$ 46. Die Behandlung der Kriegsschäden in Baden. 203
in Baden schon Vorgänge aus neuerer Zeit ‚ vorhanden, die für die
nach 1866 erforderliche Kr als Vorbild dienen
konnten, nämlich die oben S. 131 erwähnten, nach dem Maiaufstand
von 1849 erlassenen Gesetze. Den von diesen eingehaltenen Grundsätzen
entsprechend erging das
"Gesstz,!) die Kriegskostenausgleichung betreffend, vom 30. November 1866.
$ 1. Die nachgenannten, infolge des Einmarsches Königlich Preußischer und
der mit ihnen verbändeten Truppen für einzelne Landesteile des Großherzogtums
erwachsenen Kriegslasten, soweit nicht Staatsanstalten solchb getragen haben oder
von ihnen betroffen worden sind, sollen nach den unten folgenden Bestimmungen
ausgeglichen und auf sämtliche Steuerpflichtige verteilt werden.
$ 2. Zur Ausgleichung sollen gebracht. werden:
a. die von den Quartierträgern geleistete Naturalverpflegung der Königlich
Preußischen und der mit ihnen verbündeten Truppen, sowie der Pferde;
b. die den Amtsbezirken und Gemeinden, sowie einzelnen Personen durch
Anordnungen Großherzoglich Badischer Zivilbebörden sowie der Kommandierenden
der in & ] genannten, ruppen auferlegten Lieferungen an Lebensmitteln, Fourage
und sonstigen Bedürfnissen ;
c. die infolge gleicher Anordnung geleisteten Land- und Wasserfuhren und
Botengänge‘;
ie Verpflegung von Kriegsgefangenen ;
e. die Kosten für Herstellung und Einrichtung, von Kasernen oder andern
Dienstlokalitäten und Spitälern, sowie die Heil- und Verpflegungskosten für kranke
Militärpersonen und Pferde;
eutender infolge von Kriegsoperationen entstandener Schaden an Bauwerken
und Felderzeugnissen
g. die Kosten des. Ausgleichun geschäfts.
Alle andern Leistungen und Erlittenheiten, insbesondere jene, welche durch
Eigenmächtigkeiten oder offenbar unbefugte Requisitionen einzelner Militärpersonen
veranlaßt wurden, werden nicht vergütet, insofern Wir Uns nicht wegen besonderer
Verhältnisse veranlaßt sehen, dazu die Ermächtigung zu erteilen.
Die Forderungen werden durch Vermittlung der Gemeinden liquidiert.
8 3. Der Ausgleichung dürfen zugrunde gelegt werden:
1: für Lieferungen, welche den Amtsbezirken und Gemeinden auferlegt und
durch Verträge mit Dritten beschafft werden:
die Vertragespreise;
2. für Verpflegung der Truppen und Pferde,
3, für Lieferungen, die nicht „unter Ziffer 1 fallen,
H „u Fahren und Botenlöhne
in der A Ilte ten Preise „und, soweit der Tarif keine Bestimmungen
° hierüber entbält, die üblichen Preise
ö. für Dienstlokalitäten, Spitäler und Krankenpflege:
die nachgewiesenen Auesla en;
6. für Schäden an Gebäuden
die nach den Vorschriften des Feuerversicherungsgesetzes ermittelten ‘ vollen
Schadehabet
für I eschädigungen an sonstigen Bauwerken und Felderzeugnissen:
die durch Abschätzung festgesetzten Schadenssummen.
$ 4 Die Verteilung des Aufwandes erfolgt zunächst auf die Gemeindeverbände
nach dem Verhältnis der Summen aller für das Jahr 1866 in Ansatz gebrachten
Grund-, Gefäll-, Häuser-, Gewerb-, Kapital- und Klassen-Steuerschuldigkeiten der
Steuerpflichtigen ihres Verbandes,
Die Gemeinden haben der Gesamtheit gegenüber für die Beitragspflichtigen
ihres Verbandes einzutreten und die ihnen auferlegten Summen in kürzester Frist
an die Ausgleichungskasse abzutragen
Die Guthaben der Gemeinden und ihrer Angehörigen werden in dem durch das
1) Großherzogl. Badisches RegBl. 1866 $S. 447.