561 Denkart — denn. dennoch — derart. 562
das tier nicht. — Zusammensetzungen: Denkart, k. Art #Luc. 9, 13; nach Comparativen, in altertümlicher Weise,
zu denken, Gesinnung, Geistesrichtung, seit vor. Ih., für jebiges als: der feigen waren mehr, denn der streitauch
denkungsart Adelung: milch der Krommen denk- baren, der dummen mehr, denn der klugen Schiller
art Schiller Tell 4, 3. — denkfaul, saul im Denken, Fiesko 2, 8; sicberer, denn er war, ist er Hölderzum
Nachdenken: geistlos und denksau. Treitschke Lin 22; wer erfuhr mehr denn du selbst raschlaunigen
1. 602. — Denkfreiheit, k. Freiheit in der Richtung, es wandel des tags Platen Festges.; nur um doppeltes
Denkens. — Denkkraft, k. Vermögen zu denken. — Denk= als zu vermeiden, ist dieses denn auch heutiger Spr.
kanst, k. Kunst richtig zu denken; seit 17. Ih. für das noch gemäß: ao besuche ich ihn jetzt mehr als freund
fremde - — Denknal, n. Mal, Zeichen zum An- denn als arzt Immermann Münchh. 4, 94; vielsach
denken, ü arschung des lat. monumentum, zuerst bei verblaßter, wie somit, nun: unser könig denn voran,
Luther, als Plur. hat sich später denkmäler und denk-#hm gebührt die ehre Goethe Tischlied; herein denn!
male ergeben; von Dingen, Einrichtungen im Allge-Faust 1; mit Partikeln, da denn, ehe denn, so denn,
meinen: (das ungesäuerte Brot) ein denkmal fur deinen wie denn u. s. w.; auch denn doch, das ist denn doch
augen 2. Mos. 13, 9; viele denkmähler seiner ruhm-zZu arg; nur ausfüllend, die Rede rundend: was ist denn
würdigen staatsverwaltung zu binterlassen Wielandschon wieder? was willst du denn?; kannst du denn
Ag. 12, 12; nehmen Sie dies denkmal meiner gnade nicht ruhe balten! u. a. — dennoch früher dannoch,
(einen Gürtel) Schiller Karl. 1,6; von Bauwerken, ahd. dunne nocb, aus alter zeitlicher Bed. damals noch“
Säulen, Denksteinen, Statuen: denkmäler erriehten; in die des Gegensatzes übergetreten, verstärktes doch;
das denkmal un den letzten feldzug ward eingeweibt; ob jrs wol sahet, thatet jr dennoch nicht busze Matth.
burgen, die denkmale der ritterzeiten; von Schrift= 21, 32; in älterer Spr. gehäuft noch dennoch (Stieler),
werken: denkmäler unserer Hlteren litteratur. — Deuk= auch in der Form dennocht: bin ich dennocht solichen
münze, f. Münze zum Andenken geprägt (Adelung, schen . nachgangen Aventin 1, 8, auch in Luthers
früher geilentmisenn: er (der Preis) bestand in einer früheren Schriften mebhrsach. «
goxdeaevdeukmuuzechiller3,592.—Deukfäule,k.Ter,«en1.die,Neutt-das,dempnstranvesund
SaulezmnAndenkenerrichtet.—Denkfchrift,k.SchriftstelativesütwottundbestinuntctAtttkcl,abd.mhd.
um Andenken an eine Person oder Ereignis verfaßt; der, diu, daz: Formerweiterung im ersteren Falle, wenn
bhandlung, als Denkzeichen der Thätigkeit einer ge= es obne Subst. steht, im Gen. Sing. und Neutr. dessen
lehrten Gesellschaft, denkschriften einer abaciewnis, Ein= (doch auch dichterisch bald desz, bald jenes Grillgabe
an eine Behörde, welche die augenblickliche Lage parzer 7, 87), Fem. deren, im Plur. aller Geschlechter
der Dinge zum späteren Gedächtnis darstellt. — Deuk= derer und deren, in unterthäniger Rede altertümelnd
spruch, m. Spruch zum daran denken, bei Schottel auch dero, Dat. Plur. denen; solche Formen erst seit
1108 als Verdeutschung von ##möolum; später wie das der 2. Hälfte des 15. Ih., dero aus der süddeutschen
fremde Sentenz, Maxime Adelung. — Deulstein, m. Kanzleispr. dieser Zeit eingedrungen. Formenrückgang
zu einem Andenken errichteter Stein; auch Grabstein. — beim Gebrauch des Fürwortes als Artikel, in welchem
Deukweisc, k. Denkart: eine solche denkweise Goethe Falle der Nom. Acc. Neutr. zu bloßem s (in alter Spr.
