416 Drittes Buch. Die Nettung der Zukunft.
nicht gewagt, der Unterthanen „durch die Wolken dringende
und des gerechten Gottes Strafe und Rache nach sich ziehende
Seufzer und Thränen auf sich zu laden“. Zum Krieg seien
ihm keine Mittel gelassen, und da der allgemeine Friede noch
immer nicht zu stande gekommen sei, so dürfe man, „was ex
inevitabili necessitate zu Zeiten geschehen müsse“, nicht ihm oder
„seinen so hochbedrängten und bis aufs Mark und Bein ausgesogenen
Ständen und Unterthanen“ anrechnen. Immer trostloser
lauteten des Statthalters Berichte. Da der Vertrag mit
Schweden noch nicht perfekt geworden, wisse man nicht, was
eigentlich für die schwedischen Garnisonen zu leisten sei, und
es werde daher wohl „bei der vorigen Konfusion verbleiben
und der Unterhalt wie vorhin erzwungen werden". Dabei werde
viel mehr als nötig genommen und so „des eigenen Volkes
Unterhalt immer weiter in ein Stocken geraten und in solchen
Abfall kommen, daß dem Werke nicht mehr zu helfen"“. Die
Stände aber verlangten immer weitere Reduktion, als ob man
noch nicht wehrlos genug wäre und durch vollständige Entwaffnung
die Kriegslasten am ehesten los werden könnte! Der
Hofhalt des Statthalters, für den schon im Mai 1642 eine
ständische Beihilfe von 80 Thalern hatte erbeten werden müssen,
wurde immer knapper, die Lage der Beamten, die nur einen
Teil ihrer Kompetenzen, oft gar nichts erhielten, immer elender,
die Aussicht, die kleine Armee bei einander zu halten und brauchbar
zu machen, immer geringer: kaum in den trübsten Zeiten
Georg Wilhelms war man so rat= und hilflos gewesen und
hatte mit so stumpfer Resignation der nahenden Katastrophe
entgegengesehen. Solchem Druck erlag schließlich die moralische
und die geistige Kraft des Statthalters, mögen auch die Folgen
einer wüsten Jugend die Wirkungen einer seelisch und körperlich
gleich aufreibenden Thätigkeit gesteigert haben. Der Eindruck
trostlosen Elends ringsum scheint in ihm die Wahnvorstellung
erzeugt zu haben, er selbst sei ihm bereits verfallen:
er machte sich Sorge um seinen Unterhalt, wollte Berlin verlassen
und nach Küstrin übersiedeln. Der Kurfürst, dem damals
Konrad von Burgedorf persönlich über den Stand der Dinge
Bericht erstattete, suchte ihn zu beruhigen. Eines Tages (An-