Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Aumtmer  20

Aolenelmer  Anrelan

Oonner-tas,  I.  Februar  1617

 

denkwürdige  Stunde  der  Selt.  onsgründung  und
stattete  dem  Hauptausschusse  des  Vereins  den
Dank  ab,  durch  dessen  Förderung  und  Beihilfe
die  Sektion  eine  so  große  Reihe  alpiner  Schöpsungen
  im  Kaisergebirge  erstellen  lassen  lonnte.
Hofrat  Dr.  Trnka  übermittelte  in  herzlichen
Worten  die  Grüße  und  Clücknünsche  des

Hauptaussckusses,  Bürgermeister  Egger  dankte
namens  der  Stadt  für  das,  was  die  Sektion  in
den  40  Jahren  zur  Lebung  des  Fremdenwer
lehrs  in  Kufstein  und  im  Kaisertal  geleistet
hat.  Kassier  Neumayer  gab  bekannt,  daß  die
Mitgliederzahl  durch  den  Krieg  sehr  gesunken
se;  während  sie  im  Jahre  1913  357  Namen
umfaßte,  sei  sie  im  Jahre  1916  auf  219  zurückgegangen.
  Eine  gemütliche  Unterhaltung
schloß  die  Feier.  v

Bwerliches  oberinun.

Miesbach,  30.  Januar.  In  der  jüngsten
Generalversammlung  des  Landw.  Vereins  wurde
  u.  a.  auch  die  Frage  der  Ablieferung  des
Goldgeldes  an  die  Reichsbank  berührt.  Landrat

nberger  wies  dabei  darauf  hin,  daß  nicht
nur  auf  dem  Lande,  sondern  auch  in  den  Großstädten
  das  Goldgeld  zurückgehalten  wird.  Er
erzählte  beispielsweise,  ein  Münchener  Christbaumhändler
  habe  ilm  die  verkäuften  Christ.
bäume  mit  Gold  bezahlt,  das  sich  der  Händler  in
der  Gastwirtschaft  zum  Soller  im  Tal  mit  6  Mk.
Aufgeld  geholt  hatte.

Traunstein,  30.  Jan.  Im  Lottgesegneten
Alter  von  mehr  denn  37  Jahren  schied  eine
stadtbekamte  Persomichteit  in  der  Jungfrau
Katharina  Graßl,  bekannt  unter  dem  Namen
Prediger  Kathl,  aus  dem  Leben.  Geboren  als
Mällerstochter  in  Deggendorf,  kam  sie  frühzeitig
zu  ihrem  Onkel.  Domkapitular  Franz  Schmid
in  Passau,  nachmaligen  Stadtpfarrer  von  hier,
um  ihm  den  Hausta#t  zu  führen.  Nach  dem
Tode  des  Stadtpfarrers  trat  sic  in  den  Dienst
des  Stadtefarrpredigers  Meier,  nachmaligen
Stadtpfarrero  von  Rosenheim.  Mit  ihm  ver.
ließ  die  treue  Hauehälterin  Traunstein  nicht
mehr,  sondern  bezog  hier  ein  bescheidenes
Feim.  Eleich  der  greisen  Anna  kam  sie  täglich,  solange
  es  die  Cefundheit  erlaudte,  ins  Gottesbaus.
  Als  eifriges  Mitglied  des  3.  Ordens,  dem
die  Prediger  Kathi  über  510)  Jahre  angehörte,
führte  sie  ein  einfaches,  klösterliches  Leben.= 



 

Int  Bieistage.
Die  Bierkarte  in  Sicht.

