Schwäche des Alten anerkennen, die sein Zeugnis
nicht ohne weiteres anzunehmen erlaubt. Vgl. Busch,
Tagebuchblätter III, 330. Ferner II, 418—426 verglichen
mit Chr. v. Tiedemann, „Sechs Jahre Chef
der Reichskanzlei“, S. 148. Weiter die Erzählung von
Tiedemann und Lasker in der „Frankfurter Zeitung“
v. 1. Aug. I. J. Erstes Morgenbl. 2. Seite, 2. Spalte.
Eine ähnliche Erzählung bei Ludwig von Gerlach, Aufzeichnungen
II, 233, 276, 289. Preuß. Jahrb. Bd. 96
(1899), S. 461ff.
Weshalb hat Bismarck, wenn er denn wünschte,
daß das Sozialistengesetz angenommen werde, diesen
Wunsch dem Abgeordneten v. Helldorff, der noch
zwischen der zweiten und dritten Lesung, am Abend
vor der entscheidenden Abstimmung, eingehend mit
ihm darüber gesprochen hat, nicht zu erkennen gegeben?
Früher wurde von einem Mißverständnis
gesprochen. Thimmes Verdienst ist, daß er die Möglichkeit
eines derartigen Mißverständnisses zwischen
zwei Männern, die sich so genau kannten, energisch
beiseite geschoben hat. Er nimmt die Insinuation
Bismarcks auf, daß Helldorff mit vollem Bewußtsein,
im Einverständnis mit der Hofclique, die Bismarck
stürzen wollte, ihn wie die Fraktion verraten und diese
absichtlich irregeführt habe. Es leben ja noch genug
Personen, die Herrn v. Helldorff gekannt haben; ich
glaube nicht, daß sich darunter jemand finden wird,
der Thimme die Mär von dieser dunklen Verschwörung
5 Delbrück, Bismarcks Erbe 129