Du W. 9.— denkwürdig, würdig des Andenkens: denk- it, z. B. an iz lant Annolied 230, und z: zbeste län untz
wurdige schriften Henisch; denkwurdige ereignisse — bœste tuon Helmbr. 518) außerhalb gewählter und ge-Denkwürdigkeit,
k. Zustand von etwas Denkwürdigem; hobener Spr. gekürzt werden kann, und Verschleifung
Aufzeichnung, Erzählung von folchem: denkwurdigkeiten von Artikelsormen im Sing. mit vorhergehenden Präaus
dem leben des griechischen kaisers Alexius Komnenes positionen eintritt, vgl. am, beim, im, vom. zum, zur;
Schiller 9, 196. — Denkzeichen, #. Zeichen zum An= ans, aufs, durchs, fürs, ins, ums; bei zweisilbigen ausdenken:
brot und wein zum malzeichen oder denk- serm, hinterm, uberm, unterm, Acc. hinters, ubers.
zeichen der ehristen machen Luther 3, 3385; es blieb unters; weniger gebräuchlich und nur der Volksrede anihm
eine schmarre, als denkzeichen der schlägerei. — gehörig auszern, hintern, übern (er ist auszern garten.
Denkzcttel, m. (früher f.) Zettel auf den geschrieben wird, bintern zaun, übern bach gegangen); aufm. vorm; Verwas
man nicht vergessen darf: denkzadel oder gedenk- schleifungen von Pluralsormen des Artikels, wie sie noch
buchle, duryn einer täglich aufschreibt was er thün im 18. Ib. begegnen: vom kopf bis zun füssen Schiller
oder auszrichten wil Maaler; ein denkzedel ge- Räub. 2, 3, sind neuer ganz unmöglich geworden; Formsehrieben
Mal. 3, 16; übertragen aus körperliche Ge= erweiterung beim Artikel, Gen. Plur. derer. Dat. Plur.
brechen oder Strafen als Andenken an Erlittenes, Ver--denen. in üälterer Kanzleispr. häufig, jetzt etwa noch in
brochenes: einem einen denkzettel geben (etwa eine altertümelnder oder komischer Schreibart. Gebrauch als
Ohrfeige für sein Vergehen); in einigen minuten jauchzte einfaches Demonstrativum mit und ohne begleitendes
er vor schmerz (an ersrorenen Füßen) .. und hat den Subst., unterschieden vom verstärkten dieser und dem
denkzettel mitgenommen Seume Spaz. 2, 31. entfernter zeigenden jener: als Relativum im Wechsel
Denker, w. der da denkt, namentlich in der kunst= mit welcher, bei welchem Wechsel oft Gründe des Wohlmäßigen
Bed. des Verbums (2); von Adelung als klangs mit sprechen; als Artilel überall, wo das Subst.
neueres Wort ausgeführt; dem denker winkst du treu in Bestimmtheit und Vereinzelung des Begriffs hinund
lieb, dasz sich der sinn entfalte Goethe Div. gestellt wird tur dichterische Freiheit kann ihn hier weg-2,
11; die edelsten werke der grossen denker und assen, z. B. klag- und wonnelaut bräutigams und braut
dichter. — Denkerei, I. fortgesetztes, gewohnheitsmäßiges Goethe Br. v. Corinth 19); daher sehlend bei all-Denken:
gebenedeite gottesfamme, allfreie denk- und gemeinen, nicht individualisierten Begriffen, Stoffbezeichdruckerei
Bürger Prometheus; vgl. freidenkerei. — nungen; ferner bei Eigennamen (doch hier dichterisch gern
denklich, wie denkbar: alle denklichen argumente Goethe nach älterer, jetzt noch süddeutscher Weise: der Tell ist
Wanders. 2, 5. todt, der Tell Ub#an d 394; das ist der Karl, der kaiser
Deun, ursprünglich eins mit dann (s. d.), erst im Geibel 1, 3), bei allen titelhaften Ausdrücken, daher
18. Ih. von dem letzteren nach Bed. und Anwendung auch: was erlenkönig mir leise verspricht Goethe;
in der Schriftspr., nicht übcrall mundartlich, geschieden: vater hats verboten, mutter hats erlaubt; bei Abstracten,
im Anfange eines Hauptsatzes grundangebend: nehmt in kurzer Rede: kopf weg! hute ab! u. s. w.
die ernste stimmung wahr, denn sie kommt so selten Derart, adverbiale Zusammenrückung des Gen. dér
Goethe Generalbeichte; sonst Bedingung, Ausnahme art (val. art 6), in solcher Weise; bei Luther noch gebezeichnend:
ich las dich nie t, du segnegt mich denn trennt: der art bat dicser eschalke .. auch gethan
1. Mos. 32, 26; es sei denn das wir hingehen sollen 6, 3594; erst jetzt häufig geworden: das kind ist derart
M. Heyne, Deutsches Wörterbuch, k. 36