Im  Münchener  Magistrat  wurden  Erklärun.
gen  des  Ministers  des  Innern  Dr.  von  Brettreich
  zur  Bierfrage  mitgeteilt.  Nach  Ansicht
des  Ministers  ist  Brot  wichtiger  als  Bier,  und
wenn  die  Brotversorgung  nicht  unter  allen  Um.
ständen  sichergestellt  ist,  muß  das  Bier  hinter
dem  Brot  zurückstehen.  Gleichzeitig  hat  der  Mi.
nister  erklärt,  daß  er  unter  anderen  Mittein  Um.
ichau  halten  werde,  um  die  Biermenge  zu  erhöhen.
  In  erster  Linie  käme  hier  in  Vetracht,  daß
der  Minister  selbit  Maßtnahmen  eingeleitet  hat,
um  die  Ausfuhr  von  Bier  entsprechend  herabzu.
selten.  Ein  weiteres  Mittel  sicht  er  in  der  Herabsellung
  der  Stammwürze,  wodurch  eine  größere
Menge  Bier  gebraut  werden  könnte.  Endlich
sollen  auch  die  Lieserungen  an  die  Militärverwaltung
  einer  Nachprüfung  unterzogen  werden.
Der  Minister  wird  sich  auch  über  die  Maßnah.
men  einer  gerechten  Verteilung  schlüssig  machen
und  der  Einführung  einer  Bierkarte  für  das
ganze  Land  nähertteten.  Ferner  wird  der  Mi.
niiter  für  eine  Aurechnung  des  zu  Unrecht  hin;
ausgegebenen  Malzes  eintreten  und  die  beson
deren  Interessen  Bayerns  in  der  Bierversor.
gung  bei  den  Reichsstellen  mit  allem  Nachdruck
au  fördern  suchen.  Der  agistrat  München
nahm  von  diesen  Mitteilungen  Kenntnis,  ebenso
  davon,  daß  auch  Oberbürgermeister  Dr.  von

Borscht  in  der  Unterredung  mit  dem  Minister
des  Jnnern  in  sehr  nachdrucklicher  Weise  sich  für
die  Interessen  der  Stadt  München  binsichtlich
der  Bierfrage  eingesetzt  hat.

Kofaluschriatn

Nosenheim,  31.  Jan.

Auszeichnungen  im  Felde.  Der  stud.
phil.  Matthias  Teufel  wurde  mit  dem  Eisernen
dn.  ausgezeichnet  und  zum  Leuinant  beson

dert  Er  mar  im  Jahre  1912  Absolvent
K.  Gymnasiums  Rengern  und  steht  seid  Fenn
1914  im  3.  Fuß  Art.-Reg.  im  Feld.  Der  Gefreite
  Konrad  Killer,  der  in  einer  Scheinwerferabteilung
  steht,  wurde  mit  dem  Eisernen
Kreuz  ausgezeichnen  und  zum  Unteroffizier  be.
fördert;  er  ist  ein  Sohn  der  der  Krau  Saese  site  ·
rin  Killer  in  Rosenhei  Franz
Steindlmüller,  E“  2  aus  Hohen.
aschau,  Soldat  im  3.  Jäger-Reg.,  wurde  mit
dem  Militärverdienstkreuz  3.  Klasse  mit  der
Krone  und  mit  Schwertern  ausgezeichnet.

Deutschlands  Spende  für  Saus:
lings-  un  Kleinkinderschng.  In  der
leenden  Friedenszeit  wird  es  eine  der  be

lcnorr  #ilsnbischen  Aufgaben  die
iheren  Verlusle,  die  der  Krieg  durch  die  unge- 



 

beuren  Opfer  an  jugendlichen,  arbeitstüchtigen
Männern  verursacht  hat,  wieder  auszugleichen,
sowie  eine  Hebung  der  Volksgesundheit  herbeiführen.
  Je  mehr  Gräber  sich  draußen  über
deutschen  Soldaten  schllieten,  desto  größer  ist  die
Pflicht  der  Fürsorge  für  die,  welche  das  Erbe
der  Toten  ubernehmen.  Unser  Bestreben  muß
künftig  sein:  Kein  kindliches  Leben  darf  aus
mangelndem  Verständnis  für  sein  Wohl  u.  We.-he,
  aus  mangelnder  Fürsorge  unserem  Volkstum
  verloren  gehen  oder  durch  Krankheit  ver.
kümmern,  wir  brauchen  ein  zahlreiches,  an  Leib
und  Seele  gesundes  Geschleckt,  Um  dies  zu  erreichen,
  bedarf  es  großer  Mittel,  und  deshalb
wird  in  den  nächsten  Tagen  an  die  besitzenden
und  gebefreudigen  Kreisen  unferer  Stadt  eine

