256 1. Abteilung: Polizeiliche Angelegenheiten.
Straßen und Plätze geschaffen. Der Plan selbst schafft noch keine
öffentliche Straßen; ebensowenig gehen vorhandene öffentliche Wege
ohne weiteres durch Aufstellung eines Bebauungsplans ein. Soll ein
durch eine neue Straße überflüssig gewordener öffentlicher Weg fortfallen,
so muß mit dessen Einziehung nach § 57 Zust G. verfahren werden (ogl.
Abschnitt „Wegepolizei, Einziehung von öffentlichen Wegen“ S. 248).
Ein festzustellender Bebauungsplan ist nach erfolgter Zustimmung
der Ortspolizeibehörde vom Gemeindevorstande offen zu legen (G. v.
2. VII. 75 § 7 Abs. 1). Mit dem Tage, wo die Offenlegung beginnt
tritt die Beschränkung des Grundeigentümers, daß Neu--, Um- und Ausbauten
über die Fluchtlinie hinaus versagt werden können, endgültig
ein (§ 11). Aus dem Worte „endgültig“ ist entnommen worden, daß
auch schon vor der Offenlegung die Ausführung von Neubauten, Umund
Ausbauten über die Fluchtlinie hinaus versagt werden kann. Das
Oberverwaltungsgericht nimmt an, daß die Versagung gerechtfertigt ist,
wenn die Polizei und die städtischen Behörden (Magistrat und Stadtverordnete)
sowie die Ortspolizeibehörde sich über die Fluchtlinien
geeinigt haben (Erk. v. 21. 1. 87 OBG. 14 381). Bloße Verhandlungen
unter den Behörden genügen hierzu nicht. Wo keine Fluchtlinien
bestehen, ist die Polizeibehörde nicht befugt, solche im Ein zelfalle,
3. B. in Gestalt einer Baubedingung, vorzuschreiben. Wohl aber können
in Ermangelung von Fluchtlinien durch Polizeiverordnung allgemein
für Gebäude Entfernungen von öffentlichen Wegen vorgeschrieben werden
(O##. 50 425).
Das Oberverwaltungsgericht versteht unter „Neubau“ im Sinne
des § 11 jede selbständige neue bauliche Anlage, alles, was nach dem
Sprachgebrauche im technischen Sinne gebaut wird, Gebäude, Häuser,
Schuppen, Türme, Denkmäler, Tore (Erk. v. 10. III. 77 — IV 443;
Friedrichs, Baufluchten G., Bem. 3 zu § 11), nicht Umfriedigungen von
Grundstücken, wozu es Zäune oder Mauern rechnet (Erk. v. 22.IX. 93 OBG. 25
379). Nicht jede Veränderung der Substanz eines Gebäudes stellt einen
Umbau dar; sonst müßte der größte Teil der baulichen Vorkehrungen,
die mit Reparatur bezeichnet werden, zu den Umbauten gerechnet
werden. Zu den letzleren rechnet das Oberverwaltungsgericht nur die, bei
denen es sich um eine immerhin eingreifende, das Gebäude teilweise
umgestaltende und um eine wesentliche Veränderung der Substanz
handelt (Erk. v. 25. I. 96 OVG. 29 372). Jedenfalls müssen bauliche
Maßnahmen vorliegen (O#. 50 417). Reparatur bedeutet Ersatz
einzelner abhängig gewordener Teile. Der Begriff des Ausbaues wird
gewöhnlich im Gegensatze zu Rohbau angewendet, und damit die Fertigstellung
der inneren Einrichtung eines Gebäudes für seinen besonderen
Zweck bezeichnet (Erk. v. 15. IX. 81 OG. 8 300). Allein es ist unbedenklich,
nach dem Erk. v. 21. IV. 02 (O# G. 41 364) unter Ausbau auch andere