Contents : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

Vereinigung  der  alten  Soeietät  mit  der  Soeiete  Litteraire  (1743/44.  285

jährigen  Durchschnitt  zu  geben'.  Noch  am  135.  Januar  richtete
von  SChNETTAU  eine  Eingabe  an  den  König  in  Bezug  auf  die
Finanzverhältnisse,  die  sich  selır  scharf  gegen  die  alte  Societät
richtete,  Jarısı:s  als  Proteetor  Könter  ss  bezeichnete  und  anrieth,
den  Secretar  ganz  von  der  Administration  des  Oekonomischen  auszuschliessen;
  auclhı  der  Minister  vox  VIEREcK  sei  zu  beschäftigt,  um
sich  gründlich  um  die  Fonds  zu  kümmern.  Weiter  hielt  sich
SCHNETTAU  darüber  auf,  dass  in  der  philologischen  Klasse  zwei
Directoren  eingesetzt  werden  sollten;  Esser  solle  wieder  gewölhnliches
  Mitglied  werden;  so  könne  man  die  100  Thlr.  sparen.

Unterdessen  rückte  der  Geburtstag  des  Königs,  der  24.  Januar,
heran.  Am  Vortage,  einem  Donnerstag.  sollte  die  feierliche  Eröffnungssitzung
  der  neuen  Akademie  gehalten  werden:  ihre  Statuten
wollte  der  König  an  seinem  Festtage  bestätigen  und  ausgehen
lassen.  Mit  der  peinlichsten  Sorgfalt  wurde  Alles  für  die  Sitzung
vorbereitet;  sie  fand  im  Schloss  statt.  Die  Königlichen  Prinzen,
die  Ehrenmitglieder  und  andere  Standespersonen  waren  anwesend:
aber  der  König  selbst  erschien  nicht.  Die  Akademie  war  doch
nicht  so  geworden,  wie  er  es  gewünscht  hatte  —  NMavurerrtuis
fehlte,  und  manches  Compromiss  war  geschlossen,  das  er  nicht
missbilligen,  dessen  er  sich  aber  auch  nicht  freuen  konnte”.
In  der  Sitzung  sprach  zuerst  von  ScnMETTAU  und  setzte  die  Absichten
  des  Königs  bei  der  Gründung  dieser  neuen  Akademic  auseinander.
  Dann  las  von  JarıcEes  die  Statuten  vor;  zum  Schluss
wurden  elektrische  Experimente  gezeigt.  Zu  Curatoren  wurden
durch  die  Commission,  der  der  König  die  Wahl  überlassen  hatte,
die  HH.  Grafen  vox  ScumETTAU,  VON  GOTTER’,  VON  VIERECK  und
von  BORcKE  ernannt”.

IS.  Urkundenband  Nr.  157.

?  Die  Kritik.  die  Mavperttis  in  den:  Eloge  auf  vox  Scuäerrau  an  den
Statuten  von  1744  übt.  ist  im  Sinne  des  Königs.

®  vox  GorTtER  (FF  28.  Mai  1762)  war  in  der  Llotgesellschaft  der  liebenswürdigste
  und  frivolste  unter  den  Deutschen,  »Juppiter  tonans  und  der  Fürst  der
Epikureer«,  ein  kluger,  beweglicher  Thüringer,  der  ganz  in  das  französische  Wesen
eingetaucht  war  und  sieh  dabei  August  den  Starken  zum  Muster  genommen  hatte,
ihn  aber  an  Geist  und  Witz  übertraf.  Seine  litterarischen  Kenntnisse  waren
nicht  gering;  als  Gesellschafter  hatte  er  nicht  seines  Gleichen:  s.  Allg.  Deutsche  Biographie
  Bd.  9,  S.  451  ff.  Koser.  a.a.0.1S.  490.

*  Gorrer  erbat  schon  im  Sommer  1744  seinen  Abschied  und  zog  sich
nach  einem  Jahr  aus  Gesundheitsrücksichten  auf  sein  Gut  in  Thüringen  zurück.
»Ich  beklage  einen  liebenswürdigen  Mann«,  schrieb  Frieprıcn  amı  16.  Februar  1745
mit  eigener  Hand,  »dessen  Verlust  ein  Bankerott  für  Berlin  ist.«  (Cluvres  T.  17