Full text : Rummelsburger Kreisblatt. 69. Jahrgang 1914 (69)

Die  Hexen.  155

Gewebe  des  Hexenprocesses  gewirkt  werden  sollte;  die
christliche  Theologie  gab  den  Zettel  her,  die  christliche
Juristerei  den  Einschlag.  Nachdem  die  zahlreichen  „Malefizgerichte“
  einmal  bestellt  waren  und  das  vielfältige
Personal,  welches  dazu  gehörte,  das  Fett  der  Sporteln
einmal  geschmeckt  hatte,  lag  es  gleichermaßen  in  den  Zeitverhältnissen
  wie  in  der  menschlichen  Natur,  die  Hexenproceduren
  möglichst  in  Schwung  zu  bringen,  und  mit
welchem  Erfolg  dies  gelang,  veranschaulicht  die  Thatsache,
daß  zur  Zeit  des  dreißigjährigen  Krieges,  während  alles
in  Deutschland  bitterlich  verarmte,  der  Hexenproceß  ein
sehr  einträgliches  Geschäft  war.

Das  ganze  Mittelalter  hindurch  waren  mit  anderen
Ketzern  auch  einzelne  Zauberer  und  Hexen  von  den  Ketzergerichten
  auf  die  Scheiterhaufen  befördert  worden.  Indessen
  hatte,  wie  wir  seines  Ortes  gelegentlich  erwähnten,
das  fromme  Inftitut  der  Inquisition  in  Deutschland
keinen  rechten  Boden  finden  können.  Für  diese  Einbuße
nun  sollte  der  Hexenproceß,  welcher  am  Ausgang  des  15.
Jahrhunderts  in  Folge  methodischer  Entwickelung  zu
einem  theologisch-juristischen  Unternehmen  ersten  Ranges
erhoben  wurde,  unser  Land  in  übervollem  Maß  entschädigen.
  Zu  Ende  des  Jahres  1484  erwirkten  die  beiden
vom  Papste  zu  Ketzerrichtern  in  Oberdeutschland  bestellten
Professoren  der  Theologie,  Jakob  Sprenger  und  Heinrich
Institor,  eine  päpstliche  Bulle,  welche  in  dem  Bullenregister
  unter  dem  Titel  „Summis  desiderantes"  —
(die  päpstlichen  Bullen  werden  bekanntlich  nach  ihren
Anfangsworten  betitelt)  —  berüchtigt  und  ihres  Ur-