314 Vierunddreißigstes Kapitel 21. März 1891
über die Kulturpflanzen und Haustiere.“ Was für ein Lands—
mann er sei? — Balte, Livländer, seine Familie aber stamme aus
Franken, aus der Gegend von Königsberg, und der Name hänge mit
Henne zusammen. Ich empfahl ihm seine „Gedanken über Goethe.“
Sonnabend, den 21. März, mittags 121, Uhr ließ der Chef
durch Bucher, dem er diesen Vormittag abermals über staatsrecht—
liche Gegenstände diktiert hatte, nachfragen, ob ich mit ihm spazieren
gehn wolle. Ich bejahte es, obwohl es wie am vorhergegangnen
Morgen sehr schneite, und holte ihn unten in seinem Zimmer ab.
Wir gingen zuerst in den Stall, wo sich zwölf Pferde, auch das
Füllen seines Reitpferdes, befanden, dann über das Brückchen der
Aue auf deren rechtes Ufer nach der Stelle, wo der Ossenbeck
mündet, und hier machte er mich auf eine von diesem kleinen Gerinne
durchflossene Anpflanzuug von rasch wachsenden Hemlocktannen
aufmerksam, bemerkte auch, daß er auf der dortigen Wiese Pferde—
zucht zu betreiben beabsichtigt habe, es nun aber wahrscheinlich
unterlassen werde. Wir kehrten auf der andern Seite des Wassers
zurück und gingen an dessen Rande bis in die Nähe einer andern
Pflanzung amerikanischen Nadelholzes, die höher aufgeschossen und
sehr dicht, ein großes Ackerstück zwischen dem Park am Hause,
dem Wege an der Post und der Eisenbahn und dem von dort
nach dem Pächterhause und der Wohnung des Oberförsters führenden
viereckig umkränzt, und deren üppiges Wachstum ihm viel Freude
zu machen schien. „Das sind Dalhousien, der Baum der Zukunft
— sagte er —; sehen Sie einmal, wie hoch die obersten Schossen schon
hinauf gefahren sind.“ Ich ergriff die Gelegenheit, mich zu er—
kundigen, wie es mit seinen Denkwürdigkeiten stehe, indem ich be—
merkte, ich wisse, er habe angefangen, davon Erinnerungen und
Betrachtungen zu diktieren. „Das wohl — versetzte er —, aber es
wird wahrscheinlich zuletzt nichts daraus werden. Ich habe keine
Akten, und wenn ich mich auch an die Hauptsachen erinnere — sehr
deutlich —, so kann man doch die Einzelheiten seiner Erlebnisse
und Erfahrungen im Laufe von dreißig Jahren nicht im Gedächt—
nisse behalten. Dann die Veröffentlichung bei Lebzeiten — ich
habe von 1847 an immer das monarchische Prinzip vertreten und
hochgehalten wie eine Fahne, und ich habe nun drei Könige
nackt gesehen, und da nehmen sich die hohen Herren oft nicht