Full text : Handwörterbuch des Sächsischen Verwaltungsrechts. Erster Band (A-K). (1)

130  Besetzungsverfahren  —  Besitzveränderungsabgaben

Ständen  in  gemeinschaftlichem  Antrage  an  den  König  zu  bringen
(BU.  §  140).  Die  Begutachtung  der  beim  König  über  einzelne
Ministerien  eingehenden  B.  gehört  vor  das  Gesamtministerium  (V0O.
vom  7.  Nov.  1831  S.  323  Pkt.  4  G  3).  Auch  B.  über  Mißbrauch
der  kirchlichen  Gewalt  können  bis  zur  obersten  Staatsbehörde  gebracht
  werden  (Vll.  §  58).  Außerdem  besteht  noch  die  B.  im  Zivilprozeß,
  Strafprozeß  und  in  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  (s.  Rechtsmittel
  V),  in  Steuersachen  (s.  Rechtsmittel  II)  und  Verwaltungsstrafsachen
(s.  d.  IV).

II.  Entscheidungen:  In  Verwaltungsstreitsachen  ist  die  B.  an  die
Stände  weggefallen.  Die  Aufsichtsbeschwerde  (Vl.  8  30)  besteht
neben  der  Anfechtungsklage  fort,  ist  jedoch  kein  geordnetes  Rechtsmittel,
  sondern  ein  Gesuch  um  Abänderung  einer  Entschließung,  das
kein  Recht  auf  sachliche  Entscheidung  begründet  und  eine  Anderung
der  angefochtenen  Entscheidung  nur  insoweit  herbeiführen  kann,  als
ein  öffentliches  Interesse  dafür  vorliegt  und  die  nachgeordnete  Behörde
ihre  Entschließung  selbst  abändern  durfte  (Regierungserklärung  in  den
Sitzungen  der  Ständekammern  vom  6.  März  1902  und  der  J.  Kammer
vom  15.  Mai  1902,  MWVO.  vom  14.  Okt.  1902,  SWB.  243,  Fischer
XXV  171,  OVG.  16.  Okt.  1902  II  S  180,  Rumpelt  bei  Fischer  XXIV  273).
Die  Anfechtungsklage  gegen  Entscheidungen  über  Aussichtsbeschwerden
ist  zulässig,  Kann  jedoch  nur  eine  Nachprüfung  der  angefochtenen  Entscheidung
  auf  ihre  Ubereinstimmung  mit  dem  bestehenden  Bechte  zur
Folge  haben  (OV.  vom  22.  Aug.  1901  1  S  127,  28.  Aug.  1901  II  S
127,  23.  Aov.  1901  18  225  und  12.  Febr.  1902  1  S  231,  Jahrb.  II  104).
Aach  8  75  Abs.  2  des  Ges.  vom  19.  Juli  1900  S.  486  ist  die  Anfechtungsklage
  unzulässig,  wenn  die  B.  erst  nach  Ablauf  der  Rekursfrift  eingeht
(OVE.  6.  März  1902  II  8  5,  5.  März  1902  1  S  255  und  5.  Nov.  1902
1  8  213,  Jahrb.  II  110).  Gewerbliche  Konzessionen  können  auch  außerhalb
  des  reichsgesetzlich  geordneten  Verfahrens  von  Aufsichts  wegen
aufgehoben  werden,  wenn  bei  der  Konzessionserteilung  klare  und
wesentliche  Vorschriften  verletzt  worden  sind  (O.  23.  Mçov.  1901,
Jahrb.  II  104;  s.  auch  Gewerbe  III).  Der  Antrag  auf  gerichtliche  Entscheidung
  gegen  zweitinstanzliche  Entscheidungen  ist  unter  Umständen
als  Aufsichtsbeschwerde  anzusehen  (OV#.  5.  Dez.  1901  1  S8  239).

Besetzungsverfahren  für  Kirchen=  und  Schulstellen  s.  Patronat
und  RKollatur.

Besitzstandsverzeichnisse  sind  die  in  den  Städten  RStO.  vom
Stadtrate,  im  übrigen  von  den  Bezirkssteuereinnahmen  jedem  Grundsteuerpflichtigen
  auf  Grund  des  KRatasters  auszustellenden  Verzeichnisse
der  ihm  gehörigen  Flurstücke.  Veränderungen  des  Besitzes  und  der
Steuereinheiten  sind  von  den  genannten  Behörden  im  Verzeichnisse
nachzutragen  (AVO.  vom  26.  Okt.  1843  S.  153  §  12).

Besitzveränderungsabgaben.  I1.  Allgemeines.  Die  Ministerien
des  Innern  und  des  Kultus  sowie  das  Landeskonsistorium  haben  einen