260 Oberpfalz u. Regensburg.
Sommer. O Winter, du bist ein grober G'sell,
Du jagst die alten Weiber in die Höll.
Winter. Jag' ich sie 'nein, so heitz ich brav ein,
Da können sie nachher singen und schrei'n.
Sommer. Ich bin der Sommer im weißen G'wand,
Und jag' den Winter aus dem Land.
Winter. Ich bin der Winter in der Pelzhaub'n,
Und jag' den Sommer über Zaun und Staub'n.
Sommer. O Winter, du darst jetzt nimmer viel sag'n,
Ich werd dich gleich aus dem Sommerland jag'n.
Winter. Du wirst mich brav aus dem Sommerland jag'n,
Und kannst keine zaundürre Henne trag'’n.
Sommer. O Winter, ich werd“ dich nicht länger frag'n,
Ich muß mit dir schon raufen und schlag'en.
Drauf fangen die Buben an sich zu balgen, bis endlich der Sommer den
Winter überbietet und ihn zur Thüre hinauswirft. Nach kurzer Weile kommt
aber dieser wieder herein und spricht:
O du mein Sommer, ich geb dir Recht,
Du bist der Herr und ich dein Knecht.
Drauf der Sommer:
O du mein Winter, jetzt ist's schen Recht,
Bin ich der Herr und du der Krecht,
O du mein Winter, so gib mir die Hand,
Nachher reisen wir mit 'nand in's Sommerland! —
Das Sommer= und Winterspiel verkündet die wieder erwachende Natur.
Den eigentlichen Beginn des Sommers leuchtet die Flamme des Sonnwendfeuers
ein. Die uralte Sitte des Sunwendfeuers (Simmets= oder Zimmetsfeuers)
am Vorabende des Johannistages ist noch in vielen Gegenden der
Oberpfalz, an der Altmühl, um Neumarkt, Kastl, Vilseck, Auerbach 2c. trotz
aller polizeilichen Verbote sehr im Schwange, wenn es auch nicht mehr
so lustig dabei hergeht wie weiland zu Kastl, wo man mit Musik auszog
auf den Kastler Berg und unter allgemeinem Jubel die Flamme lodern ließ,
bis um Gebetläuten der Marktsknecht kam und sie auslöschte. Das Anzünden
des Zimetsfeuers, soweit sich die Sitte noch erhalten hat, und der
Sprung darüber ist jetzt ausschließend der Jugend überlassen. Die Alten
sorgen nur dafür, daß drei „Brände"“ (angebrannte Scheiter) in den Flachsacker
gesteckt werden, damit der Flachs gehörig in die Länge wachse. Das
wird auch erreicht, wenn der Junge recht hoch springt und dabei ruft:
So lang, so lang
Muß mein Flachs werden!