Volltext : Lehrbuch des deutschen Verwaltungsrechts. Zweiter Teil. (2)

Konsulate.  $  110.  507

Das  neue  Konsulatsgebührengesetz  hat  den  Wünschen  der  Interessenten
  namentlich  durch  Herabsetzung  der  Gebühren  für  Schiffssachen
  Rechnung  getragen  und  anderseits  zum  Ausgleich  dafür  Gebühren
  für  solche  Amtshandlungen,  die  vorzugsweise  von  Ausländern
oder  bemittelten  Personen  in  Anspruch  genommen  werden,  erhöht
und  neu  eingeführt.  Die  „nationalpolitisch  schädliche  und  und  finanziell
  bedeutungslose“  !  Matrikelgebühr  für  Deutsche  im  Ausland  ist
fortgefallen.  Alle  Wünsche  der  Interessenten  konnten  nicht  berücksichtigt
  werden,  da  auf  die  Möglichkeit,  wenigstens  einen  Teil  der
Unkosten  der  Konsularverwaltung  durch  die  Gebühren  zu  decken,
nicht  verzichtet  werden  konnte.

Bei  der  Mannigfaltigkeit  der  Verwaltungsangelegenheiten,  die
durch  die  Konsuln  zu  erledigen  sind,  mußte  die  Berechnung  und
Einziehung  der  Gebühren  für  die  Konsularverwaltung  möglichst  einfach
  gestaltet  werden,  da  der  Konsul  die  Kasse  selbst  zu  führen  oder,
wenn  ihm  eine  Hilfskraft  dafür  zur  Verfügung  steht,  die  Kontrolle
auszuüben  hat.  Er  allein  ist  seiner  vorgesetzten  Dienstbehörde  für
die  richtige  Kassenführung  verantwortlich,  Wie  er  sie  einrichtet,
ist  im  allgemeinen  ihm  überlassen,  hinreichende  Anweisungen  dafür
sind  in  der  Allgemeinen  Dienstinstruktion  und  ergänzenden  Erlassen
gegeben  ??.,

Die  Einziehung  einer  Gebühr  verursacht  ja  der  Verwaltung  verhältnismäßig
  geringe  Schwierigkeiten!?,  Die  Verwaltung  braucht
nur  in  Tätigkeit  zu  treten,  wenn  sie  mit  Sicherheit  die  gesetzmäßige
Abgabe  erwarten  kann.  Der  Verwaltung  bietet  sie  nur  Vorteile,  die
Nachteile,  die  mit  anderen  Abgaben  verbunden  sind,  fallen  bei  der
Gebühr  fort  !#.

Im  Falle  der  Bedürftigkeit  sind  alle  im  Tarif  aufgeführten  Gebühren
  zu  erlassen  !®,  im  übrigen  erfolgt  der  Erlaß  nur  aus  besonderen
vom  Reichskanzler  vorgesehenen  Gründen  !*,  Letzteres  gilt  nur  für
die  Berufskonsuln  und  die  Wahlkonsuln,  die  Erstattung  ihrer  dienstlichen
  Ausgaben  aus  Reichsmitteln  beanspruchen.  Bare  Auslagen
werden  besonders  erstattet!”.  Die  im  Konsulatsgebührengesetz  vorgesehenen
  Gebühren  und  Auslagen  sind  auf  Ersuchen  des  Konsulats
von  den  Behörden,  denen  die  Beitreibung  von  Gerichtskosten  obliegt,
zwangsweise  beizutreiben  18,  Die  Vorschriften  anderer  Gesetze,  welche
für  die  im  Tarif  aufgeführten  Amtshandlungen  besondere  Gebtihren
oder  Gebührenbefreiungen  oder  Ermäßigungen  festsetzen,  bleiben
unberührt  ®,

1  Vgl.  Thoma,  Die  Gesetzgebung  des  Deutschen  Reiches  im  Jahre  1910.
Jahrb.  d,  öff.  R.  (1911)  5,  404.

11  Begründung  zum  Entwurf  S.  18.

12  Über  das  Gebühren-  und  Kassenwesen  vgl.  v.  König,  Handbuch  !  1,  619.

18  Fleiner?  S.  402;  Mayer  1,  494.

1%  v.  Heckel,  Art.  Gebühren,  H.d.St.°  4,  517.

15  Dies  gilt  auch  für  alle  Wahlkonsuln,

18  K.Geb.G.  8  2.

17  K.Gcb.G.  |  6.

'8  K.Gcb.G.  8  10.

18  K,Geb.G.  8  9.  —  Vgl.  z.B.  G.  zur  Ausführung  des  Abkommens  über
den  Zivilprozcß  vom  17.  Juli  1905,  vom  5.  April  1909.  (R.G.Bl.  S.  430)  88  2,  4.
Seem.O.  g  123;  R.V.O.  88  197,  1838.

Meyer-Dochow,  Deutsches  Verwaltungsrecht,  Il.  4.  Aufl.  93