III
drei Männer für-ketzerisch erklärt wurden. Die Morgenländischen
Bischöfe, waren an unbedingten Gehorsam gegen die
kaiserlichen dogmalischen Befehlelängstens gewöhnt, also von
ihnen die Befolgung der Hoftheologie sicher zu hoffen. Aber
die Afrikaner, welche erst kurz voiher unter Justinians Oberherrschaft
gekommen waren, und bei welchen sich der Religionseifer
durch viele erlittene Verfolgungen sichtbar genährt
hatte, wollten nichts von Gehorsam gegen einen Befehl wise
sen, welcher der Ehre der Chalcedonischen Synode so nachtheilig
war. Sie entbrannten von Eifek, daß der Kaiser sich
stelle, als ob das Ansehen der Chalcedonischen Synode durch
seine Verordnung gar nicht geschwächt seyn sollte, und es
schien ihnen mehr als unchristliche. Grausamkeit! Bischöfe,
welche über hundert Jahre lang todr waren, und nunterdeß
allgemein als fromme, gelehrte Männer, als treffliche Lehrer
der Kirche verehrt worden waren] bloß aus Respect gegen
einen närrischen Einfall des Kaisers, im Grabe zu verfluchen.
Billig hätte in einem solchen Falle, selbst auch durch
das Beispiel seiner Vorgänger berechtigt, der Rdmische Bil.
schof Vigilius im Namen aller Abendländer für den Riß treten
sollen, und so lange er auch in Italien war, also meisiens
nur solche um sich hatte, welche über Justinians heterodore
irenische Bemühung äußerst erbittert waren, so blieb
auch er eifriger-Vertheidiger des Ansehens der Chalcedonischen
Synode. Aber Justinian, der alle Schwächen von Vigilius
kannte, ließ ihn nach Constantinopel herüber holen,
und wußte in seinem Betragen gegen denselben Versprechungen
und Drohungen, Liebe und Erust so glücklich zu mischen,
daß sich dieser gegen die drei Capitel erklärte (ladicatum).
Doch kaum war die Erklärungsgestellt, und kaum ihr
Inhalt bekannt gemacht, so sah sich Vigilius von der ortho-