Das Ergebnis der Balkankriege
Die österreichisch-ungarische Diplomatie, die Serbien
nicht zu groß werden lassen und sich in dem allerdings
stark geschwächten Bulgarien ein Gegengewicht gegen
Serbien sichern wollte, verlangte zugunsten Bulgariens
eine Revision des Bukarester Friedens. Sie setzte sich
dabei über die Tatsache hinaus, daß Bulgarien ein Jahr
zuvor — trotz der Unterstützung, die es an Österreich-Ungarn
bei seiner Unabhängigkeitserklärung erfahren
hatte — jenen Vertrag mit Serbien abgeschlossen hatte, der
letzterem auch gegenüber Österreich-Ungarn Waffenhilfe
zusagte. Sie stellte ferner nicht genügend in Rechnung, daß
angesichts der hervorragenden Beteiligung Rumäniens an
dem Bukarester Frieden ein solcher Einspruch Rumänien
vor den Kopf stoßen und die ohnedies starken ententefreundlichen
Bestrebungen in Rumänien noch fördern und
begünstigen mußte. Die deutsche Politik trat in sichtbarem
Gegensatz zur österreichisch-ungarischen für die Aufrechterhaltung
des Bukarester Friedens ein, in der Absicht,
die beiden nichtslawischen Balkanstaaten, Rumänien und
Griechenland, für die Mittelmächte günstig zu stimmen.
Österreich-Ungarn zog angesichts der Haltung Deutschlands
verstimmt und grollend sein Verlangen nach
Revision des Bukarester Friedens zurück.
Die großserbische Gefahr blieb für Österreich-Ungarn
nach dem zweiten Balkankrieg nicht nurin vollem Umfang
bestehen, sie war vielmehr größer geworden als je zuvor.
Das auf nahezu das Doppelte seines bisherigen Umfangs
III