Bittschrift  um  Spenden  hinausgehen.  Damit
sollen  alle  Bestrebungen  und  Einrichtungen  auf
dem  Gebiete  der  Säuglings  und  Kleinkinderfürsorge
  in  Stadt  und  Land  in  großzügiger  Wiise
gefördert  werden.  Wir  hoffen,  daß  die  Gaben
reichlich  fließen,  damit  Bayern  nicht  zurück
bleibt  henter  der  Opferfreudigkeit  anderer  Gebiete
  des  Deutschen  Reiches.  Es  gilt  die  Zukunft
unseres  Volkes.

Verlängerung  der  Güterannahme.
sperre.  Die  Eisenbahndirektion  München  gibt
bekannt:  Die  Güterannahmesperre  wird  bis  zum
Samstag,  den  3.  Februar  1917,  einschließlich,
verlängert.

Vom  neuen  Fahrplan.  In  dem  am  1.
Februar  in  Kraft  tretenden  neuen  Fahrplan  verkehren
  die  Züge  in  der  Richtung  Nosenheim.
Kufstein  wie  fol  gt:  Rosenheim  ab  Personenzug
6  Uhr  früh,  Schnellzug  8.54  Uhr  vormittags
(mit  Aufenthalt  auf  allen  Stationen,  Personenzug
  11.40  Uhr  mittags,  Personenzug  2.45
Uhr  nachm.,  Personenzug  7.09  Uhr  abends,
Personen#ug'  9.27  Uhr  abends:  aus  Richtung
Kufstein  sind  die  Antunftszeilen  in  Rosenheim:
Personenzug  7.43  Uhr  morgens,  Personenzug
10.40  Uhr  vormittags,  sGZNJ  3.41  Uhr
nachm.,  Personenzug  6.24  Uhr  nachmittags,
Schnellzug  8.19  Uhr  abends  (mit  Aufenthait
auf  allen  Stationen).  —  In  der  Richtung  Rosenheim-Holzlirchen
  vertehren  folgende  rsonenzüge:
  Rosenheim  ab  5  Uhr  früh  (Ankunft
in  München  7.3c.)  Uhr  früh),  8.20  Uhr  vormit.
tags,  11.23  Uhr  vormittags  (nur  bis  Westerham),
  1.06  Uhr  nachmittags,  4.30  Uhr  nachmittags
  (nur  bis  Bruckmühl!,  6  Uhr  abends  u.
Sonn,  und  Feiertags  9.20  Uhr  abends  bis
Bruckmühl.  Aus  der  Richtung  Holzkirchen  treffen
  die  Züge  wie  folgt  in  Rosenheim  ein:  7.45
Uhr  vormittags,  11.15  Uhr  vormittags,  1.38
Uhr  nachmittags  (nur  von  Westerham),  3.51
Uhr  nachmittags,  6.34  Uhr  abends  (nur  ab

Bruckmühl),  9.02  Uhr  abends  und  Sonn  und
Feiertags  10.21  Uhr  abends,  ab  Bruck.

mühl.  —.  In  der  Richtung  Roienheim  Mühldorf
verkehren  die  Züge  wie  folgt:  Nosenheim  ab
5.10  Uhr  früh,  12.31  Uhr  mütags  (nur  an
Sonn.  und  Feiertagen),  4.42  Uhr  nachmittags
und  7.33  Uhr  abends.  Aus  Richtung  Mühldorf
kommen  die  n*  in  Rosenheim  an:  7.34  Uhr
morgens,  10.33  Uhr  vormittags,  4.12  Uhr
(nur  Sonn  und  Feiertags"  und  8.15  Uhr
abendes.  Nad  Frasdorf  fahren  die  Züge  in
Nosenheim  ab:  9.02  Uhr  vormittags,  3  Uhr
nachmittags  und  7.15  Uhr  abends;  aus  Frasdorf
  treffen  die  Züge  in  Rosenheim  ein:  7.50
Uhr  morgens,  12.55  Uhr  mittags  und  6.40  Uhr
abends

Butterversorgung.  Die  Butterzentrale
München  wird  ab  Februar  ihre  Butterlieferung
nach  Rosenheim  einsiellen.  An  ihrer  Stelle  ist
der  Kommunalverband  Rosenheim--Land  von  der
Bayer.  Landesfettstelle  angewiesen,  die  Sladt
Rosenheim  mit  Butter  zu  versorgen.

