Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfzehnter Band. (15)

231

doch  war  sie  sehr  schnell  durch  Europa  uͤberall  hin  verbreitet.
  Nach  Unzet's  Bemerkung  stirbt  an  ihr  ein  Viertheil
der  Menschen  oder  wird  dadurch  verunstaltet;  nach  Sößmilch
ist  es  wenigstens  ein:  Zwolftheil  der  Menschen,  der  dem
Tode  durch  diese  Krankheit  unterliegt,  wobei  hier  uncht  eine
mal  diejenigen  mit  eingerechnet  sind,  die  nach  dem  Perlaufe
  der  Krankheit  an  den  mittelbaren  Folgen  derselben  sterben;
  es  ist  also  aller  Grund  für  den  Staat  vorhanden,  ihr
mit  allem  Ernste  entgegen  zu  treten.  Unter  den  Mitteln
hiezu  ist  eine  wieder  neu  gusgekommene  Idce  die  vollige
Ausrottung:;  indetz  mug  man  erst  abwarten,  ob  ein
solcher  Plan  ausführhar  sey,  und  es  ist  daher  vorerst  noch
das  Beste  auf  Verbesserung  der  Curarten  und  Präser#ba
tive  zu  sinnen.  Hier  ist  denn  bekanntlich  das  Inokulie
in  China,  auch  seit  mehreren  Jahrhunderten  am  Caucasus
im  Gebrauche  gewesen  seyn  soll,  und  das  zuerst  von  Ladye
Montaigue  aus  Constantinopel,  wo  es  an  ihrer  Tochter
versucht  wurde,  nach  England  gebracht  worden  ist.  Allerdiugs
  läßt  sich  die  Wirksamkeit  desselben  nicht  läugnen,  wenn
auch,  selbst  das  gewöhnlich  angenommene  Verhältniß,  daß,
unter  12  von  den  natürlichen  Blattern  Befallenen  immer  1,
dagegen  bei  den  Inokulirten  von  300  nur  1  stirbt,  übertrieben
  wäre.  Es  könnte  eben  deßhalb  die  Frage  entstehen:
ob  nicht  der  Staat  unter  solchen  Umständen  die  Anwendung
jenes  Hülfsmittels  befehlen  sollte?  Indeß  ist  die  richtige
Antwort  wohl:  durchaus  nicht.  Einmal,  weil  überhaupt
auch  dieses  Mittel  doch  nur  ein  Nothbehelf  ist,  weil  der
Stoff  der  Krankheit  immerhin  dadurch  forkgepflanzt  wird,
während  vielleicht  doch  gänzliche  Ausrottung  noch  möglich
seyn  konnte;  und  dann,  weil  der  Mensch,  dem  man  die