Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

kämpfenden  Mächten,  das  heißt  in  der  ganzen  Welt  eingenommen  und  das  aus
ihm  pervorgegangene  Kriegeoffizierkorps  und  Kriegsbeer  zu  seinen  unvergleichlichen
  Leistungen  befähigt  hat.

4.

So  war  die  Lage  der  Mittelmächte  schon  angesichts  der  Notwendigkeit  der
Führung  eines  Zweifrontenkrieges  außerordentlich  schwer.  Dabei  ist  allerdings
daran  zu  erinnern,  daß  zwischen  den  seindlichen  Verbündcten  ander  Ost-und  an
der  Westfront  nur  eine  sehr  schwache  Verbindung  bestand.  Die  einzige  wirklich
  unmittelbere  Verbindung,  die  Dardanellen,  sperrte  die  Türkei.  Es  war
elne  Lebensfrage  für  die  Mlttelmächte,  daß  diese  Sperre  besteben  blleb.  Hieraus
  ergibt  sich  ohme  weiteres,  welch  ungeheure  Bedeutung  der  Haltung  zukam,
welche  diese  Macht  einschlagen  würde.  Auch  die  Leiter  der  türkischen  Geschicke
wußten  natürlich  ganz  genau,  daß  eine  militärische  Nlederzwingung  Deutschlande
  und  Osterreiche  sie  ohne  seden  Rückhalt  dem  russischen  Streben  nach  Bederrschung
  des  Balkane  und  Eroberung  Konstantinopels  ausgeliefert  haben
würde.  Also  auch  für  sie  war  es  elne  Frage  des  Seine  oder  Alchtseins,  die  der
ausbrechende  Krieg  entscheiden  mußte.  Crotzdem  muß  es  als  eine  Tat  höchster
Ehrenhaftigkelt  und  Tapferkeit  anerkannt  werden,  daß  die  Türkel  schon  wenige
Monate  nach  dem  Ausbruch  des  Kampfes  sich  als  Verbündete  an  unsere  Seite
gestellt  hat.  Noch  höher  aber  wächst  dieses  Verdlenst,  wenn  man  die  geradezu
überraschende  und  überwältigende  Hingabe  und  Zähigkeit  betrachtet,  mit  welcher
die  Türkei  den  Kampf  durchgeführt  und  so  bis  unmittelbar  vor  dem  allgemelnen
Zusammenbruch  die  Sperre  zwischen  unseren  östlichen  und  westlichen  Feinden
aufrechterhalten  hat.  Das  ist  um  so  bewunderungewürdiger,  als  die  Kürkel
eben  erst  zwei  verlorene  Kriege,  den  Kripoliekrieg  und  den  Balkankrieg,  überstanden
  hatte.  Ferner  kam  für  die  Türkei  erschwerend  in  Betracht,  daß  sie,  wie
sie  Rußland  von  seinen  westlichen  Verbündeten  abschnitt,  ihrerseits  wieder  von
ihren  VDerbündeten  im  Norden  durch  die  Balkanstaaten  abgeschnitten  war,  die
erst  vor  kurzem  in  mörderischem  Kriege  mit  ihr  die  Waffen  gekreuzt  hatten.
Diese  Erwägung  läßt  erkennen,  von  wie  entscheidender  Bedeutung  für  die  Kraft
unseres  Widerstandes  die  Tatsache  geworden  ist,  daß  im  Laufe  des  Krieges
Bulgarien  sich  den  Mittelmächten  angeschlossen  und  sich  an  der  Niederwerfung
Serbiens  beteillgt  pat.  Hierdurch  wurde  die  Verbindung  zwischen  Verlin,  Wien
und  Konstantinopel  über  Belgrad  und  Sofia  geschaffen  und  dadurch  der  Umweg
über  das  neutrale,  aber  mehr  als  unzuverlässige  Rumänien  vermieden,  der  im
Anfang  elnen  kärglichen  Ersatz  für  eine  Verbindung  über  verbündetes  Gebiet
hatte  abgeben  müssen.

Bel  Kriegsbeginn  waren  allerdinge  diese  erleichternden  Umstände  noch  nicht
eingetreten,  und  so  war  mit  der  Möglichkelt  zu  rechnen,  daß  es  den  östlichen
und  westlichen  Feinden  über  kurz  oder  lang  gelingen  werde,  die  Verbindung
durch  die  Dardanellen,  sel  es  mit,  sei  es  ohne  Zustimmung  der  „Portiers  der
Meerengen“,  herzustellen.