Das  Kriegoelterngeld  kann  im  allgemeinen
  nur  gewährt  werden,  wenn  der  Gesallene
vor  seinem  Eintritt  in  das  Feldheer  mehr  als
die  Hälfte  zum  Unterhalt  seiner  Eltern  oder
Grohestern  beigetragen  hat.  Hiernach  konnten
Eliern,  die  für  die  berufliche  Ausbildung  ihrer
Söhne  erhebliche  Aufwendungen  gemacht  haben,
nicht  berücksichtigt  werden.  Nach  einer  Mitteilung
  hat  jeht  das  preußische  Kriegsministerium
ausgesprochen,  daß  solchen  Eltern  im  Falle  der
Bedürftigkeit  bescheidene  Zuwendungen  aus
Mitteln  der  Militärverwaltung  gewährt  werde
  dürfen.  Es  ist  dringend  zu  wünschen,  daß

auch  die  bayerische  Militärverwaltung  Aehnliches
  anordnet.  Elterngeldgesuche  nehmen  die  gemeindlichen
  Fürsorgesteillen  für  Kriegehinterbliebene
  auf.

Todesfall.  Ein  in  hiesiger  Sladt  bestenbekamter
  Geschäftsmann  ist  am  Dienstag  gestorben.
  Der  Optiker  und  Feimmechaniker  Herr
Grorg-  Kaempfe  ist  im  Alter  von  74  Jahren
aus  diesem  Leben  geschieden.  In  ihm  hat
Rosenheim  eine  Versczulschkeit  verloren,  die  in
weiten  Kreisen  in  hoher  ng  stand.  Von
rasiloser  Tätigkeit  bis  in  die  letzten  Zeiten
seines  Lebens,  hat  er  scin  Geschäft  zu  großem
Ansehen  gebr  Unvergängliche  ten
hat  e  *-  erm#  um  die  prot.  Velein  dahier.
  Als  Gründer  des  prot.  ins
hat  er  sich  mit  unermüdli  üoser  Hingebung

  der  en  der
Kire  dt  So

der  prot.
«  e
—.  auss  tatweiht

  werden
die  Erbauung  **  R
Raktiglle  gekordert,  Eine  lange  Beche  pon  Jalr- 



ren  war  er  Mitglied  der  Kirchenverwaltung  und
Kirchenpfleger.  Auch  sonst  hat  er  an  den  Veranstaltungen
  und  Umernehmungen  der  prot.  Ge.
meinde  slels  lebhaften  Anteil  genommen.  Seiner
Familie  ließ  er  alle  Fürsorge  angedeihen;  im
September  1916  feierte  er  sein  50  jähriges
Hochgeitsjubilänm.  Dem  rerdienstvollen  Mann
wird  ein  ehrendes  u.  dankbares  Gedächtnis  bewahrt
  werden.  Sein  Sohn,  Herr  Optiker  Wilhelm
  Kaempfe,  ist  Mitkämpfer  im  jetzigen  großen
Ringen  und  wurde  seinerzeit  schwer  verwundet.
An  dem  herben  Verrluste,  den  die  Familie
Kaempfe  jetzt  erlitten  hat,  nehmen  weite  Kreise
groten  Anteil.

