Contents : Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst vom 5. Dezember 1916.

reicher  politischer  Konzeption  fehle,  die  Fähigkeit  nämlich,  zu  war—
ten,  bis  der  richtige  Augenblick  gekommen  ist.  Fürst  Bismarck
schätzte  also  den  Besitz  von  Sansibar  höher  als  den  von  Helgo—
land,  den  er  sogar  noch  in  den  „Gedanken  und  Erinnerungen“
wie  eine  dem  Deutschen  Reiche  aufgebürdete  Last  ansah.

Heute  freilich,  nach  den  Erfahrungen  des  Weltkrieges,  liegt
es  klar  zutage,  daß  Sansibar  militärisch  wertlos  für  uns  ge—
wesen  wäre  —  wir  hätten  es  nicht  eine  Woche  im  Kriege  behaupten
können  —,  wogegen  sich  Helgoland  als  ein  Bollwerk  von  unschätz—
barem  Wert  erwiesen  hat.  In  Sachen  Sansibar-Helgoland  hat
die  Geschichte  nicht  dem  alten  Eckart  des  deutschen  Volkes,  sondern
  dem  jungen  Kaiser  und  seinem  neuen  Kanzler  recht  gegeben.

Es  war  gewiß  nicht  Ubelwollen  oder  Mißgunst  gegen  den
Nachfolger,  was  die  Haltung  des  Fürsten  bestimmte,  sondern  es
war  Voreingenommenheit  in  der  Sache,  als  die  natürliche  Folge
des  Grundsatzes,  der  seine  gesamte  innere  und  äußere  Politik  beherrschte:
  Die  deutsche  Nation  einig  und  stark  zu  machen  und  das
neue  Reich  im  Innern  zu  festigen  und  nach  außen  als  Großmacht
des  europäischen  Festlandes  gegen  alle  Gefahren  zu  sichern.  Die
Aufgabe  war  groß  und  schwer  genug,  um  sein  ganzes  Denken  und
amtliches  Wirken  auszufüllen.  Daher  ließ  er  die  ersten  Schritte
jugendlicher  Geister,  wie  Karl  Peters,  zur  Erwerbung  von  Kolonien
  nur  zögernd  zu.  Daher  auch  die  Beschränkung  der  Rüstung
zur  See  auf  das  geringste  Maß  des  Küstenschutzes.  Daß  das
Wachsen  der  inneren  Kraft  Deutschlands  den  Ubergang  zur  Weltpolitik
  erfordern  werde,  ahnte  sein  Genius  wohl,  aber  die  stete
Sorge  blieb  doch  auf  die  militärische  Verteidigung  unserer  Stellung
  inmitten  des  europäischen  Festlandes  gerichtet  und  an  eine
Schlachtflotte  mit  Helgoland  als  unentbehrlichem  Stützpunkt  dachte  er
nicht.  Die  beste  Erklärung  liegt  in  der  vom  Fürsten  Bülow  in  seinem
Buche  „Deutsche  Politik“  nacherzählten  Geschichte,  wie  der  achtzigjährige
  Fürst  Bismarck  auf  einer  Rundfahrt  im  Hamburger  Hafen
zum  erstenmal  einen  der  neuen  Riesendampfer  betritt,  im  Anblick
aller  der  vielen  Schiffe,  Kräne  und  Docks  stehenbleibt  und  tiefbewegt
zu  Ballin  spricht:  „Ja,  das  ist  eine  neue  Zeit  —  eine  ganz  neue  Welt.“

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