Full text : Archiv für Stamm- und Wappenkunde. 8. Jahrgang. (8)

von  kleinen  Gemeinden  errichteten  Kriegerdenkmälern
  die  gebliebenen  Landsleute  namhaft
  gemacht  werden.  Von  privater  Seite
sind  auch  mehrere  Sonderverzeichnisse  im
Buchhandel  herausgegeben,  diese  haben  aber
wohl  nicht  immer  die  doch  unbedingt
notwendige  Mitwirkung  der  Militärbehörden
gehabt  und  können  somit  nicht  als  zuverlässig
gelten.  Ein  wertvolles  Buch  sind  die  ziemlich
ausführlichen  „304  Biographieen  der  gefallenen
  Offiziere  der  Bayerischen  Armee
70/71“,  das  auf  Befehl  des  Königs  Ludwig  Il.
herausgegeben  wurde.  Ebenso  kann  das
Verzeichnis  aller  vor  Metz  Gefallenen
und  Verwundeten,  das  auf  Bitte  der  so
rührigen  Vereinigung  für  Erhaltung  der
Kriegergräber  in  Metz  durchdie  Militärbehörde
aufgestellt  worden  ist,  als  vollständig
angesehen  werden.  Dieses  enthält  auf
einigen  200  Ehrentafeln,  die  in  der  Gedenkhalle
  in  Gravelotte  angebracht  sind,  die
Namen  von  684  gefallenen  Offizieren  und
11940  Mannschaften  und  an  Verwundelden
1345  Offiziere  und  30198  Mannschaften,
also  insgesamt  44167  Namen  —  eine  Verlustliste,
  wie  sie  umfangreicher  nirgends  vorgefunden
  werden  dürfte.  Auch  für  die
Erhaltung  der  Kriegergräber  sorgt  man  heute
in  weitgehendster  Weiseund  sucht  die  Namen
der  Beerdigten,  so  weit  es  noch  möglich
ist  festzuhalten.  So  sehen  wir  heute  überall
  eine  erfreuliche  Würdigung  auch  der
einfachsten  Soldaten.  ’T  is  beter  worden
in  de  Welt,  sagt  Fritz  Reuter,  un  wenn
de  Preisters  ok  dusendmal  seggen,  dat  de
Welt  slichter  ward,  in  de  Welt  ward  ’t
äwer  beter.

Eine  Sammlung  von  Leichenpredigten,  die  1565
zu  Sangerhausen  nehalten  wurden.

Mitgeteilt  von  Gustav  H.  Lucas,  Wiesbaden.

Der  Pfarrer  Magister  Heinricus  Roth  zu
Sangerhausen  stellte  im  Jahre  1566  eine  Sammlung
  von  Leichenpredigten  zusammen,  die  er
1565  gehalten  hatte,  und  liess  sie  auch  wohl
im  gleichen  Jahre  drucken.  (In  dem  dem
Schreiber  dieses  vorliegenden  Bande  fehlt  das

Titelblatt,  die  Vorrede  des  Buches  ist  vom
26.  Oktober  1566  datiert,  während  sich  auf  der
letzten  Seite  die  Angabe  findet  „Gedruckt  zu
Eißleben,  bey  Urban  Gaubisch  wohnhafftig
auff  dem  Graben,  Im  Jar  1586“.  Danach  ist
wohl  anzunehmen,  dass  die  1566  gedruckte
Sammlung  1586  vomneuenabgedruckt  wurde.)
Gewidmet  ist  das  Buch  „Den  Erbarn  und  Vorsichtigen
  Herren  Bürgermeistern  und  Rath  der
Churfürstlichen  Stadt  Sangerhausen“  und
weiterhin  den  Nachbenannten:  „dem  Achtbarı
  und  Hochgelarten  Herrn  Antonio
Balderßleben,  Hochlöblicher  Kaiserlicher
Majestät  Secretario  Latino.  Dem  Achtbarn
Hochgelarten  Martino  Roth,  Bambergischem
Fürstlichem  Hoffrathı.  Dem  Achtbarn  und
Namhafftigen  Nicolao  Prellen,  Amptsuerwalter
  zu  Thamme  Dem  Erbarm  Wolgelarten
  Andree  Balderßleben,  der  Hochlöblichen
  Uniuersitet  zu  Thübingen  Gliedmass.
  Dem  Erbarn  Wohlgelarten  Johanni
Roth,  Bambergischen  Sindico.e  Und  dem
Erbarn  Wolgeachten  Christiano  Schultheiß,
Amptschreiber  zu  Querffurth“.

Damals  herrschte  in  Sangerhausen  eine
Seuche.  Den  Predigten  ist  angefügt  „Ein
Verzeignis  des  Sangerheusischen  Sterbens
Anno  1565.  Es  hebet  sich  aber  diß  Sterben
an  den  29.  Junij,  eben  auff  den  Tag  Petri
Pauli,  denn  zuuor  ist  die  Pest  etwa  in  zwey
oder  drey  Heusern  blieben,  und  von  Ostern
an  biß  auff  die  zeit  etwa  dreissig  Personen
daran  verschieden“,

Nach  dem  Verzeichnis  starben  an  der
Seuche  in  der  ersten  Woche  6  Personen  in
der  zweiten  9,  in  der  dritten  18,  in  der  vierten
35.  So  steigt  die  Zahl  der  Todesfälle  bis
auf  129  in  der  neunten  Woche  vom  19  bis
25.  August,  128  in  der  zehnten,  123  in  der
elften,  um  dann  langsamer  wieder  abzunehmen
  bis  auf  7  Personen  in  der  vierundzwanzigsten
  Woche,  2  in  der  fünfundzwanzigsten
  und  1  in  der  sechsundzwanzigsten.
Die  Summa  aller  Verstorbenen  ist  auf  1174
Personen  angegeben,  wozu  noch  die  erst
gestorbenen  30  hinzukommen,  insgesamt  über
1200,  also  für  die  damalige  Einwohnerzahl
von  Sangerhausen  sicherlich  eine  sehr  hohe
Ziffer.