Ein  bedauerlicher  Unsall  ist  in  den
lezten  Tagen  Herrn  Kunstmühlbesitzer  Finsterwalder
  in  Landl  zugestoßen.  Er  wollte  in  leinem
  Betriebe  einen  Treibriemen  auflegen.  Dabei
  öffnete  sich  die  Schließe  und  ein  Ende  des
Riemens  wurde  mit  aller  Wucht  Herrn  Finsterwalder
  gegen  die  Brust  geschleudert.  Die  Folge
war,  daß  zwei  Rippen  eingedrückt  wurden  und
auch  die  Lunge  in  Mitleidenschaft  kam.  Erfreulicherweise
  ist  aber  im  Befinden  des  Verunglück.
ten  wieder  eine  Besserung  eingetreten.  Wir
wünschen  Herrn  Finsterwalder  recht  baldige  völlige
  Genesung.

Gefrorene  Kartoffeln  u.  Gemüse
sollen  im  Interesse  der  Volksernährung,  nicht
weggemorfen  werden,  da  sie  sick  bei  entsprechender
  Behandlung  ohne  Schaden  für  die  Gesundheit
  wieder  verwenden  lassen.  Gefrorenes  Ge.
müse  läßt  man,  allenfalls  in  kaltem  Wasser,
langsam  auftauen  und  bereitet  es  dann  wie  gewöhnlich.
  Cefrorenes  Weißkraut  schmeckt  auf
diese  Weise  sonar  besser  als  sonst,  Nur  muß  gefrorenes
  Gemuse  bald  verbraucht  werden,  da
es  sonst  zu  faulen  beginnt.  Cefrorene  Kartoffeln
werden  einige  Tage  an  einem  warmen  Ort,
etwa  unter  den  Herd  gelegt,  wodurch  sich  der
sübliche  Geschmad  völlig  verliert.  Zum  Strek.
ken  von  süßen  Mehlspeisen  kann  man  die  Kartofseln
  sogar  in  gefrorenem  Zustande  verwenden
  und  infolge  des  sußichen  Eesemacke  er
Zuder  einsparem  "„

Aus  seu  Gerichtsane

Freigesprochen.

münchen,  30.  Jannar.  Die  18jährige  Nä.
herin  Therese  Kofler  aus  Rosenheim  umerhielt
hinter  dem  Rücken  ihrer  Eltern  ein  Liebesverhältnis
  und  verheimlichte  die  dadei  eingetretenen
  Folgen.  Am  12.  Nov.  1916  wurde  sie  im
Abort  der  elterliczen  Wohnung  von  der  Geburt
überrascht.  Da:z  lebend  geborene  Kind  fiel  in
die  mil  dem  Abort  in  Verbindung  stehende
Jauchegrbe  und  ertrank.  Wegen  Kindelötung
hatte  sie  sich  jetzt  vor  dem  oberbayer.  Schwur.
gericht  zu  verantworten.  Unter  Tränen  be
tenerte  die  Angeklagte,  daß  sie  nichte  Schlimmes
  beabsichtigt  oder  getan  hätte.  Auf  (Grund

s  Wahrspruches  der  Geschworenen  wurde  sie
den  pahripe  «

Giftmordversuch.

München.  30.  Jannar.  Vor  dem  Schmurgericht
  hatte  sich  heule  die  2vjährige  Kindemagd
Anna  Huder  von  Holzkirchen  wegen  Gistmord.
versuchs.  zu  verantworten.  Die  Angeklagte  versuchte
  ihr  im  Dezember  1915  geborenes  Kind

5  Monate  später  mit  Strychninweizen  zu  ver.

giisten.  Der  Aersuch  mißlang,  ohne  daß  das
Kind  ernstlichen  Schaden  genommen  hätie.  In
der  Schwurgerichtsverhandlung  war  die  Ange.
lagte.  aeständig,  bestritt  aber  die  Ueberlegung
der  Tat.  Sie  wurde  uegen  Toischlagsversuch
umer  Amahme  mildernder  Umstände  zwei
Jahren  Gefänguis  verurteilt,  wvovon  6  Monate
Umersuchungshaft  abgerechnet  wurden.

 

Faule  Gründungen.

