Full text : Kriegsziele und Moral.

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kommensten  Friedens  fallen,  den  die  Welt  je  gesehen
hat.  Aus  Tatsachen  und  Aussprüchen  des  Alten  Testamentes
  aber  Anwendungen  abzuleiten,  würde  schon  aus
dem  Grunde  völlig  verfehlt  sein,  weil  es  sich  dort  um
ein  Volk  mit  heilsgeschichtlichen  Zwecken  handelt,  das
darum  auch  unter  theokratischer  Führung  stand.  Der
einzige  Boden,  auf  den  man  den  Fuß  mit  Sicherheit
setzen  kann,  ist  der  des  natürlichen  Rechtes  und  der
natürlichen  Sittlichkeit,  so  wie  sie  durch  die  Vernunft
erkannt  werden.  Auf  diese  beruft  sich  auch  Benedikt  XV.
und  nimmt  für  sich  die  Befugnis  in  Anspruch,  deren
Verkündiger  zu  sein.  „Dem  Papste“,  erklärte  er  in
der  öffentlichen  Ansprache  an  das  Konsistorium  vom
22.  Januar  1915,  „weil  er  von  Gott  zum  höchsten  Ausleger
  und  Hüter  des  ewigen  Gesetzes  bestellt  ist,  steht
es  im  höchsten  Maße  zu,  daß  er  verkündige,  keiner
dürfe  aus  irgendeinem  Grunde  die  Gerechtigkeit  verletzen.“
  Er  spricht  vom  ewigen,  in  der  Vernunft  Gottes
ruhenden  Gesetze,  weil  dieses  der  Urgrund  des  natürlichen
  Gesetzes  ist,  das  nur  eine  Ausstrahlung  und  Ankündigung
  jenes  darstellt.

Die  Existenz  einer  natürlichen,  aus  dem  rationalen
Denken  zu  schöpfenden  Ethik  erfreut  sich  der  weitesten
Anerkennung.  Ja  gerade  diejenigen,  die  ein  geoffenbartes
Sittengesetz  ablehnen,  legen  auf  sie  den  höchsten  Wert.
Kant  wird  als  der  moralische  Lehrer  Deutschlands  gefeiert,
  dessen  Einfluß  auf  die  Seele  unseres  Volkes  nach
der  Meinung  seiner  Verehrer  größer  sei  als  der  des
Christentums.  Der  auf  ihm  fußende  landlaufige  Moralismus
  bewegt  sich  indes  mehr  auf  dem  Gebiete  der  individuellen
  Sittlichkeit.  Für  die  Beziehungen  von  Staat