jutanten und erklärte: Seine Majestät vergesse ganz, daß er Offizier
sei und ein Portepee trage; er müsse auf die Armee zurückgreifen
und sie gegen die Sozialisten führen, falls diese zu revolutionären
Taten schreiten sollten: der Kaiser solle ihm freie Hand lassen, dann
werde man endlich Ruhe haben. Im Kronrat blieb Bismarck bei
seinem Standpunkt. Die einzelnen Minister, zur Meinungsäußerung
aufgefordert, sprachen sich lau aus. Es kam zur Abstimmung, und
das ganze Ministerium stimmte gegen mich.
Diese Abstimmung zeigte mir wiederum die absolute Herrschaft,
die der Kanzler über seine Minister ausübte. In tiefem Unmut
besprach ich den Vorfall mit Exzellenz v. Lucanus, der ebenso betroffen
über diese Erscheinung war. Lucanus suchte einige von den Herren
auf und stellte sie über ihr Verhalten zur Rede. Die Herren
machten geltend, sie seien „nicht in der Lage“, gegen den Fürsten
Stellung zu nehmen, und erklärten, man könne ihnen doch unmöglich
zumuten, gegen den Fürsten zu stimmen.
Der große westfälische Bergarbeiterstreik im Frühsahr 1889
traf die Zivilverwaltung überraschend. Eine dementsprechende Kopfund
Ratlosigkeit trat zumal bei der Provinzialverwaltung Westfalens
in die Erscheinung. Alles rief nach Truppen, ein jeder Grubenbesitzer
wollte womöglich Posten vor seinem Zimmer stehen haben.
Die Kommandeure der requirierten Truppen meldeten immediat über
die vorgefundene Lage an mich, darunter einer meiner früheren
Regimentskameraden aus dem Garde-Husarenregiment, v. Michaelis,
der seines Witzes halber berühmt war. Er war zwischen den streikenden
Arbeitermassen, die in dem ungewöhnlich warmen Vorfrühling
auf den Halden herum lagerten, allein und unbewaffnet umhergeritten
und hatte es bald verstanden, durch sein vertrauenerweckendes joviales
Wesen einen harmlosen Verkehr mit den Leuten herzustellen. Durch
Frage und Antwort gelangte er in den Besitz vieler wertvoller Informationen
über das, wodurch sich die Arbeiter — mit Recht oder
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