München.  30.  Jannuar.  Die  Krankenpflegerin
  Karoline  Stockinger  in  Altötting,  die  neun
Zahre  lang  dem  Orden  der  Barmherzigen
Schwestern  angehört  hatie,  gründete  nach  ihrem
1913  erfolgten  Austritt  in  der  Romanstraße
in  München  ein  Schwesternheim,  dem  sie  zuerst
den  Namen  „Weißes  Kreuz“,  auf  Einspra
aber  „Grünes  Kreuz“  beileche.  Sie  und  ihre
beiden  leiblichen  -Schwestern  bildeten  das  Personal
  des  Schwesternheims,  das  aber  bald  auf.
gegeben  wurde.  In  Krailling  ließ  sich  die
Stockinger  verschiedene  Betrügereien  zuschulden
lommen,  weswegen  sie  vom  Thsten  gericht
Starnberg  zu  6  onalen  Gefängnis  verurteilt
wurde;  ihre  Berufung  wurde  verworfen.

Darlehens.-  Wucher.

München.  30.  Januar.  Mancher  Geschäftsud
  aeibahn  It  *  der

eren  Zeit  gen  ¾l
tn  a  ar  zuche  .  auf.

krelen  n  S  eben  hohe
le  iten  zu  u

Zinsen  verlangen.  anl  NRechsgeschäfte.
auch  wenn  i  nicht  alle  Merkmale  des  Wuchers
  amhaften,  nichtig  8  und  XI  Dansen
nehmer  ichs  nichts  S  ichten,  weil

gute  t  das  Ober
n
cht  Munchen  in  ro  En  S

—#ß  einen  Fall  aus  *  Zeit  lu  Mach  derg
ausbruch  doch  liegen  d

Ug  nicht  viel  anders.  In  Deu-  t

 

heißt  es:  Ein  derartiges  Verhalten  zu  einer  für
den  größten  Teil  des  Volkes  üÜberans  schwierigen
Zeit,  die,  um  gemeinsann  Durchhaiten  zu
ermöglichen,  jedem  einzelnen  gebietel,  seine.  In.
teressen  in  den  Hintergrund  zu  stellen,  sedenfalls
verbietet,  dem  Volksgenossen  sein  wirtschaftliches
Fortlommen  und  Weiterbestehen  unnötig  zu
etschweren,  bezeichnel  das  Voll  ais  unsittlich.
Teures  Wildbret.
München.  30.  Januar.  Im  Jahre  1913
trieben  vier  Wilderet  aus  Kirchseeon  haupfsäch.
lich  im  Ebersberger  Forst  ihr  Unwesen.  Sie
wurden  am  26.  Juni  1914  vom  Landgericht
München  2  zu  längeren  Gesängnisstrafen  verurteilt.
  Erst  nach  zwei  Jahren  kam  es  zur  Kennt.
nis  der  Behörde,  wohin  ein  Teil  der  von  den
Wilderern  geschossenen  Rehe  gekommen  ist.  Eine
Abnehmerin  war  die  Wirtschaftspächterin  und
Mestzgersfrau  Kath.  Nauckenschwander  in  Kirchseeon,
  die  den  Wilderern,  die  viel  in  der  Wirtschaft
  verkehrten,  mindestens  vier  Rehe  und  eine
Anzahl  Rehgehörne  abgekauft  hat.  Für  da-Reh
  bezahlte  sie  jeweils  10.  Mark  und  wies
den  Wilderer  an,  daß  er  es  immer  in  eine  leerslehende
  Kammer  neden  der  Waschküche  zu  legen
habe.  Wegen  Hehlerei  angeklagt,  leugnete  Frau
kmiemh  wander,  gewilderte  Rehe  gekauft  zu
haben,  vielleicht  sei  dies  von  ihrem  jetzt  beim
Militär  stehenden  Mann  geschehen,  sie  wurde
jedoch  zu  1  Zahr  Gefängnis  verurteilt.

I##  ###  Me##s##e.

Belreff:  Eierwerso#rgung.

Auf  Grund  der  Bekanmtmachung  der  baner.
Lebenemittdlstelle  vom  5.  und  11.  Januar  1917
—  Staatsanzeiger  Nr.  53  und  14—  erläht  das
igl.  Bezirksamt  Rosenheim  folgende  Anordmngen:


1.  Der  Aufkauf  der  Eier  erfolgt  ausschließlich
durch  die  gemeindlichen  Sammelsstell  when  und  die
vom  Igl.  Bezirksamt  mit  einer  Ausweiskarte
versehenen  Aufkäufer.

