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Nervensystem aus einer großen Anzahl Nervenzellen mit ihren Fasern
besteht und wenn hiervon nur ein Teil fehlt, so können die anderen
dafür eintreten, so daß eine merkliche Störung der Funktion sich nicht
zeigt. Z. B. sieht der Einäugige trotz der Verringerung seines Sehvermögens
noch die ganze Außenwelt. Immerhin kommt es bei der
partiellen Zerstörung auf die Lokalität an. Es gibt Teile des Großhirnes,
wo ein kleiner Herd große Zerstörungen verursachen kann, wenn
er gerade ein umschriebenes aber wichtiges Nervensystem, sei es am
Zellenleib, sei es im Faserverlauf, ganz zerstört. Die konstante schwere
Geistesstörung, die immer alle diffusen Schrumpfungsprozesse des
ganzen Großhirnes begleitet (progressive Paralyse, senile Schrumpfung),
nelbgt wenn dieselben noch nicht hochgradig sind, ist der beste Beweis
afür.
Sicher zeigen die Forelschen Betrachtungen der anatomischen und
physiologischen Verhältnisse des Nervensystems und insbesondere des
Gehirns, daß es weder für letzteres ein primäres Seelenvermögen gibt,
noch daß in den verschiedenen Sinnesnerven etwas spezifisch Psychologisches
zur Rußerung kommt. Das Nervensystem mit Gehirn ist
nichts weiter als das materielle Substrat der Empfindung. Da überhaupt
die verschiedenen Sinnesnerven die gleiche anatomische und
physiologische Beschaffenheit und Wirkung haben, so kann ihre Unterschiedlichkeit
nur in der Wellenlänge und Geschwindigkeit ihrer Molekularbewegung
liegen.
Betrachten wir ferner die Empfindung auf ihren Inhalt, so
finden wir, daß wir uns und die Außenwelt empfinden, und zwar
empfinden wir uns an der Außenwelt und die Außenwelt an uns.
D. h. wir empfinden, wie bereits an anderer Stelle hervorgehoben, die
Außenwelt an der Veränderung unseres eigenen Zustandes; wir
empfinden also das Objektive nur an der Veränderung des Subjekts.
Wir empfinden gewissermaßen einen von außen kommenden Reiz und
zwar an der Unterschiedlichkeit seiner Wellenlänge und Geschwindigkeit.
Beispielsweise empfinden wir als Ton eine Bewegung, die in der
Sekunde 400—20 000 Schwingungen macht und 330 m Geschwindigkeit
hat. Als farbigen Strahl empfinden wir hingegen eine solche,
die in der Sekunde 300—1000 Billionen Schwingungen bei einer Geschwindigkeit
von 300 000 km macht. Dadurch, daß die farbigen Strahlen
sich zum Lichtstrahl zusammensetzen und daß sie von den materiellen
Gegenständen unterschiedlich absorbiert, reflektiert und gebrochen werden,
entsteht die Verschiedenheit des Reizes auf unseren Körper, und
damit die Verschiedenheit der Veränderung unseres Zustandes und
unserer Empfindung, und damit schließlich auch die Mannigfaltigkeit der
Objekte, d. h. der Dinge außer uns.
Oinze, Soiialbemokratit, Christentum, Aateriallamul und der Kriez. 13