Volltext : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

Bayern  unter  Maximilian  I.  245

Schwager  Friedrich  V  und  für  die  Sache  der  Protestanten
bewaffnet  auftrat.  Kaiser  Ferdinand  II,  durch  Maximilian
und  Tilly  überzeugt,  daß  neben  dem  ligistischen  ein  eigenes
kaiserliches  Heer  von  möglichst  großer  Stärke  ausgerüstet
werden  müsse,  hatte  in  Ermanglung  erprobter  Führer  und  des
nöthigen  Geldes  den  Blick  auf  Albrecht  von  Wallenstein
(Waldstein)  39)  gerichtet,  den  er  1623  zum  Fürsten,  und  ein
Jahr  später  zum  Herzog  von  Friedland,  damals  seiner  größten
  Herrschaft,  ernannt  hatte.  Wallenstein  leistete  Unglaubliches
  —  er  stellte  dem  Kaiser  40,000  Mann  in  dem  Augenblicke
zur  Verfügung,  wo  Christian  von  Dänemark  herangezogen
kam  (1625).  Wie  schon  im  Voraus  bestimmt  worden  war,  erhielt
  Wallenstein  über  die  von  ihm  geworbenen  Truppen  den
unbeschränkten  Oberbefehl  als  des  Kaisers  „General-Obristen-Feldhauptmann.“


Der  Tag,  an  welchem  er  den  Befehl  übernahm,  bezeichnet
einen  merkwürdigen  Punkt  in  der  Geschichte  des  dreißigjährigen
Krieges.  Bis  dahin  war  der  Kampf  zum  Vortheil  der  katholischen
  Kirche  und  zur  Vergrößerung  Bayerns  geführt
  worden.  Wallenstein  drückte  ihm  alsbald  den  kaiserlichen
  Charakter  auf.  Zunächst  führte  er  sein  Heer  in  die
Gegenden  der  Niederelbe  und  schlug  den  Grafen  Mansfeld
(25.  April  1626)  an  dem  von  diesem  angelegten  Brückenkopfe
bei  Dessau.  Als  dieser  durch  Schlesien  nach  Ungarn  zog  und
sich  mit  Bethlen  Gabor,  dem  Fürsten  von  Siebenbürgen,
vereinigte,  folgte  ihm  Wallenstein;  doch  geschah  hier  nichts
Entscheidendes.  Bethlen  Gabor  schloß  mit  dem  Kaiser
Frieden,  worauf  Mansfeld  mit  Zurücklassung  seiner  Truppen
nach  Venedig  reiste,  um  sich  von  da  nach  England  einzuschiffen.
  Allein  er  wurde  zu  Wrakowitz  in  Bosnien  (am
30.  November  1626)  vom  Tode  ereilt  und  zu  Spalatro  in  Dalmatien
  begraben.

Nach  der  Niederlage,  die  Mansfeld  am  Dessauer-Brückenkopfe
  erlitten  hatte,  hing  die  Entscheidung  des  Krieges
von  den  Heeren  Tilly's  und  des  Königs  von  Dänemark  ab.
Tilly  schlug  (27.  August  1626)  das  dänische  Heer  unter
Christian  IV  bei  Lutter  am  Barenberge,  einem  Dorfe  im