2.  In  jeder  Gemeinde  ist  wenigstens  eine  Sammelllelle
  zu  errichten.  Außerdem  kömen  Auf.
käufer  beslellt  werden,  welchen  der  Aufkauf
der  Eier  nur  in  deni  n  der  Ausweiskarte  bezeich
neten  Gemeinden  gestattet  ist.  Die  Naomen  der
Aufkäufer  und  der  ihnen  zugeteilten  Gemeinden
werden  im  Amtsblatt  bekangegeben.

3.  Die  Geflügelhalter  haben  die  in  ihrer
Wirtschaft  gewonnenen  Eier,  soweit  sie  bieselben
nicht  selbst  brauchen,  an  die  Sammelstellen  und
die  Aufskäufer  abzugeben.

4.  Verbrauchern  und  Kleinhändlern  ist  der
Erwerb  von  Eiern  bei  den  Geflügelhaltern  verbeten.


Im  Falle  besonderen  Bedürfnisses  kam

dae  lgl.  Bezirksamt  Verbrauchern  den  unmittel.
baren  Einkauf  von  ECiern  bei  bestimmten  Gelügelhaltern
  gestatten.
5.  Die  Sammelstellen  und  die  zugelassenen
Aufläufer  haben  die  ausfgekauften  Eier  nach
Anweisung  des  Kommunalverbandes  abzuliesern.


6.  Die  Gemeinden,  welche  ihren  Bedarf  an
Ciern  nicht  selbst  aufbringnen  können,  haben
sich  megen  Zuweisung  von  Eiern  an  den  Korn  ·
munalverband  zu  wenden.

7.  Die  Sammelstellen  und  die  Aufläufer  ha.
ben  allwöchentlich  am  Samstag  dem  Kommnnalverband
  unter  Verwendung  eines  Postkartenvordruckes
  anzuzeigen,  wieviel  Eier  sie  aufgelauft
  haben  und  nähere  Anweisung  darüber
einzuholen,  an  wen  die  gesammelten  Eier  abzugeben
  sind.

3.  Die  Sammelstellen  und  die  Aufkäufer  haben
  über  die  aufgelauften  und  gelieferten  ##er
Buch  zu  führen.

9.  Der  Verkauf  der  Eier  an  die  Verbraucher
erfolgt  durch  die  Sammelstellen  oder  durch  di
Kleinhändler.

10.  Eier  dürfen  an  Verbraucher  nur  gegen
Eiermarken  abgegeben  und  vom  Verbraucher
nur  gegen  Eierkarte  erworben  werden.

11.  Die  Höchstmenge,  die  auf  die  Eiermarke
abgegeben  werden  darf,  wird  von  der  bayer.
Eserversorgungsstelle  jeweils  festgesetzt  und  bekanntgegeben.


12.  Geslügelhalter,  welche  mit  den  selbstgewonnenen
  Eiern  den  Bedarf  ihres  Haushalkes
decken  können,  erhalten  keine  Eierkarte  ausgestellt.


13.  Gasthäuser,  Konditoreien,  gröhere  Anstalten
  und  Gewerbebetriebe,  in  denen  Eier  verarbeitet
  werden,  lönnen  Eier  nur  auf  Erun
von  Eilerbezugsscheinen  erwerben,  welche  am
Antrag  pom  Kommunalverband  1
werden.

14.  Die  sbersorcung  der  Militärladarette  ind
anderen  militärischen  Bedarfsstellen  wird  gesondert
  geregett.

15.  Die  Elerlarten  z1d  ,  ler  dewöhren
  keinen  Anspruch  auf  den  E—  e

entsprechenden  Menge  Eier.  (

Wtm  tt.[[
de  Konditoreien  und  hnl  trlephes.
  E###r,  ½575  “  nns  —
lerilen  nur  gegen  ene  verabreicht  und

gegengenommen
.Schluß  jolgt)—

 

–  —