Metadata : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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Nervensystem  aus  einer  großen  Anzahl  Nervenzellen  mit  ihren  Fasern
besteht  und  wenn  hiervon  nur  ein  Teil  fehlt,  so  können  die  anderen
dafür  eintreten,  so  daß  eine  merkliche  Störung  der  Funktion  sich  nicht
zeigt.  Z.  B.  sieht  der  Einäugige  trotz  der  Verringerung  seines  Sehvermögens
  noch  die  ganze  Außenwelt.  Immerhin  kommt  es  bei  der
partiellen  Zerstörung  auf  die  Lokalität  an.  Es  gibt  Teile  des  Großhirnes,
  wo  ein  kleiner  Herd  große  Zerstörungen  verursachen  kann,  wenn
er  gerade  ein  umschriebenes  aber  wichtiges  Nervensystem,  sei  es  am
Zellenleib,  sei  es  im  Faserverlauf,  ganz  zerstört.  Die  konstante  schwere
Geistesstörung,  die  immer  alle  diffusen  Schrumpfungsprozesse  des
ganzen  Großhirnes  begleitet  (progressive  Paralyse,  senile  Schrumpfung),
nelbgt  wenn  dieselben  noch  nicht  hochgradig  sind,  ist  der  beste  Beweis
afür.

Sicher  zeigen  die  Forelschen  Betrachtungen  der  anatomischen  und
physiologischen  Verhältnisse  des  Nervensystems  und  insbesondere  des
Gehirns,  daß  es  weder  für  letzteres  ein  primäres  Seelenvermögen  gibt,
noch  daß  in  den  verschiedenen  Sinnesnerven  etwas  spezifisch  Psychologisches
  zur  Rußerung  kommt.  Das  Nervensystem  mit  Gehirn  ist
nichts  weiter  als  das  materielle  Substrat  der  Empfindung.  Da  überhaupt
  die  verschiedenen  Sinnesnerven  die  gleiche  anatomische  und
physiologische  Beschaffenheit  und  Wirkung  haben,  so  kann  ihre  Unterschiedlichkeit
  nur  in  der  Wellenlänge  und  Geschwindigkeit  ihrer  Molekularbewegung
  liegen.

Betrachten  wir  ferner  die  Empfindung  auf  ihren  Inhalt,  so
finden  wir,  daß  wir  uns  und  die  Außenwelt  empfinden,  und  zwar
empfinden  wir  uns  an  der  Außenwelt  und  die  Außenwelt  an  uns.
D.  h.  wir  empfinden,  wie  bereits  an  anderer  Stelle  hervorgehoben,  die
Außenwelt  an  der  Veränderung  unseres  eigenen  Zustandes;  wir
empfinden  also  das  Objektive  nur  an  der  Veränderung  des  Subjekts.
Wir  empfinden  gewissermaßen  einen  von  außen  kommenden  Reiz  und
zwar  an  der  Unterschiedlichkeit  seiner  Wellenlänge  und  Geschwindigkeit.
Beispielsweise  empfinden  wir  als  Ton  eine  Bewegung,  die  in  der
Sekunde  400—20  000  Schwingungen  macht  und  330  m  Geschwindigkeit
  hat.  Als  farbigen  Strahl  empfinden  wir  hingegen  eine  solche,
die  in  der  Sekunde  300—1000  Billionen  Schwingungen  bei  einer  Geschwindigkeit
  von  300  000  km  macht.  Dadurch,  daß  die  farbigen  Strahlen
  sich  zum  Lichtstrahl  zusammensetzen  und  daß  sie  von  den  materiellen
Gegenständen  unterschiedlich  absorbiert,  reflektiert  und  gebrochen  werden,
  entsteht  die  Verschiedenheit  des  Reizes  auf  unseren  Körper,  und
damit  die  Verschiedenheit  der  Veränderung  unseres  Zustandes  und
unserer  Empfindung,  und  damit  schließlich  auch  die  Mannigfaltigkeit  der
Objekte,  d.  h.  der  Dinge  außer  uns.

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