner  Großmutter,
  bald  in  Dresden  von  Lehrern  und  Esziehern  beaufsichtigte.
Nachdem  er  im  dreizehnten  Jahre  das  heilige  Abendmahl  nach  protestantischer
  Weise  genossen  hatte,  brachte  er  seine  folgenden  Jahre
fast  immer  auf  Reisen  zu.  Nach  Polen  nahm  ihn  sein  Vater  mitz;
nach  Frankfurt  zur  Kaiserkrsnung  reiste  er  mit  großem  Gepränge;
in  Italien,  Frankreich  und  abermals  in  Italien  verweilte  er  acht
Jahre  lang.  Allenthalben  ward  er  mit  großem  Prunk  empfangen
und  mit  unaufhörlichen  Festen  unterhalten,  so  daß  sein  Reiseleben  zugleich
  ein  stetes  Freudenleben  war.  Der  König  von  Frankreich  schenkte
ihm  einen  Degen  von  hundert  und  funfzigtausend  Francs  an  Werth,
und  der  Großherzog  von  Toscana  einen  Tisch  für  zwanzigtausend
Thaler.  August  schickte  einst  sechs  schwerbeladene  Maulthiere  nach