Sendung Govones ins preußische Hauptquartier. 681
ohne alle aufklärende Instruktion zu lassen, so werde ich hier den Umschlag
kaum abwenden können.“ Dem Prinzen Napoleon wurde geantwortek, man
könne keine Zusicherungen geben, bevor man sich nicht mit Preußen über
gemeinsame Waffenstillskands“ und Friedensbedingungen verständigt habe,
und verweigere die Annahme der fünftägigen Waffenruhe für Italien.
Schon am 19. Juli wurde außerdem der General Govones in das preußische
Hauptquartier geschickt, mit dem Auftrag, die bisherige Kriegführung Italiens
zu entschuldigen, für den Fall der Fortsetzung des Krieges einen gemeinsamen
Kriegsplan zu verabreden und für die Jukunft ein dauerndes
Bundesverhältnis zwischen Preußen und Italien anzubahnen. Er hatte
keinen Auftrag zur Verabredung gemeinsamer Friedensbedingungen, sollte
aber nochmals darauf dringen, daß Italien die sprachlich zu ihm gehörigen
Gebiete, nicht nur das Trentino, sondern womöglich auch Istrien
erhalten müsse, und betonen, daß dies Jiel durch Fortführung des Krieges
leicht zu erreichen sein werde.
In den nächsten Tagen wiederholte Usedom seine Vorwürfe, daß Preußen
überhaupt ohne vorherige Verskändigung mit Italien in die Verhandlungen
mit Frankreich eingetreten sei, und daß man die preußischen Bedingungen
nicht früher an Italien mitgeteilt habe.3 Bismarck aber betonte von
neuem“, daß noch kein Stillstand geschlossen, sondern nur eine Waffenruhe
zur Erholung der Armee und zu Verhandlungen über einen Stillstand bewilligt
sei, daß man mit Österreich überhaupt nicht, sondern nur mit dem
Vermittler Frankreich verhandelt und nur dessen Vorschläge mit dem ausdrücklichen
Vorbehalt angenommen habe, daß auch Italien seine Zustimmung
geben müsse.
Inzwischen war auch der Wortlaut der von Ssterreich und Preußen angenommenen
Vorschläge Frankreichs in Italien bekannt geworden, und es
zeigte sich nun sofort, woran man Anstoß nahm. Ricasoli sagte zu Usedom,
der 7. Punkt wegen Integrität der öfterreichischen Monarchie verletze sehr;
1 Tel. v. 21. Juli.
: Er reiste über Berlin; von dort ging er am 23. Juli abends ins Hauptquartier ab, traf
hier aber erst nach der Beendigung der entscheidenden Verhandlungen ein. S. Govone 240 .
Tel. v. 22. Juli. Die letzten Sätze gedr. Bernhardi 202.
*el. von Nikolsburg v. 21. Juli: Bismarck sei mit Usedoms heut erhaltenem Telegramm
vom 17. vollständig einverskanden und werde danach verfahren. An demselben Tage telegraphierte
er, die Bedingungen seien nicht von Preußen, sondern von Paris an Preußen
gelangt. Man denke nicht an Separatunterhandlungen und Usedom hätte dies ohne Anfrage
versichern können. Ein drittes und viertes Tel. von demselben Tage, gedr. Bernhardi 207,
vom 22. Juli 2 Uhr so nachmittags (Preußen habe nicht mit Österreich verhandelt, sondern
sich nur Frankreich gegenüber bereit erklärt, fünf Tage lang nicht anzugreifen, da man diese
Jeit brauche, um Antwort aus Florenz zu erhalten).